Bundesliga

Lustenberger und die Karriere auf der Achterbahn

Fabian Lustenberger bestreitet seine zehnte Saison bei Hertha. Am zweiten Spieltag geht es gegen den FC Ingolstadt

Seit August 2007 trägt er das Hertha-Trikot: Fabian Lustenberger. Sein Vertrag in Berlin läuft bis 2019

Seit August 2007 trägt er das Hertha-Trikot: Fabian Lustenberger. Sein Vertrag in Berlin läuft bis 2019

Foto: imago sport / imago/Jan Huebner

Berlin.  So eine klare Linie wie gegen den FC Ingolstadt ist selten für Hertha – und für Fabian Lustenberger. Wenn die Berliner am Sonnabend in Ingolstadt antreten (15.30 Uhr, Liveticker bei Immerhertha.de) sind die Rollen verteilt: Zwei Bundesliga-Duelle gab es bisher, Hertha gewann 1:0 und 2:1. Überhaupt sind die Schanzer ein kleiner Lieblingsgegner des Hauptstadt-Klubs: sechs Spiele, drei Siege, drei Unentschieden. Eigentlich steht Hertha für teilweise wilde Achterbahnfahrten. Permanent passiert eine Menge, aber nur selten gibt es Kontinuität.

Fabian Lustenberger spielt gerade seine zehnte Saison für Hertha. Der Schweizer, der im August 2007 vom damaligen Trainer Lucien Favre als schlaksiger Jüngling mit Lockenkopf geholt wird, ist mittlerweile dienstältester Profi. Solche Verweildauer ist in der Branche mittlerweile rar. Normalerweise heißt es: Nach einer Vertragslaufzeit, spätestens nach der zweiten sollte ein Profi gehen, weil das Paket aus neuem Gehalt, Signing fee und sonstigen Prämien in der Regel bei einem Klub-Wechsel höher ist als eine schnöde Vertragsverlängerung.

Die Ahnen-Galerie interessiert ihn nicht

Er hat zwei Ab- und zwei Aufstiege mit Hertha erlebt. Doch Lustenberger widerspricht der Legende von Vereinstreue. Um seine Anspielung zu verstehen: Im Medienraum von Hertha hängen große schwarz-weiß Fotos von Größen wie Erich Beer, Otto Rehhagel, Michael Preetz, Gabor Kiraly und Pal Dardai.

„Ich bin nicht hier geblieben, weil ich ein Aushängeschild des Vereins werden wollte, sondern weil es für mich gepasst hat“, sagt Lustenberger. „Nicht, damit bei Hertha irgendwann ein Poster von mir neben dem von Kiraly, Dardai hängt. Mir gefällt’s, und Hertha auch, sonst hätten wir den Vertrag nicht verlängert. Ein bisschen stolz ist dabei, aber es ist nicht so, dass ich auf Anerkennung aus wäre.“

Der Schweizer wünscht sich mehr Anerkennung

Dass mit der Anerkennung ist ein empfindlicher Punkt für Lustenberger. Er findet seit langem, dass er bei Fans und Medien nicht die Anerkennung erhält, die ihm zusteht. Öffentlich würde er das jedoch nie sagen. Schon gar nicht reden will er über den Entzug des Kapitäns-Amtes, den Trainer Pal Dardai kurz vor Saisonbeginn vorgenommen hat (Vedad Ibisevic ist der Nachfolger). Seit Wochen antwortet Lustenberger auf Medien-Anfragen: „Kein Kommentar“ oder „ich habe nichts zu sagen“.

Nicht nur, dass Lustenbergers Karriere bei Hertha ein Auf und Ab ist. Langwierige Verletzungsprobleme, die ihn in den ersten drei, vier Jahren immer wieder zurückgeworfen hatten, hat er überwunden. Er hat seine Muskulatur sorgfältig aufgebaut, ist stabiler geworden und seit einiger Zeit von längeren Pausen verschont geblieben.

Lustenberger ist ein Trainer-Spieler

­Lustenberger ist ein Trainer-Spieler: „Lucien Favre hat mir damals das Vertrauen gegeben und mir den Schritt in die Bundesliga ermöglicht, dafür bin ich sehr dankbar. Jos Luhukay hat mich zum Kapitän gemacht und mir als Innenverteidiger eine andere Position gegeben, das war auch nicht unwichtig.“


Als gelernter defensiver Mittelfeldspieler glänzt Lustenberger nicht mit spektakulären Dribblings. Drei Tore in 150 Bundesliga-Partien belegen, dass seine Stärke in der Defensive liegen.

Drei Länderspiele für die Schweiz

Lustenberger hat ein gutes Spielverständnis. Dass er eine möglich Großchance des Gegners zunichte macht, indem er den Passweg zugestellt hat, registrieren nur wenige Zuschauer, sehr wohl aber der Kollege in der Innenverteidigung, Der Torwart ­- und der Trainer. Lustenberger ist keiner für die Galerie. Wie wertvoll er fürs Teamgefüge sein kann, hat er als Teil der sehr guten Hertha-Hinrunde der vergangenen Saison belegt (Platz drei zu Weihnachten).

Nachdem er bei Hertha als Innenverteidiger überzeugt hatte, kam Lustenberger auf drei Länderspiele für die Schweiz. Doch der jetzige Nationaltrainer Vladimir Petkovic setzt auf andere Spieler – der Zug ist abgefahren.

Dardai wählt Ibisevic statt Lustenberger

Die Beziehung zu Hertha-Coach Pal Dardai ist eine schwierige. Schon in der Vorbereitung Anfang Juli, Lustenberger war gerade als Kapitän bestätigt worden, wollte der Schweizer von einem besonderen Vertrauensverhältnis nichts wissen: „Es ist ein Trainer-Spieler-Verhältnis, ganz normal. Ich genieße keine ­Privilegien und zeige mich im Training wie jeder andere.“

Lustenberger ist ein Teamplayer, aber keiner, der in besonderen Spielen für besondere Momente sorgt. So einen hätte Hertha beim Europacup-Aus in Bröndby (1:3) gebraucht. Trainer ­Dardai reagierte und wechselte den ­Kapitän. Lustenberger musste die ­Binde an Ibisevic weiterreichen.

An erster Stelle steht die Familiez

Der Schweizer, hätte nun mit einem Wechsel liebäugeln können. Doch Lustenberger, verheiratet und zweifacher Familienvater, ist Profi und Realist. Er sei nicht mehr ganz so fußballverrückt wie früher: „Wenn ich bei der Familie zu Hause bin, steht Fußball nicht mehr an erster Stelle. Man hat eher die richtig wichtigen Dinge im Blick: Familie, Gesundheit.“ Öffentlich sagte Lustenberger kein Wort zu der Angelegenheit.

Er trainiert intensiv. Trainer Dardai sagt, Lustenberger sei so gut in Schwung, wie lange nicht mehr. Fußball ist Job. Die ­nächste Dienstreise führt nach Ingolstadt. Da der verletzte Per Skjelbred in Berlin geblieben ist, wird Lustenberger in der Startelf stehen.