Fussball

Jetzt ist die Zeit für Zaubertricks bei Hertha BSC

In der Saisonvorbereitung werden die Karten neu gemischt. Vier Hertha-Profis stehen in diesem Sommer unter besonderer Beobachtung.

Müssen hart an sich arbeiten: Julian Schieber (l.) und Sami Allagui beim Geschicklichkeitstraining

Müssen hart an sich arbeiten: Julian Schieber (l.) und Sami Allagui beim Geschicklichkeitstraining

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  – Pal Dardai bat seine Spieler am Sonnabend schonungslos zur Kasse. Als Schlusspunkt der Vormittagseinheit hatte Herthas Cheftrainer ein Elfmeterschießen angesetzt. Eine Generalprobe für das Traditionsklub-Turnier des MSV Duisburg, bei dem die Berliner heute (14 Uhr, Sport1) zunächst auf den französischen Erstligisten FC Nantes und anschließend auf die Gastgeber oder Eintracht Frankfurt treffen. Gespielt wird lediglich 45 Minuten. Sollte danach kein Sieger feststehen, fällt die Entscheidung vom Punkt. Um gut gewappnet zu sein, erhöhte Dardai im Training schon mal den Druck. Seine Vorgabe: „Für jeden Fehlschuss zehn Euro!“

Nicht alle behielten die Nerven. Fünf von insgesamt 20 Profis verschossen, darunter auch Julian Schieber (scheiterte an Torwart Rune Jarstein) und Sami Allagui, der den Ball über die Querlatte jagte. Den Verlust von zehn Euro werden die beiden Angreifer verkraften können. Schmerzlicher war die Symbolwirkung, denn: Beide zählen zu einem Quartett, das nach einer frus-trierenden Vorsaison endlich wieder angreifen möchte.

Sami Allagui: Sein bislang letztes Pflichtspieltor für Hertha erzielte der Deutsch-Tunesier vor mehr als zwei Jahren. In der Zwischenzeit verbrachte er zehn Monate als Leihspieler in Mainz und neun weitere verletzt auf der Tribüne. „Jetzt wieder das Trikot anzuziehen und sich vorzubereiten, macht riesig Spaß“, sagt Allagui (30). Ob und wo Dardai Verwendung für ihn hat, ist allerdings fraglich. Mit seiner Schlitzohrigkeit ist der quirlige Angreifer zwar immer für ein Tor gut. Mit Herthas erfahrenen Topstürmern Salomon Kalou (14 Saisontore) und Vedad Ibisevic (zehn) sieht er sich aber immenser Konkurrenz gegenüber. Bleibt Allaguis Ausweichposition auf den Außenbahnen. Dort aber wünscht sich Dardai „internationale Schnelligkeit“. So weltgewandt er auch sein mag – Allagui spricht immerhin vier Sprachen –, diese Qualität besitzt er nicht.

Valentin Stocker: Auch dem Schweizer mangelt es an Tempo. In der Spielzeit 2014/15 noch Retter im Abstiegskampf, verkam er im vergangenen Jahr zu Herthas Edeljoker. Die ernüchternde Bilanz: 22 Einsätze (zwölf Mal als Einwechselspieler in der Schlussphase), ein Tor, kein Assist. Aber: Der Königstransfer des vorvergangenen Sommers kämpft. In der Vorbereitung ließ Dardai Stocker wieder vermehrt im zentral-offensiven Mittelfeld auflaufen. Dort, wo der 27-Jährige einst brillierte – und Hertha sich dringend mehr Torgefahr wünscht.

Alexander Baumjohann: Könnte dieses Problem lösen, zumindest in der Theorie. Nach zwei Kreuzbandrissen machten seine ersten Kurzeinsätze große Hoffnung. Gegen Köln, Hamburg und Mönchengladbach war er in der Hinrunde an vier Toren beteiligt, doch einen Platz in der Startelf konnte er auch in der zweiten Saisonhälfte nicht ergattern. Hertha verlängerte seinen Vertrag zwar bis 2017, fahndet inzwischen aber nach einer besseren Lösung. Derzeit wird der Slowake Ondrej Duda (21) gehandelt. Angesprochen auf den EM-Teilnehmer fangen Dardais Augen an zu leuchten. „Ein richtig guter Spieler“, schwärmt der Ungar. Und vermeintlich einer, der Dardais Wunsch nach mehr Gefahr in der „roten Zone“, also im letzten Drittel vor dem gegnerischen Tor, erfüllen kann.

Julian Schieber: Richtig gefährlich war auch Schieber bei seinem Einstand in Berlin. 2014/15 erzielte er in den ersten beiden Ligaspielen drei Treffer und entwickelte sich anschließend zu Herthas zuverlässigstem Torjäger. Danach aber schlug das Verletzungspech zu. Knorpelschaden im Knie – 352 Tage Pause. In der abgelaufenen Rückrunde schob sich der 27-Jährige wieder ans Team heran, doch genau wie Allagui muss er nun beweisen, dass er eine echte Alternative zu den Platzhirschen Kalou und Ibisevic sein kann. Schieber muss attackieren, sich aufdrängen, Druck machen. Ob der wuchtige Stürmer nach seiner Verletzung wieder zu alter Dynamik findet, muss sich zeigen.


Neue Konkurrenten hat das Quartett in diesem Sommer bislang nicht bekommen. Das Transferfenster ist bis zum 31. August geöffnet, für Manager Michael Preetz läuft die heißeste Zeit des Fußballjahres. Noch ist die Bühne frei für Allagui und Schieber, für Stocker und Baumjohann. In der Vorbereitung haben sie alle Gelegenheiten, ihre besten Zaubertricks auszupacken und den Trainer zu überzeugen. Zumindest Stocker gelang das am Sonnabend gut. Schon im Trainingsspiel traf er mehrfach – und dann auch noch vom Punkt.