Hertha BSC

Mit neuem Angriff ins Saison-Endspiel

Weil Vedad Ibisevic gesperrt ist, liegt Herthas Tor-Hoffnung auf Salomon Kalou. Unterstützung soll er von einem Berliner Joker erhalten

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Während sich seine Kollegen auf dem Trainingsplatz verausgabten, lehnte sich Vedad Ibisevic entspannt zurück. Herthas Stürmer hatte auf einer kleinen Holzbank direkt neben dem Spielfeld Platz genommen, gab zum Ende der Übungseinheit am Mittwochvormittag den Trainingskiebitz in der Sonne. Mittendrin und doch irgendwie abseits.

Im letzten Saisonspiel bei Mainz 05 am Sonnabend (15.30 Uhr) ist der Bosnier nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Statt Ibisevic ließ Trainer Pal Dardai lieber dessen Vertretungskandidaten ran.

Mit Julian Schieber – nach seiner langwierigen Knieverletzung wieder regelmäßig im Kader – steht dem Ungarn inzwischen wieder ein zweiter gelernter Mittelstürmer zur Verfügung. Der 27-Jährige käme Ibisevic mit seiner Spielweise am nächsten. Dardai warf allerdings die Frage auf, „ob er schon fit genug ist für 90 Minuten“ und schob die Antwort gleich hinterher: „Ich glaube, er ist noch nicht so weit.“ Stattdessen wird Herthas bester Torschütze ins Sturmzentrum rücken: Salomon Kalou, der in dieser Saison schon 14 Mal getroffen hat.

Kalou als alleiniger Frontman

In seinem zweiten Jahr in Berlin glänzte der Ivorer allerdings vor allem dann, wenn er an der Seite von Ibisevic auflaufen konnte. Die Arbeitsteilung verlief dabei meist nach einem klaren Muster: Der robuste Ibisevic schafft mit seiner Präsenz im Strafraum Platz für den filigranen Kalou, der sich so als linker Flügel besser entfalten konnte.

Dass er nun auf seinen Vorkämpfer verzichten muss, sieht Kalou gewohnt gelassen. „Ich habe schon häufiger als Spitze gespielt“, sagt er, „und auch da habe ich Tore gemacht.“ Tatsächlich traf er als alleiniger Frontmann genauso oft wie an der Seite von Ibisevic.

Wenn Kalou den Ibisevic gibt, wer aber gibt dann den Kalou? „Die Flügelspieler können sich jetzt noch mal anbieten“, sagt Dardai, der nicht müde wird zu betonen, dass er sich für die Zukunft mehr Tempo auf den Außenbahnen wünscht. Das bringt im aktuellen Kader am ehesten Genki Haraguchi mit. Der Japaner beackert zwar meist die rechte Außenbahn, spielte in dieser Saison aber auch acht Mal links.

Gute Chancen für Stocker

Im Training am Mittwoch durfte allerdings nicht Haraguchi, sondern Valentin Stocker in der vermeintlichen A-Elf vorspielen. Im Abstiegskampf der Vorsaison noch so etwas wie Herthas Lebensretter, ist der Schweizer mittlerweile zum Edelreservisten verkommen. 21 Spiele hat Stocker 2015/16 absolviert. Durchschnittliche Einsatzdauer: gut 35 Minuten. Aktuell scheint der quirlige Nationalspieler allerdings gute Chancen zu haben. „Stocki macht seine Sache gut“, sagt Dardai.

Mit Tolga Cigerci und dem jungen Maximilian Mittelstädt hat der Coach zwei weitere Alternativen in der Hinterhand. Auf große Experimente wird er jedoch verzichten, dafür steht zu viel auf dem Spiel. Hertha und Mainz spielen um die direkte Qualifikation für die Europa League, der punktgleiche Verfolger Schalke kämpft parallel in Hoffenheim mit. Die zwei Qualifikationsrunden in Europa, die den Tabellensiebten erwarten, wollen sich alle drei Klubs tunlichst ersparen.

„Wir müssen mehr attackieren als zuletzt“, sagt Salomon Kalou nach zwei Toren aus den letzten drei Spielen, „und wir müssen verstehen, dass wir etwas zu gewinnen haben – nicht zu verlieren.“ Ob das gelingt, zeigt sich am Sonnabend in Mainz.