Fußball

Warum Hertha BSC ein Sommer voller Tücken droht

In Mainz kämpft Dardais Elf nicht nur um ein versöhnliches Ende dieser Saison, auch um einen guten Start in die nächste.

Bocksprung: Die Hertha-Profis Roy Beerens, Per Skjelbred, Sami Allagui und Sinan Kurt (v.l.) wurden am Dienstag von Trainer Pal Dardai höchstselbst über den Platz gescheucht – mit „einfachen, alten Methoden“, wie der Ungar dazu sagt

Bocksprung: Die Hertha-Profis Roy Beerens, Per Skjelbred, Sami Allagui und Sinan Kurt (v.l.) wurden am Dienstag von Trainer Pal Dardai höchstselbst über den Platz gescheucht – mit „einfachen, alten Methoden“, wie der Ungar dazu sagt

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  Pal Dardai verlieh seiner Sorge noch einmal Nachdruck. Tabellenplatz fünf oder sechs, sagte Herthas Cheftrainer, sei okay, aber auf Platz sieben wolle er mit dem Berliner Bundesligisten auf keinen Fall landen.

„Wirklich nicht“, betonte der Ungar – „wegen der Vorbereitung!“ Für die Berliner geht es am Sonnabend in Mainz um mehr als einen versöhnlichen Saisonabschluss. Es geht um einen ganzen Sommer.

Der Erfolg des aktuellen Tabellensechsten fußte über weite Strecken dieser Spielzeit auf körperlicher Fitness und starkem Teamgeist, zwei Stärken, die während der Vorbereitung geschmiedet wurden.

Dardai setzt auf gemeinsames Schwitzen

Vor der letzten Partie dieser Saison setzte Dardai erneut auf das gemeinsame Schwitzen, scheuchte seine Spieler am Dienstag beim Aufwärmen höchstselbst über den Platz, mit Rolle vorwärts, Liegestütz und Bocksprüngen über den Buckel des Vordermanns. „Das waren einfache, alte Methoden“, sagte der Trainer, „für unsere Spannung war das sicherlich ein gutes Signal.“

Dardai bleibt sich treu. Die Basis seines Fußballs liegt in harter Arbeit, so war es vor dieser Saison, und so soll es möglichst auch vor der nächsten sein. In die Quere kommen würde Platz sieben. Dann nämlich müssten die Berliner in der Qualifikation für die Europa League antreten. Und das mitten in der Vorbereitung.

Weil der Vorsprung auf den punktgleichen Verfolger Schalke nur ein Törchen beträgt, steht Hertha gegen Mainz unter Druck. „Für unsere Planung macht es einen Riesenunterschied, ob wir Siebter werden oder davor landen“, sagte Manager Michael Preetz.

Trainingstart am 3. Juli – eigentlich

Bislang ist der Trainingsstart der Berliner für den 3. Juli terminiert. Das Lauftrainingslager in Bad Saarow wird vom 8. bis 13. Juli stattfinden, die zweite Intensivwoche in Schladming (Österreich) war für Ende des Monats anvisiert. Rutscht Hertha jedoch tatsächlich in der Qualifikation, hieße das: Hinspiel am 28. Juli, Rückspiel am 4. August. „Landen wir auf Rang sieben, verschiebt sich der Trainingsstart definitiv nach vorne“, sagt Preetz.

Wie schwierig diese Situation zu bewältigen ist, erfuhr im vergangenen Jahr Borussia Dortmund. Der BVB absolvierte sein erstes Qualifikationsspiel für die Europa League unmittelbar nach Ende des Trainingslagers. Trainer Thomas Tuchel musste einen Spagat zwischen intensivem Konditionstraining und seriöser Spielvorbereitung meistern.

„Es ist der vierte Tag nach dem Trainingslager“, sagte der Coach nach dem knappen 1:0 gegen den österreichischen Erstligisten Wolfsberg, „das ist schwierig in Sachen Belastungssteuerung. Es war klar, dass die letzte halbe Stunde für uns sehr lang werden würde.“ Ein 5:0 im Rückspiel und zwei erfolgreiche Play-off-Spiele später war die Europa-League-Teilnahme dann gesichert.

EM-Nationalspieler landen reichlich verspätet zur Vorbereitung

Apropos Play-off: Sollte sich Hertha in einer eventuellen Qualifikationsrunde durchsetzen, fänden die anschließenden K.o.-Partien ebenfalls zur Unzeit statt. Das Hinspiel (18. August) läge unmittelbar vor der 1. Runde des DFB-Pokals, das Rückspiel (25. August) direkt vor dem ersten Bundesliga-Wochenende.

Schwierige Vorzeichen für das Alltagsgeschäft, und wie wichtig die Dynamik eines erfolgreichen Auftakts ist, haben Herthas Verantwortliche in dieser Saison hinreichend betont.

Nicht die einzigen Terminprobleme der Berliner: Vladimir Darida (Tschechien) und Peter Pekarik (Slowakei) gelten als sichere Kandidaten für die Europameisterschaft in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli), daneben machen sich auch die Schweizer Valentin Stocker und Fabian Lustenberger Hoffnungen auf eine EM-Teilnahme. Da den Nationalspielern nach dem Turnier in der Regel drei Wochen Urlaub zusteht, werden sie mit reichlich Verspätung bei ihrem Klub anlanden.

Auf Stark und Weiser müssen die Berliner wohl verzichten

Etwas entzerrter gestaltet sich die Lage bei John Brooks. Der Innenverteidiger steht im vorläufigen Aufgebot des US-Nationalteams für die Copa America, die in diesem Jahr in den USA ausgespielt wird. Setzt Nationaltrainer Jürgen Klinsmann auf den Berliner, ist Brooks vom 3. bis maximal 26. Juni im Turniermodus. Danach wird er auch kurz durchschnaufen dürfen.

Bei zwei anderen Hertha-Talenten sieht der Terminkalender womöglich noch dichter aus. Niklas Stark und Mitchell Weiser, zwei der positivsten Überraschungen dieser Saison, möchten sich in Rio den Traum von der Olympia-Teilnahme erfüllen.

Die Rahmentermine für die Vorbereitung der U21 hat der Deutsche Fußball-Bund zwar noch nicht festgelegt, doch die Eckdaten des olympischen Fußball-Turniers sind längst in Stein gemeißelt: 4. bis 20. August. Schaffen Stark und Weiser den Sprung in den Kader, findet Herthas Europa-League-Quali ohne sie statt.