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Hertha BSC sucht bis zu vier neue Spieler

Die Berliner wollen im Mittelfeld torgefährlicher werden. Vor allem ein abschlussstarker Spielmacher soll her. Doch das Geld ist knapp.

Nur Vladimir Darida (l.) sorgte bei Hertha aus dem zentralen Mittelfeldspieler heraus für Gefahr – fünf Tore, drei Vorlagen in der Liga, zwei Treffer und zwei Assists im Pokal

Nur Vladimir Darida (l.) sorgte bei Hertha aus dem zentralen Mittelfeldspieler heraus für Gefahr – fünf Tore, drei Vorlagen in der Liga, zwei Treffer und zwei Assists im Pokal

Foto: Torsten Silz / dpa

Der Computer spuckte die Zukunft aus – im zweiten Stock der Geschäftsstelle von Hertha BSC. Zumindest war es eine mögliche. Dort, im Büro der kleinen Scoutingabteilung der Berliner, standen 120 Namen auf einer Liste, als vor zwei Monaten debattiert wurde, wie die Hertha-Elf der nächsten Saison aussehen soll. Klangvolle Namen waren dabei.

Nicht Cristiano-Ronaldo-klangvoll, aber immerhin solche, die in Berlin für allerhand Entzücken sorgen würden: der Name eines Bayern-Profis zum Beispiel, oder der eines Stuttgarter Emporkömmlings.

Es sind noch Raten für Darida fällig

Das Problem war nur, dass auch so ziemlich jeder andere Vereinscomputer dieser Republik viele jener Namen ausspuckte und dass die Berliner Anwerbversuche deshalb ohne Chance blieben. Der Bayern-Profi will künftig weiter Champions League spielen, und damit kann Hertha als Siebter nicht dienen. Den Stuttgarter zieht es zu einem ostdeutschen Klubemporkömmling – auch weil man da mehr Geld verdienen kann.

Bei Hertha dagegen sind die Ressourcen für neue Spieler knapp. „Wir wollen unser Team weiterentwickeln und verstärken, aber immer vor dem Hintergrund unserer bescheidenen Mittel“, sagt Manager Michael Preetz der Morgenpost. Klamm sind die Berliner auch deshalb, weil noch Raten fällig sind, wie für Vladimir Dari­da, der 2015 aus Freiburg kam.

Das schmale Budget ist insofern ungünstig, weil sie bei den Blau-Weißen trotz Rang sieben allerhand Verbesserungsbedarf erkannt haben. Es war ja mehr drin als die Qualifikation für die Europa League. Und der Anfang des Niedergangs ist im Profisport bekanntlich der Stillstand. „Die Gegner wissen jetzt, wie wir spielen, deshalb müssen wir uns etwas Neues ausdenken und uns weiterentwickeln“, sagt einer, der es wissen sollte.

Nur zwei Teams waren im Mittelfeld ungefährlicher

Kam Hertha in der vergangenen Saison oft über die Flügel (insgesamt 21 Treffer wurden so eingefädelt), soll künftig durch das Zentrum mehr Torgefahr erzeugt werden. In der „roten Zone“, 30 Meter vor des Gegners Tor, will Hertha 2016/17 treffsicherer werden. Einzig Darida sorgte aus dem zentralen Mittelfeld heraus für Gefahr (fünf Tore, drei Vorlagen).

Zusammen nur 33 Treffer (16) und Assists (17) trug das Hertha-Mittelfeld in der Liga bei – lediglich zwei Teams waren schlechter. Überhaupt nur 178 Torschüsse wurden von Mittelfeldspielern abgegeben – Platz 15 im Ligavergleich.

Und deshalb finden sich unter den 120 Namen auf der Liste von möglichen Zugängen auch die von klassischen Spielgestaltern mit Abschlussqualitäten. Die Personalie eines neuen Spielmachers genießt die oberste Priorität. Am liebsten hätten Trainer Pal Dardai und Manager Preetz Hiroshi Kiyotake von Absteiger Hannover 96.

Oberste Priorität hat ein abschlussstarker Spielmacher

Der Japaner erzielte in der vergangenen Saison fünf Treffer und bereitete sieben vor. Darüber hinaus hat er sich als ausgezeichneter Freistoßschütze bewiesen. Doch Kiyotake ist teuer. Seine Ausstiegsklausel soll bei 6,5 Millionen Euro liegen. Zu viel. Die Berliner hoffen, dass der 26-Jährige am Ende günstiger zu haben sein wird. Es werde ein „langer Transfersommer“, sagt Preetz.

Insgesamt sucht Hertha bis zu vier Neue: Im Tor und in der Abwehr soll sich nichts mehr tun. Dafür wird nach einem Sechser oder Achter gefahndet, der Drang zum Tor mitbringt. Salif Sané, 25, hat in Hannover zwar oft als Innenverteidiger gespielt, aber der Senegalese sieht sich als Mittelfeldspieler. Weil er Linksfuß ist und bei 96 in 68 Partien sechs Tore erzielte, steht er auf der 120-Namen-Liste. Sein Kauf wäre auch ein doppelter Boden, falls John Brooks (Linksfuß) irgendwann geht.

Sprinter, Sechser und ein junger Stürmer stehen auf der Liste

Steckbrief Nummer drei erklärt sich so: Eines der größten Probleme der Berliner war trotz der beachtlichen Anzahl von neun Kontertoren (nur drei Teams waren besser) die fehlende Geschwindigkeit im Angriff. Daher wird ein Typ „Sprinter“ gesucht, der vor allem über die Flügel kommt. André Hahn hätte Preetz gern vor zwei Jahren aus Augsburg geholt. Der entschied sich für Gladbach. Jetzt schielt man wieder nach Augsburg zu einem anderen Sprinter. Der Ausgang ist offen.

Steckbrief Nummer vier ist versehen mit dem Beiwort „vielleicht“. Je nachdem, wie sich Julian Schieber und Sami Allagui nach langen Knieverletzungen in der Vorbereitung präsentieren, wird Hertha noch einen jungen Angreifer holen. Neben dem gesetzten Ü30-Sturm Salomon Kalou und Vedad Ibisevic geht es hier um Entwicklungsfähigkeit und Geschwindigkeit.

Mehrere Anfragen für Kalou, Dzsudzsak wird nicht kommen

Doch wie immer hängt alles mit allem zusammen: Wenn Neue kommen sollen, müssen Alte gehen. Verkaufskandidaten sind Valentin Stocker, Tolga Cigerci, Jens Hegeler und Roy Beerens. Mit Ronny plant man sowieso nicht mehr, und auch der an Bursaspor ausgeliehene Hajime Hosogai darf weg.

Die Türken haben bis Ende Juni eine Kaufoption für eine Million Euro und haben dem Japaner signalisiert, ihn behalten zu wollen. Ein Interesse des VfB Stuttgart an Hosogai, wo der Ex-Herthatrainer Jos Luhukay nun wirkt, ist dagegen nicht hinterlegt.

Bei Hosogais Leihklub Bursaspor gibt es einen Flügelspieler, den Dardai schon vor einem Jahr gern gehabt hätte: den Ungarn Balazs Dzsudzsak. Auch diesmal aber wird der 29-Jährige nicht kommen. Ebenso wenig wird Kalou Hertha verlassen. Für den Ivorer gab es in den vergangenen Wochen mehrere Anfragen (auch aus China). Aber Kalou und Hertha lehnten dankend ab.