DFB-Pokal

Hertha siegt im Elfmeterschießen gegen Jahn Regensburg

Eine schwache Hertha hat die erste Pokalrunde beim Drittligisten Jahn Regensburg erst im Elfmeterschießen für sich entschieden.

Der Schuss vom Punkt musste entscheiden

Der Schuss vom Punkt musste entscheiden

Foto: Ottmar Winter

Regensburg. Am Ende nahm der Erfahrenste die Verantwortung in die Hand. Salomon Kalou verwandelte den entscheidenden Elfmeter, der Hertha BSC mit 6:4 n.E. beim SSV Jahn Regensburg in die zweite Runde des DFB-Pokals brachte. Nach 90 und 120 Minuten hatte es 1:1 (0:0) gestanden. Für Kalou war es ein besonderer und zugleich tieftrauriger Moment: Unmittelbar nach dem geglückten Versuch sank er auf die Knie und zeigte mit beiden Händen in den Himmel. „Es ist gerade nicht einfach“, sagte Kalou später. „Vor zehn Tagen ist mein Vater verstorben und gestern meine Tante. Fußball ist ein bisschen wie Therapie für mich.“

Was der Bundesligist vor 12.526 Zuschauern beim Drittligisten bot, war eine Vorstellung der Marke „gerade noch mal gut gegangen“. Es war ein von Anfang bis Ende schwieriger Abend für die Blau-Weißen. Aus Berlin waren 1.150 Fans mitgereist. Die Anhänger haben das peinliche Aus in der Europa League jedoch nicht vergessen (1:0/1:3 gegen Bröndby). Sie begrüßten die Mannschaft beim Aufwärmen mit dem Spruchband: „Europa? We try! We fail!“ – eine Verballhornung des neuen Marketingslogans, auf den sie bei Hertha so stolz sind: „We try! We fail! We win“ (Wir versuchen es. Wir versagen. Wir gewinnen).

Auch die neuen Ausweichtrikots in der Farbe Pink, in denen Hertha ins Pokalgeschehen ging, kamen nicht gut an: „Unsere Farben sind Blau-Weiß, nieder mit dem pinken...“, skandierte der Gäste-Block. Dieser Protest geht jedoch an den DFB-Regularien vorbei. Die schreiben eine Trikotversion vor, in der die Vereinsfarben nicht auftauchen.

Die ersten 20 Minuten liefen nach der Trainer-Vorgabe

Hertha hat also gerade viel mit sich selbst zu tun – auch in Regensburg. Die ersten 20 Minuten liefen noch nach der Trainer-Vorgabe: Viel Ballbesitz, dem Gegner keine Chancen gestatten. Dann bereiteten sich die Berliner Probleme in Serie aus: Per Skjelbred ließ sich kurz vor dem eigenen Strafraum den Ball abnehmen, die prompte Flanke verteidigte Herthas Sebastian Langkamp kurz vor der Torlinie (22.). Kalou leitete mit einem verunglückten Pass die nächste SSV-Gelegenheit ein, diesmal parierte Torwart Rune Jarstein gegen den freistehenden Jahn-Stürmer Marco Grüttner (26.). Nach vorne brachte der Erstligist außer einem 22-Meter-Freistoß von Marvin Plattenhardt, den SSV-Torwart Philipp Pentke wegfaustete (33.), nichts zustande.

Wie dünn es um das Nervenkostüm der Berliner bestellt ist, zeigte sich nach 40 Minuten: Nach einem Regensburger Foul an der Mittellinie gegen Vladimir Darida (wurde mit Gelb korrekt bewertet), sorgen die gar nicht betroffenen Langkamp und John Brooks für eine derartige Rudelbildung, dass beide Hertha-Innenverteidiger Gelb kassierten. Trainer Dardai reagierte und beließ Brooks, der sich gar nicht mehr beruhigen wollte, in der Kabine. In der zweiten Hälfte verteidigte statt des US-Nationalspielers Niklas Stark.

Gleich im ersten Angriff nach der Pause, die bis dahin gefährlichste Hertha-Aktion: Doch gleich vier Spieler in Pink – Kalou, Stocker, Ibisevic und Darida brachten den Ball aus zwei Metern nicht ins Jahn-Netz. Dafür geriet der Favorit postwendend in Rückstand: Nach einer Regensburger Ecke bekam Torwart Rune Jarstein den Ball nicht weg, aus 16 Metern zog Alexander Nandzik einfach mal ab, Ball im Netz, 0:1 – erneut sah Jarstein nicht gut (51.).

Hertha nun wütend – und fand endlich in den Vorwärtsgang. Jahn verteidigte vielbeinig. Julian Schieber wurde eingewechselt und auch Mitchell Weiser. Der Profi, den Trainer Dardai eine Woche individuell hatte nacharbeiten lassen, erzielte den ersehnten Ausgleich. Weiser mit seinen 1,76 Metern sprang am höchsten und köpfte eine Darida-Ecke ins Eck, 1:1 (84.). Der Favorit, der sich eine zweite Blamage im Vorfeld der Bundesliga-Saison ersparen wollte, setzte nach. Aber weder Darida (88.) noch Schieber (90.) brachte den Ball am starken SSV-Torwart Pentke vorbei – Verlängerung.

Kalou trifft und denkt an seinen verstorbenen Vater

Wie schon beim Aus gegen Bröndby zeigte Hertha erneut ein Problem beim Ausnutzen seiner hochkarätigen Möglichkeiten. Einmal wurde Schieber im letzten Moment geblockt (102.). Ein Ibisevic-Kopfball strich um Zentimeter am Jahn-Tor vorbei (105.), Kalou scheiterte an Keeper Pentke (107.). Der Ball wollte nicht ins Tor, also folgte das Elfmeterschießen. Alle Herthaner trafen (Ibisevic, Darida, Weiser, Plattenhardt). Dann parierte Jarstein den Versuch des Regensburgers Marcel Hofrath. Und Kalous Stunde war gekommen. Der Sieg.

„Wir sind dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen“, analysierte Herthas Manager Michael Preetz, wusste aber auch, wie wichtig das Weiterkommen für das Binnenklima ist: „Wir haben es letztes Jahr gesehen, welchen Schwung ein guter Start im Pokal bringen kann. Deshalb freuen wir uns, obwohl es ein hartes Stück Arbeit war“, so Preetz. Am Sonntag kommt der SC Freiburg zum Bundesliga-Auftakt ins Olympiastadion.