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Hertha BSC ist plötzlich in Rekordform

Erstmals seit Liga-Gründung startet Hertha mit zwei Saison-Siegen. In Ingolstadt treffen Vedad Ibisevic und Julian Schieber.

Pal Dardai vor dem Spiel gegen den FC Ingolstadt

Pal Dardai vor dem Spiel gegen den FC Ingolstadt

Foto: Matthias Balk / dpa

Ingolstadt. Julian Schieber tropfte es von der Stirn, wie bei einem Schwamm, den man nass gemacht hat, um den Tisch abzuwischen. Ob er eigentlich nur Tore kurz vor Schluss erzielen könne, wurde Herthas Angreifer gefragt, nachdem er gegen den FC Ingolstadt vier Minuten vor Spielende für den 2:0 (1:0)-Endstand gesorgt hatte.

Der Berliner Trainer Pal Dardai hatte Schieber wie schon bei dessen Siegtreffer gegen Freiburg (2:1) in der Endphase gewissermaßen als Tischabräumer eingewechselt, um die drei Punkte zu sichern. Nun, im heißen Ingolstadt, grinste Schieber: „Bei diesen Temperaturen reicht es, wenn ich spät komme, und meine Chance sofort nutze.“

In diesen knappen Ausführungen ist schon der Grund dafür zu finden, warum Hertha am Sonnabend die Schanzer nach den Treffern von Vedad Ibisevic (8. Minute) und eben Schieber mit einem 2:0 schlug und nun zum ersten Mal in der 33. Bundesligasaison der Vereinsgeschichte mit zwei Siegen in die Spielzeit gestartet ist: Die Berliner waren nicht die bessere, aber die effektivere Mannschaft.

Der Japaner Haraguchi bereitet beide Tore vor

„Es gibt solche Tage, wo gleich der erste Schuss sitzt“, sagte später Ibisevic, der in seiner Karriere nun gegen 16 von 17 aktuellen Bundesligagegnern getroffen hat. Nur gegen RB Leipzig fehlt dem Bosnier noch ein Treffer, aber gegen die Sachsen hat er auch noch nicht gespielt.

Bereits die erste Gelegenheit nutzte Ibisevic, nachdem ihn Genki Haraguchi durch die Ingolstädter Abwehrbeine bedient hatte. Ibisevic hat mit nun insgesamt 93 Bundesligatreffern in der Liste der erfolgreichsten, ausländischen Torjäger Platz neun übernommen. „2:0 klingt easy, aber das war es nicht“, sagte der 32-Jährige. „Wir mussten auch ganz schön zittern.“

Treffer zwei nannte Dardai später „ein internationales, wunderschönes Tor, bei dem ich Gänsehaut hatte“. Wieder hatte der Japaner Haraguchi, der heimliche Held dieser Partie, den Ball auf die Reise geschickt, Schieber stieg zum Kopfball hoch und drückte das Spielgerät ins Netz (86.).

Viel Leerlauf im Berliner Spiel zwischen den Treffern

Dardai sprang danach an der Seitenlinie wie ein Häschen durch die Luft und haute die Fäuste in den Himmel: In der verkorksten vergangenen Rückrunde hatte seine Elf besonders an der verloren gegangenen Effektivität vor dem Tor gekrankt. In Ingolstadt haben die Berliner sie jetzt wiedergefunden:

„Es war die Zielsetzung an die Mannschaft, die Effektivität zurückzuerobern“, sagte Dardai. Aber das gehe eben nur über eine bestimmte Kämpfermentalität und Willen. „Wir sind vielleicht einen Tick gieriger und wacher als im letzten Jahr“, so der Ungar.

Zwischen Ibisevics und Schiebers Treffern dagegen war viel Leerlauf im Berliner Spiel. Und dass die fleißigen aber glücklosen Ingolstädter nicht zum Ausgleich kamen, hatte Hertha vor allem der Stirn von Schlussmann Rune Jarstein zu verdangen: Der Norweger parierte in der ersten Halbzeit einmal mit dem Kopf gegen Dario Lezcano (35.), der es aus fünf Metern versucht hatte. Später entschärfte Jarstein auch alle anderen FCI-Versuche.

Aber der Leerlauf hatte Methode bei den Berlinern: Dardai hatte den verletzten Mittelfeldrenner Per Skjelbred durch den robusteren Niklas Stark ersetzt und eine Taktik ersonnen, die dem Gegner die Verantwortung fürs Spiel überließ: 40 Prozent Ballbesitz und Kontern, das war Dardais Plan. Und er ging auf. Mit dem 2:0 erspielten sich die Berliner nicht nur die Punkte 498, 499 und 500 in der Bundesliga-Geschichte des Vereins. Dardais Team gelang es auch zum allerersten Mal, ein Bundesligaspiel zu gewinnen, wenn Skjelbred nicht mitmischte.

Trainer Dardai fordert, dass jetzt ja keiner abheben soll

Ob jener kleinen Bestmarken wollte Dardai jedoch nicht ausflippen: „Ich werde mir keine große Sektflasche aufmachen und eine Hausparty geben“, sagte der 40-Jährige. Er hatte erlebt, wie die Stimmung nach dem Europa-League-Aus gekippt war.

„Jetzt soll mir bloß keiner anfangen, wieder von der Champions League zu sprechen“, sagte Dardai. Und dennoch hatte dieser zweite Saisonsieg für Hertha natürlich stimmungsaufhellende Wirkung: „Das Euro-Aus sollte jetzt endgültig ­vergessen sein“, sagte Ibisevic.

Ob er Haraguchi als Dank für die Flanke eigentlich einen ausgeben müssen, wurde Julian Schieber zum Abschluss noch gefragt: „Japaner und Alkohol, das kann nach hinten losgehen“, antwortete der Stürmer. Und er ist ja dafür zuständig, dass es bei Hertha wieder mehr nach vorn geht.

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