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Herthas U19 will den DFB-Pokal gegen Hannover verteidigen

Die Berliner spielen am Vormittag gegen Hannover 96 um den Pokalsieg. Auf der Bank des Gegners sitzt ein alter Bekannter.

Foto: Soeren Stache / picture alliance / dpa

Berlin. Von wegen Hertha BSC ist keine Pokal-Mannschaft: Das Bundesligateam preschte in diesem Jahr bis ins Halbfinale vor, wurde vom eigenen Nachwuchs aber noch überflügelt. Die U19 der Berliner, schon 2015 Sieger des DFB-Pokals, steht heute im Amateurstadion (11 Uhr, Sport1) erneut im Endspiel. „Die Vorfreude ist riesig“, sagt Trainer Andreas Thom, „das ist zum Saisonabschluss noch mal ein echter Höhepunkt.“

Für Gegner Hannover 96 stellt der Finaleinzug den noch größeren Meilenstein dar – die A-Jugend der Niedersachsen steht zum ersten Mal überhaupt im Endspiel des Pokals. Dorthin geführt hat sie ein mittlerweile prominenter Name: Daniel Stendel. Nach seiner Beförderung zum Cheftrainer der Profis konnte der 42-Jährige den Abstieg zwar nicht verhindern, betrieb aber derart viel Eigenwerbung, dass er nun mit der Mission Wiederaufstieg betraut ist. Fürs Finale kehrt er ein letztes Mal auf die Trainerbank der A-Junioren zurück. „Als ich am Dienstag erstmals wieder das Training geleitet habe, konnte man sofort spüren, wie motiviert die Jungs sind“, sagt Stendel, „alle fiebern auf das Finale in Berlin hin.“

In der A-Junioren-Bundesliga spielen beide Teams in der Staffel Nord/Nordost, sind sich in dieser Saison also schon zweimal begegnet. Das Hinspiel verlor Hertha – am Ende Tabellendritter – 1:2; das Rückspiel gegen die als Sechste eingelaufenen 96er vor einem Monat endete 1:1. „Die erste Partie war noch in der Anfangsphase der Saison“, sagt Ex-Profi Thom, „damals haben wir noch zu viele Fehler gemacht. Wir brauchten etwas Zeit, um uns einzuspielen.“ Mit dem 1:1 in Hannover war er hingegen nicht unzufrieden. Im Finale erwartet der Pokalsieger von 1993 mit Leverkusen „ein Spiel auf Augenhöhe“.

Erfahrungsvorsprung statt Heimvorteil

An einen Heimvorteil glaubt der 50-Jährige weniger, wenn, dann eher an einen Erfahrungsvorsprung. Sieben Herthaner konnten schon 2015 Final-Luft schnuppern. „Die, die dabei waren, wissen, was auf sie zukommt“, sagt Thom. Einer davon ist Maximilian Mittelstädt (19), der in dieser Saison den Sprung in den Bundesliga-Kader schaffte. Statt mit den Profis die Abschlussfahrt auf Mallorca zu verbringen, trainierte er in dieser Woche bei der U19. Schon im Halbfinale hatte der Linksverteidiger eine entscheidende Rolle gespielt. Beim spektakulären 5:4 gegen Staffelsieger Werder Bremen steuerte er das Tor zum zwischenzeitlichen 3:3 bei.

Die Berliner Treffer vier und fünf erzielte seinerzeit Mike Brömer. Nicht das erste Mal, dass der Stürmer (19) im Pokal heiß lief. In den jüngsten vier Cup-Spielen traf Brömer sechs Mal selbst und bereitete einen weiteren Treffer vor. Auch er gehörte im Vorjahr zum Team, das im Finale gegen Energie Cottbus gewann.

„Anspannung, Nervosität und Tagesform“ werden sicherlich eine Rolle spielen, sagt Thom. Besonders Hannover steht vor einem hochemotionalen Spiel. Mittelfeldspieler Niklas Feierabend kam am 1. Mai bei einem Autounfall ums Leben. Ein tragisches Ereignis, das dem Spiel eine zusätzliche Dimension verleiht. Wie Mittelstädt trainierte der 19-Jahre alte Mittelfeldspieler bereits bei den Profis, galt als eines der größten Talente des Klubs. Beim Halbfinalsieg der U19 im Pokal gegen Borussia Dortmund (2:0) bereitete er einen Treffer vor, nun werden seinen früheren Teamkollegen sicher auch für ihn spielen.

Kein Zweifel, Herthas U19 will in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten, zu denen übrigens auch Yanni Regäsel zählt. Der bestreitet seine Endspiele inzwischen in der Relegation – als Bundesligaprofi von Eintracht Frankfurt.