Fussball

Hertha-Trainer Dardai knallhart gegenüber seinem Kapitän

Bei Hertha ist die Stimmung angespannt: Lustenberger verliert seinen Stammplatz an Stark. Weiser darf wieder mit dem Team trainieren

Was haben sie sich zu sagen? Kapitän Fabian Lustenberger  (Nr. 28) und Trainer Pal Dardai

Was haben sie sich zu sagen? Kapitän Fabian Lustenberger (Nr. 28) und Trainer Pal Dardai

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Michael Preetz ist lange dabei, im September 1986 gab er sein ­Debüt für Fortuna Düsseldorf. Heute, 30 Jahre später, kennt Preetz die Mechanismen der Branche. Und spielt kritische Fragen routiniert zurück. Ob er sich Sorgen macht um Hertha?

Die Generalprobe verloren die Berlinern gegen den SSC Neapel 1:4 (1:1). Der nächste Rückschlag nach dem ärgerlichen Aus in der Qualifikation zur Europa League (1:0/1:3 gegen Bröndby IF). Auch gegen den italienischen Vizemeister hatte die Mannschaft es im Jahnsportpark verpasst, einen Stimmungsaufheller für das eigene Selbstbewusstsein und das der Anhänger zu landen.

Preetz weiß, im Vorfeld einer Saison gilt es Hektik zu vermeiden. „Für eine gute Vorbereitung kann man sich nichts kaufen“, sagt der Hertha-Manager, „ich erinnere an das 4:2 vom VfB Stuttgart gegen Manchester City im vergangenen Sommer.“

Zwölf Gegentore aus den letzten fünf Partien

Jeder Fan weiß, dass der VfB mittlerweile in die Zweite Liga ­abgestiegen ist. „Wichtig ist ein guter Start. Und mit zwei Siegen wird die Stimmung um Hertha eine andere sein“, sagt Preetz mit Blick auf die Erstrunden-Partie im DFB-Pokal bei Jahn Regensburg (21. August) sowie den ­Bundesliga-Start gegen den SC Freiburg (28.).

Trotzdem wissen die Verantwortlichen um Preetz und Trainer Pal Dardai, dass die Stimmung angespannt ist. Die Vorbereitung war durch die Europa-League-Spiele nicht rund. Nicht mal Hertha-Basis, die defensive Stabilität funktioniert: In den letzten fünf Partien kassierten die Torwarte Rune Jarstein und Thomas Kraft zwölf Gegen­tore.

Dardai hat die Gangart geändert

Seit dem K.0. in Kopenhagen hat der Trainer seine Gangart gegenüber der Mannschaft verändert. Er redet nicht sehr viel. Und gegen Neapel stand Fabian Lustenberger nicht mal im 18er-Kader. Dardai ist verärgert über die schwache Leistung des Kapitäns gegen Bröndby. Auf der Lustenberger-Position im defensiven Mittelfeld spielte Niklas Stark. So wie es aussieht, wird der U21-Nationalspieler auch in Regensburg beginnen. Zudem lobt der Trainer den 19-jährigen Allan, die Leihgabe aus Liverpool. Der Brasilianer ist stets um eine offensive Weiterleitung bemüht und behauptet den Ball auch unter Druck.

Die Botschaft von Dardai gilt nicht nur Lustenberger, sondern der gesamten Gruppe: Hertha wird nur Erfolg haben, wenn sich jeder reinhaut. Und es kann jeden erwischen, dass er Platz machen muss für einen Kollegen – auch den Kapitän.

Preetz setzt auf Lustenberger

Lustenberger wird kein Fan dieser Maßnahme sein. Die Beziehung zwischen Trainer und Kapitän ist eine schwierige. „Fabian muss sich in die Verfassung bringen, dass er topfit ist, dann spielt er mit seinen strategischen Fähigkeiten auch“, sagt Manager Preetz. Auch mit Mitchell Weiser geht der Trainer rustikal um. Der Mittelfeldspieler musste vergangene Woche mit Herthas Fitnesstrainern nacharbeiten.

„Mitch hat extrem hart trainiert, wir erwarten viel von ihm“, sagt Preetz. Hier lautete die Botschaft: Hertha wird in der Liga nur bestehen, wenn alle ­gemeinsam bis zum Anschlag arbeiten.

Im gelungenen Fall greifen solche Maßnahmen, wichtig ist stets ein Weg zurück ohne Gesichtsverlust. So wird Weiser ab dem heutigen Montag ­wieder mit der Mannschaft trainieren. Damit das konfrontative Vorgehen von Dardai in eine positive Stimmung im Team mündet, sollte Hertha aber ­tatsächlich mit zwei Siegen starten.