Hertha BSC

Sinan Kurts erste Schritte aus dem Schatten

Der 19-Jährige kämpft bei Hertha um einen Platz im Profikader. Er macht Fortschritte, aber Trainer Pal Dardai fordert noch mehr.

Will diese Saison durchstarten: Sinan Kurt

Will diese Saison durchstarten: Sinan Kurt

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Rückblickend muss man ­Sinan Kurt fast prophetische Kräfte zusprechen. „Ich habe schon vor dem Finale gesagt, dass ich Julian ein Tor auflegen werde“, sagte Herthas Nachwuchshoffnung am Tag nach dem Sieg beim Blitzturnier des MSV Duisburg. Im Ruhrgebiet hatten sich die Berliner am Sonntag trotz eines 0:2-Rückstands gegen die Gastgeber durchgesetzt – auch, weil Kurt in der Schlussphase der regulären Spielzeit zwei Treffer von Julian Schieber vorbereitete.

Die Entscheidung musste anschließend vom Elfmeterpunkt fallen, wo Hertha die besseren Nerven bewies. Am Ende hieß es 3:2 i. E.. Der Lohn: Ein überdimensionierter Pokal, aber „leider keine ­Prämie“, wie Pal Dardai nach seinem ersten Mini-Titel als Cheftrainer ­grinsend festhielt.

Ohne Kurt und Schieber aber wäre es zum finalen Showdown gar nicht erst gekommen. Vor allem die Vorlagen des 19 Jahre alten Kurt ließen aufhorchen, schließlich hat Herthas einziger Zugang des vergangenen Winters noch kein einziges Pflichtspiel bei den Profis absolviert. Stattdessen wurde er öfters mal zu Herthas U23 beordert, um sich im Männerbereich zu akklimatisieren. Zwei Muskelfaserrisse machten dies nicht leichter.

Julian Schieber will zurück in die Startelf der Berliner

Als ein Versprechen für die Zukunft gilt er trotzdem, schließlich umweht Kurt der Ruf eines Hochbegabten. Dass der FC Bayern ihn 2014 aus Mönchengladbach weglockte, kam nicht von ungefähr; dass Hertha ihm eine realistischere Perspektive bot, um zum Bundesligaprofi zu reifen, erschien wie eine Win-win-Situation.

„Ich merke, dass ich einen sehr guten Fitness-Zustand habe“, sagte Kurt, der sich in seiner ersten vollen Saison in Berlin zwar „Einsatzzeit erhofft“, sich aber sehr wohl im Klaren darüber ist, dass er „nicht unbedingt einen Stammplatz fordern“ kann. Den Ball schön flach halten – so wie bei seiner zweiten Vorlage auf Schieber am ­Sonntag. „Es ist nichts Großartiges passiert“, sagt er, „es war nur ein ­Vorbereitungsturnier.“ Gegen einen Drittligisten, wohlgemerkt.

Dardai wird diese Selbsteinschätzung gerne hören. Er hatte schon im Konditionstrainingslager in Bad Saarow deutliche Worte über das Talent verloren. „Es liegt an ihm“, sagte der Ungar, „er muss tierisch hart arbeiten.“ Schnelligkeit und ein starker linker Fuß, Kreativität und Technik – Kurts Anlagen sind unbestritten. In puncto Physis und Mentalität aber herrsche noch Nachholbedarf, betonte Dardai. Der Trainer bleibt seinem Credo treu: Fördern und Fordern.

„Sinan muss auch defensiv mitarbeiten“

Auch am Montag hielt sich der Trainer mit Lob arg zurück. Die zwei „wunderschönen Flanken“ waren ihm natürlich nicht entgangen, „aber Sinan muss auch defensiv mitarbeiten“, bemängelte der Coach. Bei den beiden Gegentoren war Kurt vor allem durch Passivität aufgefallen, ein Verhalten, mit dem er sich für den arbeitsintensiven Fußball à la Dardai disqualifiziert.

Die Zeit der Eingewöhnung ist für Kurt passé. Er muss beweisen, dass er im Männerbereich bestehen kann. Mit seinen Assists in Duisburg hat er einen ersten Schritt aus dem Schatten des Reservistendaseins gemacht. Nicht mehr und nicht weniger.

Und Schieber? Der konnte Dardai trotz seines Doppelpacks ebenfalls nicht begeistern. „Wir haben ihn nach seiner Verletzung gut aufgebaut“, sagt der Trainer, „aber jetzt muss er stabil werden.“ Eine Forderung, die sich auf Schiebers lange lädiertes Knie (Knorpelschaden) bezog, aber auch auf seine Leistungen.

Dardai vermisst Konstanz bei Schieber

Das, was der Stürmer seit seinem Comeback im April angeboten hat, war aus Trainer-Sicht „zu wenig“. Um Salomon Kalou oder Vedad Ibisevic zu verdrängen, benötigt Schieber (27) überzeugendere Argumente als zwei Tore gegen Duisburg – und vor ­allem Konstanz. Vorerst kann er sich über die kleinen Erfolge freuen. ­„Wichtig war, dass jeder zum Einsatz kam und sich keiner verletzt hat“, sagt der Stürmer.

Dardai würde das wohl unterschreiben. Die Beine seien schwer gewesen und die Köpfe müde. Nun aber geht es allmählich an den Feinschliff. In dieser Woche rückt die Taktik in den Fokus, bis zum Hinspiel in der Europa-League-Qualifikation sind es nur noch neun Tage (28. Juli/Jahnsportpark). Ob Sinan Kurt und Julian Schieber dann wieder zu den Matchwinnern zählen, bleibt abzuwarten.