Bundesliga

Niko Kovac - der Retter aus dem Wedding

Wie der Ex-Herthaner Niko Kovac Eintracht Frankfurt den Glauben an den Klassenerhalt wiedergibt. Sonnabend Entscheidungsspiel in Bremen

Voller Einsatz: Niko Kovac, seit März Cheftrainer von Eintracht Frankfurt

Voller Einsatz: Niko Kovac, seit März Cheftrainer von Eintracht Frankfurt

Foto: Simon Hofmann / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Die wichtigste Aufgabe, die Niko Kovac derzeit umtreibt, ist die des Mahners. 2:1 gegen Mainz, 2:1 gegen Darmstadt, 1:0 gegen Dortmund – nach drei Siegen in Folge ist die Begeisterung in Frankfurt groß. Nach Monaten im Tabellenkeller rangiert die Eintracht als Tabellen-15. wieder mal vor den Abstiegsrängen. Dass die Hessen auch den letzten Spieltag am Sonnabend bei Werder Bremen schadlos überstehen, gilt als ausgemacht. Doch davor steht Niko Kovac. „Wir sind die ganze Zeit hinterhergelaufen. Und dürfen nicht den Fehler machen, wo wir zum ersten Mal über dem Strich stehen, das Glas wieder umzuwerfen“, sagt der Eintracht-Trainer. „Wir wollen das Glas sicher nach Hause bringen mit dem Inhalt, der drinnen ist.“

Die anfängliche Skepsis, die dem langjährigen Herthaner (1991-96 und 2003-06) entgegengeschlagen ist, hat Kovac längst ins Positive wenden können. „Warum wird ein Trainer geholt, der noch nie in der Bundesliga traininert hat?“, hatten die Frankfurter Fans gemurrt, als Kovac Anfang März die Nachfolge von Armin Veh angetreten hat. Ein älterer, erfahrener Trainer ist irgendwann mal entlassen worden, einem jungen Trainer aus dem eigenen Verein fehlt die Erfahrung im Männer-Bereich. „Irgendein Risiko geht man immer ein“, rechtfertigte Heribert Bruchhagen, der scheidende Vorstandsvorsitzende, die Einsetzung von Kovac, der zuvor zwei Jahre Nationaltrainer von Kroatien war.

Sachlich, freundlich, traditionsbewusst

Kovac ging die Mission Klassenerhalt in Frankfurt anders an als Christoph Daum an gleicher Stelle 2011. Der hatte mit vollmundigen Sprüchen und neuartigem Training den Abwärtstrend stoppen wollen. Am Ende gewann die Eintracht unter Daum keines der verbleibenden Spiele – und stieg ab. Kovac reduzierte die Arbeit auf die Grundlagen: mehr defensive Stabilität, mehr Einsatzbereitschaft, ein besserer Team­geist. Und vor allem keine ­Lautsprecherei. Mit dieser Art sowie den Resultaten, die sich nun einstellen, kommt Kovac gut an in Frankfurt. Der gebürtige Berliner, aufgewachsen im Wedding, kokettiert mit seiner Rolle als Lernender. Bruder Robert hat er als Assistent mitgebracht. „Wir diskutieren alles aus, sind nicht immer einer Meinung“, erzählte Kovac (40) im ZDF-Sportstudio. Er lasse sich durchaus auch mal vom Bruder überzeugen.

Sachlich, freundlich, hilfsbereit, so wird er in Frankfurt wahrgenommen. Zudem spielt Kovac mit Geschick die Traditionskarte. Wenn er, wie jüngst, zwei Stunden zusammen sitzt mit Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel (Bundesliga-Rekordspieler mit 602 Einsätzen), wird das Treffen publikumswirksam in den Social-Media-Kanälen des ­Vereins ­weiterverbreitet.

„Wir haben noch nichts erreicht“

Mit seiner Vertragsgestaltung hat Kovac sich mit ins Risiko genommen. Sein Kontrakt läuft bis Juni 2017 – gilt aber nur für die Bundesliga. Steigt die Eintracht ab, steht Kovac Ende Mai ohne Job da. Die Konstellation begründete er so: „Ich will zeigen, dass ich mit in der Haftung bin. Sollte es runtergehen, gibt es da kein Sicherheitsnetz für mich.“ Aber natürlich ist Kovac ehrgeizig. Er will sich als aufstrebender Bundesliga-Trainer profilieren. Da ist ­Erfolg auf der ersten Station wichtig.

Gleichzeitig kennt Kovac, der neben seinen zwei Stationen bei Hertha auch für Bayer Leverkusen, den Hamburger SV, Bayern München (und Red Bull Salzburg) spielte, die Bundesliga. Die Ausgangslage der Eintracht ist besser, als es die Fans noch vor vier Wochen erwarten durften. Frankfurt (15./36 Punkte) spielt in Bremen (16/35). Und auch Stuttgart (17./33), das in Wolfsburg spielt, hat noch Chancen.

Darauf weist Kovac in diesen Tagen gebetsmühlenartig hin. „Wir haben noch nichts erreicht. Es können drei Teams direkt absteigen. Drei Teams können in die Relegation kommen, und drei Teams können den Liga-Erhalt sicher machen“, warnt Kovac vor trügerischer Sicherheit. „Es ist noch alles in der Verlosung.“

Gegen Werder kehrt Alexander Meier zurück

Vor dem 34. und entscheidenden Spieltag bestätigt Kovac ein wenig das Vorurteil, dass er – anders als Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann – nicht zu den Taktik-Fetischisten gehört. Es sei egal, so Kovac, „ob wir in Bremen mit Dreier-, Vierer- oder Fünfer-Kette spielen. Das Wichtigste in diesem Spiel ist die Einstellung. Wenn es sein muss, laufen wir 130 km in diesem Spiel.“

Ein zusätzlicher Mutmacher ist nach zehnwöchiger Verletzungspause die Rückkehr von Alexander Meier. Der Torjäger hat konditionellen Rückstand, wird aber wohl auf der Bank Platz nehmen. Meier will unbedingt vermeiden, dass die Eintracht als Drittletzter der Bundesliga in die Entscheidungsspiele gegen den Dritten der Zweiten Liga gehen muss. Meier: „Ich fahre lieber nächste Woche unfit in den Urlaub, als fit in die Relegation zu gehen.“