Bundesliga

Hertha gönnt sich eine Kampagne für 250.000 Euro

Innovativ und Digital: Hertha will mit einem Kulturwandel den Klub verändern und neue Kunden gewinnen. Fans wundern sich über ihren Verein.

Teil der neuen Marketing-Kampagne: Begrüßungsplakat auf dem Gelände von Hertha BSC

Teil der neuen Marketing-Kampagne: Begrüßungsplakat auf dem Gelände von Hertha BSC

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Jeder Spieler oder Trainer, der zum Training kommt, jeder Geschäftsstellen-Mitarbeiter, jeder Kunde im Fan-Shop sieht sie – die Plakatwand begrüßt alle Besucher, die bei Hertha BSC vorfahren. „Berliner Start-up seit 1892“. Darunter etwas kleiner der englische Slogan, der in dieser Saison auf allen Hertha-Mitteilungen steht, ob sie auf Papier verbreitet werden, im Internet oder als Plakat: „We try! We fail! We win“ (wir probieren, wir versagen, wir gewinnen).

Sportlich verfolgt Hertha in der mittlerweile vierten Saison das gleiche Ziel: Etablierung in der Liga. Außerhalb des Platzes hat der Verein jedoch auch Großes vor. Die Plakatwand ist ein Signal, in welche Richtung es gehen soll.

Vertrag mit Jung von Matt läuft ein Jahr

Herthas Chefetage (Geschäftsführer Michael Preetz und Ingo Schiller, in der Geschäftsleitung Thomas E. Herrich und Paul Keuter) hat sich viel vorgenommen. Auf die Marketingkampagne sind sie stolz. Für die wurde die Hamburger Marketingagentur Jung von Matt /Sports verpflichtet. Das Engagement läuft zunächst für ein Jahr. 250.000 Euro lässt sich Hertha diese Unterstützung kosten. Bisher hat der Verein jedoch überwiegend Spott geerntet für diesen Auftritt - unverständlich, im Fußball nicht kompatibel. Viele Fans fühlen sich so nur noch als Kunde wahrgenommen.

Gegenüber der Morgenpost geht Preetz in die Kommunikationsoffensive. Er sagt, dass Hertha sich verändern möchte, um mehr Fans zu gewinnen. Gleichzeitig aber die Anhänger mitnehmen will, die dem Verein traditionell zugewandt seien. Den Gründergeist hätten schon die Väter des Vereins bewiesen bei der Klub-Gründung auf dem Hertha-Dampfer. Und aktuell will Hertha den Anschluss schaffen an die Leute, die Berlin zur Start-up-Hauptstadt machen. „Wir wollen die für uns gewinnen, die nicht unbedingt in Berlin geboren sind: Weil sie hier leben und die Stadt verändern, weil sie neu dazukommen“, sagt Preetz.

Auf und Ab gehört zur Geschichte von Hertha

Warum der Slogan in Englisch kommt, dazu sagt Preetz: So international wie Berlin mittlerweile ist, „sollte ein englisches Motto 2016 kein Problem sein“. Die Idee des Slogans sei, Herthas Achterbahnfahrt zwischen den Ligen abzubilden. „Das Auf und Ab gehört zu diesem Klub. Es gehört aber auch dazu, dass wir stets wieder aufgestanden sind. Wir sind immer noch da und Mitglied der Bundesliga.“

Nach der enttäuschenden Zuschauerzahl der Vorsaison (im Schnitt 46.850) sei es Aufgabe der Geschäftsführung, „mehr Menschen für Hertha zu begeistern“.

Hertha will Innovationsführer werden

Der Hauptstadt-Klub will sich als Marke neu positionieren. Sowohl den eigenen Mitarbeitern, der Mannschaft, aber auch Fans und Sponsoren gegenüber. Preetz: „Wenn du nicht der beste Verein in Deutschland sein kannst, weil die ­Bayern und Dortmund erfolgreicher sind – können wir aber in anderen ­Bereichen Innovationsführer sein. Dazu gehört die Digitalisierung, die vor keinem Arbeitsbereich halt macht, genauso wie die Unternehmenskultur. Weil wir glauben, dass es zu diesen Themen ein sehr großes Potenzial in der Stadt gibt.“

Im Magazin der Deutschen Fußball-Liga zum Saisonstart wünschte sich Preetz einen Zuschauer-Schnitt von 60.000 im Olympiastadion und den Einzug ins DFB-Pokalfinale. „Die Frage war die von der guten Fee und den drei Wünschen“, sagte Preetz. „Man muss auch mal ­ambitionierte Ziele formulieren.“

Dardai fremdelt mit den Veränderungen

Viele Fans tun sich schwer mit der Kampagne. Bisher hagelt es meist Spott. Nach dem Aus im Europacup gegen Bröndby prangte beim Pokalspiel in Regensburg ein Transparent im Gästeblock, das den Werbeslogan verballhornte: „Europa? We try! We fail“

Pal Dardai, als Rekordspieler und Trainer seit 20 Jahren in Berlin, sagt zu den angedachten Veränderungen, die das Plakat „Berliner Start-up seit 1892“ symbolisiert: „Ich muss mich noch daran gewöhnen.“