Bundesliga

Hertha feiert Platz sieben und „ein einzigartiges Jahr“

Der Hauptstdt-Klub und die Saison-Bilanz 2015/16: Sie fällt besser aus, als gedacht. Aber auch schlechter, als erhofft.

Hertha-Abschlussfeier im Westhafen: Der Tisch mit Johannes van den Bergh, Valentin Stocker,   Fabian Lustenberger, Sami Allagui und Per Skjelbred

Hertha-Abschlussfeier im Westhafen: Der Tisch mit Johannes van den Bergh, Valentin Stocker, Fabian Lustenberger, Sami Allagui und Per Skjelbred

Foto: Getty Images / City-Press/Getty Images

Berlin.  Geplant war der Trainings­auftakt bei Hertha für Sonntag, den 3. Juli. Nachdem die Blau-Weißen nach dem 0:0 beim FSV Mainz am letzten Bundesliga-Spieltag auf Rang sieben abgerutscht ist, fällt der Urlaub kürzer aus. Bereits am Mittwoch, dem 29. Juni, wird Trainer Pal Dardai seine Profis zum Saisonstart bitten.

Der Trainer wollte schon wenige Minuten nach dem Saisonende, als Hertha eben doch den Platz belegt hatte, der unbedingt vermieden werden sollte, nichts von Enttäuschung wissen. „Ich bin nicht sauer über den siebten Platz“, sagte Dardai. „Weil wir jetzt in der neuen Saison gleich K.o.-Spiele haben. Wir müssen lernen, mit solchen Situationen umzugehen. Wenn wir das lernen, ­werden wir in die Gruppenphase der Europa League reinrutschen.“

Teile der Fans sehen die Entwicklung kritisch

Ähnlich klang der Tenor von Manager Michael Preetz auf der Saison­abschlussfeier von Hertha in einem ehemaligen Kornspeicher im Westhafen in Moabit. „Wir sind stolz auf diese Saison. Wir haben ein einzigartiges Jahr gespielt“, sagte Preetz. „Wir haben 50 Punkte erspielt, die Qualifikation für das internationale Geschäft geschafft. Wir haben unvergessliche Momente im DFB-Pokal erleben dürfen.“

In der Tat hat Hertha einen gewaltigen Entwicklungssprung hingelegt. Der Fastabsteiger von 2015 ist im Mai 2016 als Siebter eingelaufen. Doch eben daran, dass Hertha Mitte März an keines der letzten sieben Spiele gewonnen hat, entzündet sich die Kritik vieler Fans. Im Blog Immerhertha etwa wird fehlende Leidenschaft kritisiert, zu wenig Tiefe im Kader, zu wenig Rotation und zu wenig spielerische Qualität. Hertha, monatelang ­Tabellen-Dritter, habe die Chance auf die Champions League verspielt.

Dardai will nichts wissen von der Champions League

Trainer Dardai wehrt das ab. „Viele haben über die Champions League geredet. Die Realität ist: Der siebte Platz ist ein wunderschöner Platz. Diese Jungs sind noch nicht soweit.“ Er erinnerte an die Stimmung im vergangenen Sommer. „Ganz Fußball-Deutschland hat gesagt, Hertha steigt ab. Außer wir in der Mannschaft und im Trainer-Stab.“ Er habe ein neues Team zusammen­gestellt. „Vier Neue sind gekommen, Plattenhardt ist ein Führungsspieler geworden. Brooks ist ein richtiger Stammspieler geworden. Mitch Weiser ist auch Stammspieler geworden, das war er vorher nicht. Darida hat gleich eingeschlagen. Vedad Ibisevic hat uns geholfen. Wir haben Salomon Kalou aufgebaut.“ Das sind viele Schritte auf einmal. Hobbygärtner Dardai sagte: „Wenn ich über eine große Eiche rede, dann braucht die viele Wurzeln, damit sie bei Wind stand hält. Diese Basis ­haben wir gelegt.“

Keine Frage: Dardai hat ein gutes erstes Jahr als Cheftrainer hingelegt. Klar ist aber auch, dass es Verbesserungspotenzial gibt. Manager Preetz sagt: „Wir werden uns intensiv damit beschäftigen, warum nicht mehr ­herausgekommen ist als Rang sieben.“

Wo war die Fitness? Wo blieb die Rotation?

So war Hertha in der Rückrunde deutlich nicht so fit wie in der Vorrunde. Hat die Trainingssteuerung im Winter nicht gestimmt? Warum gab es über ­Ostern viereinhalb Tage frei? Wieso war Herthas spielerische Qualität der Hinrunde im letzten Saison-Viertel wie weggeblasen? Warum wurde von der Bank so wenig Druck auf die Stammelf ausgeübt? Und welche personellen Konsequenzen ­ergeben sich aus den Antworten für den Hertha-Kader 2016/17?