Hertha-Manager

Preetz hat gute Karten auf eine Vertragsverlängerung

Nach der Wahl des Präsidiums steht bei Hertha die nächste Personalie an: Der Manager soll bleiben. Die Berliner besitzen eine Klausel.

Glückliches Händchen: Herthas Manager Michael Preetz (l.) machte Nachwuchstrainer Pal Dardai im Februar 2015 zum Cheftrainer und lag damit richtig.

Glückliches Händchen: Herthas Manager Michael Preetz (l.) machte Nachwuchstrainer Pal Dardai im Februar 2015 zum Cheftrainer und lag damit richtig.

Foto: imago sportfotodienst / imago/ActionPictures

Gute Laune auf dem Podium: Ob Präsident Werner Gegenbauer, dessen Stellvertreter Thorsten Manske oder die sieben gewählten Präsidiumsmitglieder – die Gewählten nahmen mit klarer Stimme und Dank an die Mitglieder am Montagabend ihre Wahl an. Hertha BSC geht die nächste Vier-Jahres-Periode mit exakt dem Präsidium an, das auch zuvor im Amt war. Der einzige Neue im Gremium ist Rechtsanwalt Fabian Drescher, der vom Förderkreis Ostkurve ins Rennen geschickt worden war.

Für mehr Aufsehen hatte bei der Mitgliederversammlung zuvor ein Schlagabtausch von Axel Kruse mit Jörg Neubauer gesorgt. Kruse erklärte, er nehme dem kandidierendem Juristen nicht ab, dass es ihm um Hertha ginge. „Du hast 25 Jahre als Spielerberater gutes Geld verdient – auch bei Hertha.“ Zudem spekulierte Kruse über eine Nähe zu zwei Boulevardzeitungen, die vor der Wahl ein wohlwollendes Neubauer-Interview publiziert hatten. Kruses Empfehlung für die Mitglieder: „Mir ist auf­gefallen, wie Spielerberater die Vereine ausrauben. Ich möchte ­keinen Spielerberater im Präsidium.“

Neubauer behielt die Ruhe, reagierte moderat. Die Wirkung aber war deutlich: Neubauer fiel mit dem zweitschlechtesten Resultat durch, er erhielt nur 215 von 1039 Stimmen.

Hertha BSC besitzt bis September 2016 eine Option

Die Botschaft der Mitglieder lautete: Keine Experimente, Kontinuität ist erwünscht. Eine der ersten Aufgaben, mit der sich das neue Gremium zu befassen hat, ist nun die Frage: Wie steht es um die Vertragsverlängerung von Michael Preetz? Die Konstellation ist so, dass Hertha in diesem Sommer eine einseitige Option hat. Der Verein und der Manager haben 2014 einen Vertrag über drei plus zwei Jahre abgeschlossen. Der erste Teil des Kontraktes läuft bis Juni 2017. Hertha hat bis zum 30. September aber die Option, den Vertrag mit Preetz zu den ausgehandelten Konditionen um zwei weitere Jahre zu verlängern bis 2019.

Preetz hat gute Karten. Nicht nur, weil der Rekord-Torjäger des Klubs im Sommer 20 Jahre bei Hertha sein wird. Preetz hat das Vertrauen der Vereinsführung, das 2012 trotz des zweiten Abstieges in zwei Jahren in ihn gesetzt worden war, längst gerechtfertigt. Seit dem Wiederaufstieg 2013 geht der Hauptstadtklub im August in die vierte Bundesliga-Saison in Folge. Die abgelaufene Saison 2015/16, die Hertha als Siebter beendete, war die beste unter Manager Preetz. Die Einkäufe des vergangenen Sommers haben dem Team geholfen (Vladimir Darida, Mitchell Weiser, Niklas Stark, Vedad Ibisevic).

Auf der Mitgliederversammlung warb Preetz für Realismus. So erfreulich es sei, dass Hertha wieder international dabei ist: „Unser Projekt Etablierung in der ­Bundesliga ist weiter in vollem Gange“, sagte Preetz. Es gäbe für einen Verein mit dem Etat und dem Kader von Hertha keinen Automatismus, regelmäßig Europacup-Plätze zu erreichen. „Wir holen unsere Punkte nur, wenn wir ständig am obersten Limit spielen“, sagte Preetz.

Preetz muss bei Transfers wieder aufs Geld aćhten

In der Annahme, dass die Gruppenphase der Europa League erreicht wird, warten auf Hertha allein bis Mitte Dezember acht englische Wochen, die es im Vorjahr nicht gegeben hat. Obwohl Finanzchef Ingo Schiller für 2016/17 erstmals einen Haushalt in dreistelliger Millionen-Größe präsentierte (102,3 Mio. Euro) muss Hertha aufs Geld achten. Preetz: „Es ist nach wie vor so, dass wir jeden Euro, den wir ausgeben, vier Mal umdrehen müssen.“

Deshalb steht auch bei der Mannschaft das Signal auf Kontinuität. „Wir haben ein sehr stabiles Gerüst“, sagte Preetz. „Wir werden im Sommer ­definitiv nur punktuelle Verstärkungen vornehmen. Ich denke, viele Ent­scheidungen werden erst spät fallen.“

In den Saison-Abschlussgesprächen haben Preetz und Trainer Pal Dardai erste Beschlüsse getroffen. Torwart ­Sascha Burchert und Linksverteidiger Johannes van den Bergh wurde mit­geteilt, dass ihre auslaufenden Verträge nicht verlängert werden.

Gersbeck kehrt zurück und soll verliehen werden

Der nach Chemnitz ausgeliehene Keeper Marius Gersbeck wird zurückgeholt und soll, um Spielpraxis zu sammeln, erneut ausgeliehen werden. Preetz spart diesmal nicht mit Selbstkritik. In die Saisonanalyse werden einfließen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, dass die Mannschaft keines ihrer letzten acht Saisonspiele gewinnen konnte. „18 Punkte in der Rückrunde ist ein Ergebnis, mit dem wir nicht zufrieden sein können“, sagte der Manager.

Preetz schl0ss seine Rede mit den Worten: „Wir haben eine unfassbar spannende Stadt und stehen vor spannenden Zeiten. Es gilt für Hertha in verschiedenen ­Bereichen noch verschiedene Potenziale zu heben, um diesen Klub weiter zu entwickeln. Ich freue mich, ­gemeinsam mit Ihnen ­diese Herausforderungen ­an­zugehen.“ So hören sich Bewerbungsreden an.

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