DFB-Pokal

Herthas Gegner ist auf dem Weg nach oben

Als Aufsteiger an die Spitze der 3. Liga: Trainer Heiko Herrlich hat mit Herthas Pokalgegner Regensburg noch viel vor.

 Im Jahr 2000 wurde bei Herrlich, damals noch Profi, ein Gehirntumor diagnostiziert. Nach Strahlentherapie und Comeback arbeitet er seit 2005 als Trainer

Im Jahr 2000 wurde bei Herrlich, damals noch Profi, ein Gehirntumor diagnostiziert. Nach Strahlentherapie und Comeback arbeitet er seit 2005 als Trainer

Foto: imago/Eibner

Berlin.  Die Frage ist ja, wie es sich anfühlt, wenn man als früherer Champions-League- und Weltpokalsieger in der Dritten Liga gelandet ist. Im Fall von Heiko Herrlich, der als Spieler seine größten Erfolge mit Borussia Dortmund feierte und heute Herthas Pokalgegner Jahn Regensburg trainiert, fällt die Antwort eindeutig aus: ganz wunderbar.

Herrlich (44) hat den Traditionsverein erst im Dezember 2015 übernommen, damals noch in der Regionalliga Bayern. Einen Aufstieg und zehn Punkte später stellt er mit den Oberpfälzern das Überraschungsteam der Stunde, steht nach vier gespielten Runden auf Platz eins.

„Das gibt natürlich Selbstvertrauen“, sagt Herrlich, bleibt dabei aber betont sachlich. Mit etwas Pech hätten die Ligaauftritte schließlich auch anders laufen können. „Man muss nach vier Spieltagen ja nicht anfangen zu spinnen.“

Heiko Herrlich stapelt tief

Auch wenn Jahn auf dem Weg nach oben scheint: Sehnsucht nach der großen Bühne, sagt Herrlich, spüre er nicht. Die Vorfreude auf das Pokal-Duell gegen Hertha am Sonntag (18.30 Uhr/Sky) ist natürlich trotzdem gewaltig.

„Das wird eine tolle Erfahrung für uns“, sagt Herrlich, der in sieben seiner elf Trainerjahre im Nachwuchs von Dortmund, Bayern München und des DFB (U17, U19) gearbeitet hat. Als Coach ging er erst einmal im Pokal an den Start, 2011 mit Unterhaching. ­Damals eliminierte er mit dem Dritt­ligisten prompt den SC Freiburg.

Vollmundige Kampfansagen kommen ihm trotzdem nicht über die ­Lippen, im Gegenteil. Herrlich macht seine Elf kleiner, als sie ohnehin schon ist. Die Chancen auf ein Weiterkommen taxiert er mit „etwa einem Prozent“, da müsse schon alles zusammenpassen, sprich: „Innenpfosten rein oder Innenpfosten raus.“ Königsklasse kann er immer noch, zumindest was das Tiefstapeln betrifft.

Der Berliner Marvin Knoll zählt bei Jahn zu den Stützen

Dabei weiß er nur allzu gut, wie der Pokal funktioniert. Zweimal gewann der einstige Bundesliga-Torschützenkönig den Cup – 1993 mit Bayer Leverkusen gegen die Hertha Bubis, damals noch als Reservist, und zwei Jahre später, in seiner besten Saison, mit Mönchengladbach. Mit dem BVB erlebte er hingegen auch herbe Pokal-Blamagen.

Als Deutscher Meister scheiterte er 1996 am Regionalligisten Wattenscheid, ein Jahr später als Weltpokalsieger an Eintracht Trier. „Es ist immer wieder möglich, dass kleine Mannschaften über sich hinauswachsen“, sagt er, „und wir werden das natürlich auch versuchen.“

Einer, der die Sensation möglich machen soll, ist ein gebürtiger Berliner. Marvin Knoll (26) spielte von 2004 bis 2010 bei Hertha, schaffte dort den Sprung aus der Jugend zu den Profis. Herrlich kennt ihn schon aus gemeinsamen Tagen bei der U17-Nationalmannschaft, die er 2007 bei der WM in Südkorea auf Platz drei führte. Weil Innenverteidiger Ali Odabas zuletzt ausfiel, funktionierte er Knoll zum Abwehrspieler um. „Er ist spiel- und zweikampfstark“, sagt der Coach, „Marvin hat die Rolle gut angenommen.“

Mitchell Weiser spielte als Kind bei Herrlich im Garten

Übrigens: Auch mit einem aktuellen Herthaner ist Herrlich bestens vertraut. Mit Mitchell Weisers Vater Patrick verbindet ihn eine gemeinsame Vergangenheit. „Wir kennen uns schon lange und haben uns angefreundet“, erzählt Herrlich. „Mitchell war schon als kleiner Junge bei uns im Garten und hat dort Fußball gespielt.“ Auch in seiner Zeit in München (2013 bis 2015) verfolgte er die Karriere des Ex-Bayern hautnah. Inzwischen freut er sich, dass „Mitch bei Hertha so eine Entwicklung genommen hat“.

Langfristig, sagt Herrlich, wolle er Jahn wieder in die Zweite Liga führen. Nach zuvor sechs Stationen in zehn Jahren wähnt er sich am perfekten Platz, möchte „etwas entwickeln“. Die Fußballbegeisterung in Regensburg ist ohnehin groß, selbst in der Oberliga kamen siebeneinhalbtausend Zuschauer im Schnitt.

Erst im vergangenen Jahr wurde ein neues Stadion eröffnet, die gut 15.000 Besucher fassende Continental Arena. Vielleicht ein gutes Omen für den Underdog. Wenn es in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen ging, hatte das Team im alten Jahnstadion nie gewonnen.