Fussball

Bei Hertha BSC ist der Konkurrenzkampf eröffnet

Der Slowake Ondrej Duda verschärft bei Hertha den Wettbewerb im zentralen Mittelfeld. Leidtragender könnte der Kapitän sein.

Bislang strahlen nur die Schuhe: Zugang Ondrej Duda (l.) muss sich bei Hertha erst orientieren

Bislang strahlen nur die Schuhe: Zugang Ondrej Duda (l.) muss sich bei Hertha erst orientieren

Foto: imago sportfotodienst / imago/Metodi Popow

Berlin.  Auch wenn sie unsichtbar waren: Die Fragezeichen, die am Freitagvormittag um Ondrej Dudas Kopf kreisten, waren für jeden Trainingsbeobachter klar zu erkennen. Wenig verwunderlich, schließlich muss sich Herthas erster Zugang der Saison erst einmal orientieren. Mitspieler, Lauf- und Passwege – das alles will verarbeitet werden. Und da es in Dudas zweiter Einheit mit der Mannschaft an die Offensivtaktik ging, war der 21 Jahre alte Spielmacher gleich gefordert.

„Ihr müsst mitdenken“, verlangte Trainer Pal Dardai, während er seine Spieler wie Schachfiguren über den Rasen schob, „ihr müsst das Spiel lesen!“ Nicht die einzige Anweisung, die Duda etwas ratlos zurückließ. Noch spricht der Slowake kein Deutsch.

„Er ist noch etwas gehemmt“, stellte Dardai dann auch fest, äußerte dafür aber vollstes Verständnis. „In seiner Situation muss man sich erstmal orientieren: Wo bin ich? Was soll ich machen?“ Der Chefcoach spricht aus Erfahrung, kam er 1997 doch selbst mit 20 Jahren nach Berlin. Das Wohlfühlrezept ist dem Ex-Profi bestens geläufig: Fußballspielen und Tore schießen. Letzteres wollte Duda am Freitag noch nicht so recht gelingen. Beim Torabschluss wirkte der Rechtsfuß zurückhaltend – anders als seine quietschorangen Schuhe.

Nun wird es eng im Zentrum

n welcher Rolle er bei Hertha agieren soll, war am Freitag aber schon klar zu erkennen. Aus der Spitze ließ sich Duda immer wieder zwischen die Defensivreihen aus Trainingsdummys zurückfallen und legte den Ball mit einem Kontakt ab, ehe er in die Tiefe spurtete. „Wir müssen torgefährlicher sein aus der Mitte“, forderte Dardai auf dem Rasen. In der Vorsaison hatten die Berliner 21 ihrer 42 Treffer durchs Zentrum erzielt. Im Vergleich mit dem Rest der Liga ein mediokrer Wert, den Duda in die Höhe schrauben soll.

Knapp vier Millionen Euro überweist Hertha für den EM-Teilnehmer an Legia Warschau. Eine Summe, die Erwartungen schürt. Duda soll sich zur Stammkraft entwickeln, alles andere wäre eine Enttäuschung. Je schneller er sich akklimatisiert, desto eher stellt sich aber auch die Frage: Wer muss für ihn weichen?

Vladimir Darida, der in der vergangenen Saison am häufigsten im zentral-offensiven Mittelfeld auflief, dürfte im 4-2-3-1-System eine Reihe zurückrücken. Dort allerdings wirkte mit Per Skjelbred bislang ein weiterer Dauerbrenner. Bleibt Kapitän Fabian Lustenberger, der – so er nicht in der Innenverteidigung gebraucht wurde – den zweiten Sechser gab. Gemeinsam bildete das Trio Herthas „schiefes Dreieck“, doch nun wird es eng im Zentrum. Mit Dudas Ankunft hat der Konkurrenzkampf eine neue Qualität erhalten.

Vedad Ibisevic sieht Gegner Bröndby leicht im Vorteil

Dardai wird seine Mittelfeldexperten in Ruhe beobachten. Noch muss er keine Entscheidung fällen. Weil Duda für Warschau schon in der Champions-League-Qualifikation auflief, darf er in der Europa League erst ab der Gruppenphase spielen.

Vorerst dominieren andere Themen das Tagesgeschehen, allen voran Europa-League-Gegner Bröndby IF, der sich am Donnerstagabend gegen Hibernian Edinburgh durchgesetzt hatte (5:3 n.E.). Herthas Scouts sahen die Partie im Stadion in Kopenhagen, Dardai verschaffte sich vor dem Fernseher einen Eindruck. Bröndby sei eine gut organisierte, leichtfüßige Mannschaft, befand der Ungar. „Es war ein knappes Spiel, aber das bessere Team hat gewonnen. Bröndby ist ein attraktiver, guter Name, das wollten wir gerne. Für unsere Weiterentwicklung ist das der bessere Gegner.“

In der ersten dänischen Liga hat Bröndby am vergangenen Wochenende einen Start nach Maß erwischt. Durch ein 4:0 gegen Esbjerg FB, im Vorjahr fast abgestiegen, ergatterte die Mannschaft des früheren Bundesliga-Trainers Alexander Zorniger die Tabellenspitze. Dadurch, dass die Dänen schon im Ligabetrieb sind, hätten sie „einen kleinen Vorteil“, meint Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic, „denn wir haben noch keinen Spielrhythmus.“ Bis zum Hinspiel am Donnerstag (20.15 Uhr) im Jahn-Sportpark sind es noch fünf Tage.

Die letzte Chance, um etwas Spielpraxis zu sammeln, wollen die Berliner heute (16 Uhr) beim niederländischen Erstligisten AZ Alkmaar nutzen. „Wir müssen uns einfach bestmöglich vorbereiten“, sagte Rechtsverteidiger Mitchell Weiser. Ondrej Duda wird zum ersten ernstzunehmenden Test der Saisonvorbereitung schon mitreisen. Fabian Lustenberger indes nicht. Er kuriert eine Bauchmuskelzerrung aus.