Fussball

Hertha BSC geht bis an die Schmerzgrenze

Beim Trainingslager in Bad Saarow legen die Hertha-Profis die physischen Grundlagen für die neue Saison. Dazu gibt es Transfergerüchte.

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Bad Saarow.  „Komm! Komm!! Jawoll!!!“ Als die knackigen Kommandos von Co-Trainer Rainer Widmayer am Montag über den Trainingsplatz in Bad Saarow flogen, dämmerte auch dem letzten Hertha-Profi: Die Schonfrist ist vorbei, ab jetzt geht’s zur Sache.

Fünf Tage nach dem offiziellen Trainingsauftakt hat der Bundesligist sein angestammtes Trainingslager auf der idyllischen Sportanlage des SV Eintracht Reichenwalde bezogen. Bis Sonntag legen die Berliner hierdie konditionellen Grundlagen für die kommende Saison.

Drei Einheiten hat Chefcoach Pal Dardai pro Tag angesetzt. 30 Minuten Waldlauf ab 7.30 Uhr, „zum Frühstück“, wie der Ungar grinsend anmerkt, danach anderthalb Stunden am Vormittag mit dem Ball, ehe am Nachmittag die Schinderei beginnt.

Dann schlägt die Stunde der Fitnesstrainer Henrik Kuchno und Hendrik Vieth, die die Profis erbarmungslos über den Platz scheuchen. Schuften für mehr Schnelligkeit und Ausdauer, und – am härtesten – für mehr Schnelligkeitsausdauer. Laufen bis die Schenkel glühen, zur Abkühlung stehen neben dem Spielfeld zwei Eistonnen bereit.

Das Wetter kommt den Berlinern gerade recht

Was sich Dardai und sein Trainerteam unter einem Lauftrainingslager vorstellen, haben die Hertha-Profis schon 2015 zu spüren bekommen. Damals legten sie in Bad Saarow den Grundstein für eine eindrucksvolle Hinrunde, mit schmerzverzerrten Gesichtern zwar, aber eben auch mit Erfolg.

Dardai weiß, wie sehr seine Schützlinge in den kommenden Tagen leiden werden. „Gott sei Dank ist es diesmal nicht so heiß“, sagt er. Gute 20 Grad, ein paar Wolken, etwas Sonne. Perfekte Bedingungen.

Einer, der sich mit unangenehmen Aufgaben bestens auskennt, bestellte sich am Montagmittag erstmal einen Kaffee: Per Skjelbred (29). Ein paar Tage Kreta gönnte er sich im Urlaub mit Frau und Kindern, danach zweieinhalb Wochen in der norwegischen Heimat. Vergangenheit – ab sofort wird Skjelbred wieder seinem Kerngeschäft nachgehen. Fußballspielen, oder in seinem Fall eher: Fußball arbeiten.

Der Vizekapitän geht mit gutem Beispiel voran

Seit seiner Ankunft in Berlin 2013 hat er sich in fast jedem Spiel ein Fleißbienchen verdient. Weil er sich für keinen Zweikampf zu schade ist und unermüdlich Lücken zuläuft, die andere nicht mal sehen. Skjelbred geht an die Schmerzgrenze, und genau darauf wird es in Bad Saarow ankommen. Also geht der Vizekapitän mit gutem Beispiel voran, so wie immer. „Manchmal muss es weh tun“, sagt der Norweger.

Viel Zeit haben die Herthaner nicht zu verlieren. Weil auf die so starke Hinserie 2015/16 ein ernüchterndes Saisonende folgte, muss Hertha bekanntlich in die Europa-League-Qualifikation. Der erste Ernstfall steht so bereits am 28. Juli an, das Rückspiel in der dritten Qualifikationsrunde ist für den 4. August terminiert.

Während andere Bundesligisten dann mitten in der Vorbereitung stecken, geht es für Hertha schon um das „erste Saisonziel“ (Manager Michael Preetz) – den nächsten Schritt nach Europa. Setzen sich die Berliner im ersten Duell durch, gilt es anschließend noch ein Play-off zu überstehen (18./25. August).

„Man trifft teilweise auf ganz andere Fußballkulturen“

„Quali ist Quali“, weiß Skjelbred, der mit Rosenborg Trondheim 2008 und 2009 in die Qualifikation musste. „Das ist ein bisschen wie ein Pokalspiel, man trifft teilweise auf ganz andere Fußballkulturen.“ Im Baltikum etwa, oder in den Weiten Osteuropas. Hertha wäre nicht der erste Favorit, der sich gegen einen Zwerg blamiert.

Für Skjelbred geht es derzeit allerdings nicht nur um seine Fitness, sondern auch um seine Zukunft. Sein Vertrag bei Hertha läuft noch bis 2017. Heißt: Nächsten Sommer wäre Norwegens Kapitän ablösefrei auf dem Markt. Ein Grund mehr, weshalb Hertha schon seit längerem an einer Vertragsverlängerung arbeitet. „Per ist ein enorm wichtiger Spieler für uns“, sagt Preetz, „aber noch sind wir uns in den Details nicht einig geworden.“

Gerüchte um Birkir Bjarnason

Stattdessen tauchte plötzlich ein anderer „Wikinger“ im Hertha-Kosmos auf. Italienische und englische Internetportale bringen den Klub mit dem Isländer Birkir Bjarnason (28) in Verbindung, einem flexiblen Mittelfeldspieler, der mit seinen Landsleuten bis Sonntag halb Europa begeisterte.

Beraten wird Bjarnason von Jim Solbakken, der auch Keeper Rune Jarstein vertritt. Preetz: „Solche Gerüchte wird es noch bis zum Ende der Transferperiode geben. Im Moment steht der Markt. Mitte Juli, wenn die großen Steine ins Rollen kommen, wird sich das ändern.“

Die Personalie Skjelbred ließe sich hingegen schon jetzt festzurren. „Es sieht gut aus“, sagt der Mittelfeldmalocher, „ich hoffe, dass wir bald eine Lösung finden.“ Die Verhandlungen überlässt er anderen, er hat Wichtigeres zu tun. „Jetzt“, sagt Skjelbred, „geht es erstmal um die Vorbereitung.“