Präsidiumswahlen

Hertha-Wahlen: Kritische Fragen an Jörg Neubauer

Am 23. Mai wählen die Hertha-Mitglieder: Zehn Kandidaten präsentierten sich auf Einladung des Förderkreises Ostkurve.

Stellt sich zur Wahl für das Präsidium von Hertha BSC: Der Jurist Jörg Neubauer

Stellt sich zur Wahl für das Präsidium von Hertha BSC: Der Jurist Jörg Neubauer

Foto: Reto Klar

Berlin.  Draußen rings um den Mauerpark tummelten sich tausende Erholungssuchende. Die Runde drinnen im „Haus der Fußballkulturen“ in der Cantianstraße war übersichtlich: 25 Hertha-Mitglieder waren der Einladung des Förderkreises Ostkurve gefolgt.

Ihnen gegenüber saßen in einem Halbkreis zehn der insgesamt zwölf Kandidaten, die sich am 23. Mai zur Neuwahl des Präsidiums von Hertha BSC stellen. ­Entschuldigt fehlten Präsident Werner Gegenbauer sowie Oliver Dunk (Radio-Unternehmer).

Es ging ohne Mikrofone ab, die meisten der Beteiligten duzten sich, jeder kam zu Wort. Viele Fragen zog Jörg Neubauer auf sich. Der Jurist, Jahrzehnte als Spielerberater tätig, kandidiert nun fürs Präsidium. Ein Seitenwechsel, den es so im deutschen ­Profifußball noch nicht gegeben hat.

Es fehle im Präsidium an sportlicher Kompetenz

Neubauer sagte, ihm fehle es im Präsidium an sportlicher Kompetenz. Er wolle helfen mit seiner Branchenkenntnis, die er in 30 Jahren im Profifußball erworben habe. Das Saisonziel von Hertha könne sich nicht darin erschöpfen, den ­Abstieg zu vermeiden.

Der Hauptstadt-Klub müsse regelmäßig international starten. Wiederholt wurde er gefragt, ob für ihn als Berater einzelner Spieler ein Interessenkonflikt bestehe, wenn er zudem eine Klub-Funktion bekleidet.

Er betreut keine Spieler von Hertha

Neubauer argumentierte, er sei nicht mehr als Berater tätig, sondern nur noch als Jurist, der Verträge aushandelt, wenn er das Mandat eines Spielers oder eines Vereines erhalte. „Ich habe eine Nähe, etwa zu Sami Khedira. Wenn ich ein Mandat erhalte, nehme ich das auch an.“

Selbstverständlich würde er keine Spieler von Hertha betreuen. Er sähe keine Konstellation, in der es Interessenskonflikte geben könne. Sein Stand als Rechtsanwalt schließe es ohnehin aus, dass eine Person gleichzeitig an beiden Seiten eines Verhandlungstisches sitze.

Für Heiterkeit sorgte die Frage eines Mitglieds, wenn er all’ diese Mandate kategorisch ausschließe, wovon Neu­bauer seinen Lebensunterhalt bestreite. Der Jurist schmunzelte: „Ich bin ­wirtschaftlich unabhängig und muss kein Mandat annehmen.“

Die Stadion-Frage im Fokus

Ebenfalls abgeklopft wurden die Standpunkte der Kandidaten zur Stadionfrage. Vizepräsident Thorsten Manske sagte, dass derzeit „eine schwierige Gesamtmelange“ entstanden ist. Eigentlich wolle Hertha nicht nach Brandenburg: „Der Fokus liegt auf Berlin.“

Der Rechtsanwalt Fabian Drescher sagte, er wolle die Interessen der Fans stärker in den Fokus des künftigen Präsidiums rücken. Bert Handschuhmacher, ebenfalls ein Anwalt, wünscht sich künftig mehr Treffen vor allem von älteren Hertha-Fans.

Die Mitglieder wählen das neue ­Hertha-Präsidium am 23. Mai. Derzeit hat es acht Mitglieder. Laut Satzung dürfen es bis zu neun sein.