Bundesliga

Herthas Suche nach der letzten Reserve

Im Saisonendspurt wollen die Berlinern noch mal angreifen – auch im Topspiel bei Bayer Leverkusen. Die Frage ist nur: Reicht die Kraft?

Marathonmann: Marvin Plattenhardt (r.), hier im Duell mit Dortmunds Henrikh Mkhitaryan, spielte in allen 31 Bundesligaspielen von der ersten bis zur letzten Minute

Marathonmann: Marvin Plattenhardt (r.), hier im Duell mit Dortmunds Henrikh Mkhitaryan, spielte in allen 31 Bundesligaspielen von der ersten bis zur letzten Minute

Foto: Foto: DeFodi.de/Cathrin Mueller / DeFodi.de

Berlin.  „Jetzt“, sagt Michael Preetz, „wollen wir noch mal alles geben, was drin ist im Tank.“ Herthas Manager ist nicht der Einzige, der vor den letzten drei Spielen der Saison in den Angriffsmodus schaltet. Trainer Pal Dardai gibt sich sogar noch ein wenig forscher: Man spiele um neun Punkte, geplant seien sechs, und „im schlimmsten Fall“, okay, müsse man sich eben mit vier Zählern begnügen.

Eurofighter-Rhetorik – die Berliner wollen schließlich ihre Chance auf die Teilnahme an der Champions League wahren. Verteidigen sie ihren vierten Tabellenplatz bis zum Saisonende, dürften sie zumindest an der Qualifikation zur Königsklasse teilnehmen.

Die Frage, die sich vor dem Spiel bei Bayer Leverkusen am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) aufdrängt, lautet allerdings: Wieviel Sprit hat Hertha überhaupt noch im Tank?

Plattenhardt ist Herthas Marathonmann

Abgesehen vom jüngsten 0:2 gegen Bayern München, als Dardai sechs ausgeruhte Kräfte aufbot, hinterließen die Berliner zuletzt einen matten Eindruck. Vor allem die Spiele gegen Hannover (2:2) und Hoffenheim (0:2) offenbarten, dass sich die Belastungsschraube wohl etwas zu tief in die Körper der Profis gefressen hat.

„Wir sind nicht mehr so frisch wie am Anfang“, gibt Marvin Plattenhardt zu. „Es war eine lange Saison mit vielen Spielen, in denen wir immer ans Limit gegangen sind.“ Bei allem fußballerischen Fortschritt legte das Team den Grundstein des Erfolgs mit Laufbereitschaft und Einsatzwillen, mit hoher Intensität und taktischer Disziplin. Herthas Qualität, das war immer auch die Bereitschaft zur Qual.

Kein anderer Herthaner ackerte dabei länger auf dem Rasen als Plattenhardt (24.). Der Linksverteidiger, unter Dardais Vorgänger Jos Luhukay nur Reservist, verpasste in der laufenden Saison nur ein einziges Spiel. Ausgerechnet bei seinem Ex-Klub Nürnberg, im Achtelfinale des DFB-Pokals, fehlte er wegen einer Gelb-Rot-Sperre.

In der Bundesliga aber stand er in jeder Partie von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz, erzielte zwei Tore und bereitete fünf Treffer vor – einen davon beim 2:1 im Hinspiel gegen Leverkusen. Beim Wiedersehen wird er heute zum 32. Mal in der Startelf stehen.

Seit der Länderspielpause hakt es

„Wir müssen in den letzten Spielen noch mal alle Kräfte bündeln“, sagt er nun. Wie das geht? Gesund ernähren, viel Pflege, guter Schlaf – das sei wichtig, meint Plattenhardt. In Leverkusen wird er es auf der linken Abwehrseite mit Bayers Karim Bellarabi zu tun bekommen, einem der flinksten Angreifer der Bundesliga. Anders als das Gros der Herthaner scheint der Nationalspieler seine Topform erst im Saisonendspurt zu erreichen. Bei den vergangenen fünf Bayer-Siegen war er an acht Toren direkt beteiligt.

Spaßvögel würden nun behaupten, dass sie unter dem Bayer-Kreuz einfach die besseren Arzneimittel verteilen. Plattenhardt vertritt eine andere Theorie. „Leverkusen spielt einfach jedes Jahr auf diesem Niveau“, sagt er. Die Werkself weiß aus Erfahrung, dass sie in den letzten Wochen der Saison noch einmal zulegen muss.

Hertha hingegen ist genau das in den vergangenen Wochen nicht gelungen. Seit der Länderspielpause Ende März hätte sein Team etwas nachgelassen, sagt Dardai, vor allem den sicheren und mutigen Umgang mit dem Ball habe er vermisst. „Nach der Hinrunde haben wir versucht, den Stammspielern viel Vertrauen zu geben, damit die Rückrunde vielleicht genauso wird“, sagt der Ungar. Irgendwann habe er jedoch gespürt: „Da fehlt etwas.“

Trainer Dardai muss die richtige Mischung finden

Auf umfangreiche Rotation setzte Dardai allerdings erst nach dem Aus im Pokal-Halbfinale gegen Dortmund, auch deshalb, weil mehrere Stammkräfte ausfielen. „Gegen die Bayern hat das gut geklappt“, sagt Dardai zu seinem Experiment.

In Leverkusen werden nun aber wohl wieder die etablierten Kräfte auflaufen. „Ich hoffe, die Pausen haben für Körper und Geist gutgetan“, sagt der Coach „aber ob das wirklich so ist, kann ich schwer einschätzen.“ Dardai steht vor einem Dilemma: „Es ist mein Risiko, ob ich die Spieler drin lasse, die gegen Bayern gut gespielt haben oder die Leistungsträger reinnehme. Ich werde eine gute Mischung finden.“

Der Eindruck, dass Hertha auf der letzten Rille läuft, er bleibt. Plattenhardt nimmt’s gelassen. „Wir haben jetzt eine große Chance. Da darf man nicht verkrampfen“, sagt er. Preetz sieht es ähnlich. Hertha stehe „unfassbar komfortabel da“, betont der Manager. Daran wird sich nichts ändern. Selbst dann nicht, wenn Hertha auf den letzten Metern liegen bleibt.