Fußball

Hertha BSC verpatzt seine Generalprobe

Im letzten Härtetest vor dem Pflichtspielstart verliert Hertha 1:4 gegen Neapel. Pikant: Dardai demontiert Kapitän Lustenberger.

Berlin. Hertha BSC sucht weiter nach seiner Form. Bei der Generalprobe vor dem DFB-Pokalspiel in einer Woche in Regensburg kassierte der Fußball-Bundesligist ein 1:4 (1:1) gegen den italienischen Vizemeister SSC Neapel. Die Stimmung rings um den Hauptstadt-Klub ist nicht doll. Nach dem peinlichen Aus in der Europa-League-Qualifikation (1:0/1:3 gegen Bröndby) verloren sich lediglich 5829 Zuschauer im Jahnsportpark.

Jarstein gewinnt Torhüterduell gegen Kraft

Trainer Pal Dardai reagierte mit vier Veränderungen. Im Tor spielte Rune Jarstein anstelle von Thomas Kraft. Dardai erklärte später, dass damit auch das Duell der Keeper entschieden ist. „Es war eine enge Entscheidung. Aber Rune ist meine Nr. 1. Er wird auch im Pokal in Regensburg im Tor stehen.“

Valentin Stocker ersetzte Salomon Kalou, der in dieser Woche wegen eines Trauerfalls in der Familie in der Elfenbeinküste gewesen war. Auch die Hereinnahme von Genki Haraguchi (anstelle von Mitchell Weiser) war abzusehen gewesen. Überraschend war dagegen die Aufstellung von Niklas Stark im defensiven Mittelfeld. Dafür musste Fabian Lustenberger weichen.

Der Kapitän stand nicht mal im 18er-Aufgebot, sondern musste mit den ebenfalls nicht berücksichtigten Weiser und Alexander Baumjohann am Mittag separat trainieren. „Fabian ist fit. Aber er war nicht dabei. Mehr habe ich nicht zu sagen.“ Die Nichtberücksichtigung dürfte eine klare Missfallensbekundung des Trainers sein am Lustenberger’schen Auftreten.

Ibisevic bringt Hertha in Führung

Hertha, angeführt von Kapitän Per Skjelbred, begann mutig gegen den hochkarätigen Gegner. Vedad Ibisivic unterstrich seine Frühform. Einen ersten Schuss des Stürmers parierte SSC-Torwart Jose Reina (4.). Nach einem Konter der Hausherren profitierte der Torjäger von einem Sturz seines Gegenspielers Faouzi Ghaoulam,

Ibisevic stiebitzte den Ball und zog aus 15 Metern flach ins linke Eck, 1:0 (16.). Wie schon in den beiden Partien gegen Bröndby erfüllt der Bosnier seinen Job. Mit dem Führungstor gelang Hertha auch mehr als den vorangegangenen Testspiel-Gegnern OSC Nizza und AS Monaco, die gegen Neapel 0:3 beziehungsweise 0:5 unterlagen.

Der Champions-League-Starter aus Italien zeigte dann seine Qualitäten. Beim 1:1 ließ sich die gesamte Hertha-Abwehr inklusive Torwart Jarstein düpieren. Niemand vermochte eine flache Flanke zu verteidigen, SSC-Kapitän Marek Hamsik spitzelte den Ball ins kurze Eck, der Ausgleich (36.). Nach der Pause durfte in Herthas defensivem Mittelfeld der 19-jährige Allan ran – und Neapel drehte auf. Als John Brooks im Hertha-Abwehrzentrum ein erstes Mal überspielt wurde, rettete Torwart Jarstein (51.).

Lob für Allan und Kurt

Nach 54 Minuten ein ähnlicher Spielzug über Brooks hinweg, Jose Callejon hatte Zeit, den Ball anzunehmen und flach ins Eck zu vollenden, 1:2. Nun wechselte Hertha durch, Sinan Kurt kam , Sami Allagui und Julian Schieber – gefährlich waren nur die Gäste. Das 1:3 wurde über Herthas rechte Abwehrseite eingeleitet, in der Mitte vollstreckte Arkadiusz Milik, der 35-Millionen-Einkauf von Ajax Amsterdam zum 1:3 (71.). Den besten Spielzug, eine schnelle Kombination, hatte sich der SSC bis zum Ende aufgehoben, Dries Mertens vollendete mit einem Lupfer zum 1:4-Endstand (83.).

Bei Hertha konnte sich Peter Pekarik in der ersten Hälfte mit Abstrichen positiv in Szene setzen. Allan traute sich nach der Pause im Gegensatz zu Stark oder Skjelbred auch mal einen Torschuss zu. Er war einer der wenigen Hertha-Profis, der sich sichtlich über die Niederlage ärgerte. „Allan hat gezeigt, dass er Kicken kann. Wir müssen defensiv mit ihm noch reden. Aber er ist ein spielstarker Sechser, der auch unter Druck ruhig am Ball bleibt“, lobte Dardai, der auch Kurt lobte.

Insgesamt war der Trainer mit der ersten Halbzeit „sehr zufrieden.“ Allerdings ärgerte sich Dardai über den Ausgleich. „Das war das sechste Gegentor in Folge, das praktisch ein Eigentor war. Bei Eigentoren sind wir verdammt gefährlich.“ Nach der Pause habe Neapel seine Geschwindigkeitsvorteile ausgespielt. Dardai: „Da hat man gesehen, was der Unterschied zu einem Champions-League-Starter ist.“ Die Vorbereitung bei Hertha ist weitgehend abgeschlossen. Doch es fehlt am Glauben an die eigene Stärke. In dieser Verfassung stehen die Berliner vor einer schweren Saison.