Bundesliga

Hertha-Stürmer Ibisevic: "Wir können nichts mehr verspielen"

Gegen Darmstadt 98 benötigt Hertha Vedad Ibisevic nicht nur als Torschützen, sondern vor allem als Vorbild in Sachen Aggressivität.

In Leverkusen gelang Vedad Ibisevic (2.v.r.) sein zehntes Saisontor. Hier setzt er sich gegen die Verteidiger Christoph Kramer und Benjamin Henrichs (v.l.) durch

In Leverkusen gelang Vedad Ibisevic (2.v.r.) sein zehntes Saisontor. Hier setzt er sich gegen die Verteidiger Christoph Kramer und Benjamin Henrichs (v.l.) durch

Foto: imago sportfotodienst / imago/Revierfoto

Berlin.  Zurückzuziehen ist keine Option für den Fußballer Vedad Ibisevic, auch dann nicht, wenn es sich um die letzte Sekunde eines profanen Trainingsspielchens handelt. Alexander Baumjohann hat sich von dieser Eigenart gerade noch mal überzeugt: In einem Übungskick vor dem Heimspiel an diesem Sonnabend im Olympiastadion gegen Darmstadt 98 (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) kämpfte er mit Ibisevic um einen herrenlosen Ball. Einen Pressschlag später wälzten sich die beiden Hertha-Profis mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden. Trainer Pal Dardai pfiff ab. Genug für heute.

Seinen Ruf als Stürmer alter Schule, als einer, der dorthin geht, wo es wehtut, hat Ibisevic in seiner ersten Saison in Berlin eindrucksvoll unterstrichen. So auch am vergangenen Sonnabend, als er Hertha in Leverkusen mit seinem Einsatzwillen aus einer merkwürdigen Passivität riss. Balleroberung im Mittelfeld, Pass auf den rechten Flügel, Sprint, Sprung, Kopfball – Tor. Dass er nach seinem Kieferhöhlenbruch erstmals wieder ohne Gesichtsmaske spielte? Geschenkt. Genauso wie die Tatsache, dass er im Luftkampf von zwei Gegenspielern eingekeilt wurde.

Vorbild als Aggressive Leader

„Wir älteren Spieler müssen jetzt vorangehen“, sagt Ibisevic (31). „Ich bin zwar nicht der Typ, der in der Kabine laut wird, aber ich versuche, auf dem Platz mit gutem Beispiel voranzugehen.“ In einem Team, das mitunter noch etwas zu brav wirkt, gibt Ibisevic die Abteilung Attacke.

Seine Nebenleute will der Chef-Aggressor mit seiner Art anstecken. Gegen Leverkusen gelang ihm das vorzüglich. Nach seinem Anschlusstreffer zum 1:2 lieferte Hertha dem Favoriten einen großen Kampf.

Ibisevic verfügt über etwas, das vielen seiner jungen Kollege noch fehlt: Erfahrung. Wohl ein Grund, weshalb er mit dem positiven Druck der vergangenen Wochen besser zurechtkam als andere. „Wenn man unsere Situation mit anderen Drucksituationen vergleicht“, sagt Ibisevic, „ist das gar nichts. Man muss das einordnen und dann auch ausblenden können.“ Als Kind flüchtete der Bosnier aus dem Krieg. Sein Weg zum Profi verlief nicht ansatzweise so gradlinig, wie der seiner Kollegen.

Gute Erinnerungen an Darmstadt

„Vielleicht“, sagt Ibisevic, „war zuletzt unser Problem, dass wir gedacht haben, wir können die Saison noch verspielen. Das ist aber der falsche Gedanke. Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen.“ Mit Platz fünf will er sich trotzdem noch nicht abfinden. „Verspielen“, sagt er angriffslustig, „können wir nichts mehr.“ Platz sieben, der zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation berechtigt, haben die Berliner bereits sicher. Aber: Auch Platz vier, der über ein Play-off in die Champions League führen kann, ist noch erreichbar.

Gegner Darmstadt kämpft hingegen noch um den Klassenerhalt und hat damit eines der wenigen Szenarien kreiert, das noch unwahrscheinlicher schien als eine Berliner Europapokalteilnahme. Darmstadt, sagte Hertha-Coach Pal Dardai, sei eine „unangenehme Mannschaft“, eine, gegen die man „Willen zeigen muss“.

So wie Ibisevic. Beim überraschend klaren 4:0 im Hinspiel war er mit zwei Treffern daran beteiligt, dass die „Lilien“ die höchste Saisonniederlage kassierten. Dirk Schuster weiß jedenfalls, auf wen er seine Abwehrspieler einschwören muss. Ibisevic, sagt Darmstadts Trainer, könne aus einer Halbchance ein Tor machen. In der Bundesliga hat er in dieser Saison zehn Mal getroffen.

Spielmacher Darida kehrt zurück

Gut für den Stürmer: Angriffskoordinator Vladimir Darida, der Hertha in den jüngsten drei Pflichtspielen wegen einer Innenbanddehnung gefehlt hatte, wird gegen Darmstadt wohl ins Team zurückkehren. „Er hat die ganze Woche durchtrainiert“, sagt Dardai. Nach dem Abschlusstraining gab der Tscheche endgültig grünes Licht.

Den Anpfiff kann Ibisevic kaum noch abwarten. Hertha spielt zum letzten Mal in dieser Saison im Olympiastadion, erwartet knapp 60.000 Zuschauer. „Wir hatten hier viele geile Spiele“, sagt der nach Salomon Kalou zweitbeste Berliner Scorer, „jetzt wollen wir den Fans noch mal einen Sieg schenken.“ Auch Dardai wünscht sich zum Heim-Abschied „einen Festtag“.

Damit es so kommt, braucht Hertha die richtige Einstellung. Darmstadt ist als Spielverderber bekannt – häufiger als der Aufsteiger foult nur der Hamburger SV. Schmerzfrei wird Hertha am Sonnabend nicht zum Erfolg kommen. Für Vedad Ibisevic dürfte das wie eine Einladung klingen.