Bundesliga

Bayern vertagt Meisterparty - 2:0 gegen Hertha reicht nicht

Hertha BSC zeigt beim 0:2 gegen Bayern Münchern wieder Angriffslust und macht so Mut für den Saison-Endspurt.

Douglas Costa (2.v.l.) zieht ab, die Herthaner Marvin Plattenhardt, Tolga Cigerci und Julian Schieber können bloß zuschauen, wie der Ball zum 0:2 einschlägt

Douglas Costa (2.v.l.) zieht ab, die Herthaner Marvin Plattenhardt, Tolga Cigerci und Julian Schieber können bloß zuschauen, wie der Ball zum 0:2 einschlägt

Foto: dpa

Am Ende konnte er sogar wieder lachen. Hertha-Torwart Thomas Kraft scherzte nach Abpfiff mit Franck Ribéry, seinem alten Kollegen aus gemeinsamen Tagen bei Bayern München. Die Enttäuschung über das 0:2 (0:0) gegen den designierten Meister, sie hielt sich in Grenzen. Das galt für Kraft, der 217 Tage nach seiner schweren Schulterverletzung erstmals wieder zwischen den Pfosten gestanden hatte und bei den Gegentoren durch Arturo Vidal (48. Minute) und Douglas Costa (79.) machtlos war, für seine Teamkollegen und die Berliner Fans, die die Mannschaft ausgiebig feierten. Und sogar für Pal Dardai. „Heute bin ich sehr zufrieden“, sagte der Trainer, „auf diese Leistung und unser Zweikampfverhalten können wir in den nächsten Wochen aufbauen. Wir haben jetzt noch drei Endspiele.“

Gegen die Bayern kassierte Hertha die vierte Niederlage im fünften Pflichtspiel. Trotzdem durften sie sich bei Hertha am Sonnabend als Gewinner fühlen. Weil sie eine engagierte, kämpferische Leistung gezeigt hatten und dem haushohen Favoriten einen leidenschaftlichen Schlagabtausch aufgezwungen hatten, kurz: Weil sie das Spiel zeigten, auf das so viele am Mittwoch im Pokal-Halbfinale gegen Dortmund (0:3) gehofft hatten.

Dardai hatte ja vor der Herausforderung gestanden, seinem Team nach dem geplatzten Pokaltraum neuen Mut einzuflößen. Wie soll man auftreten gegen eine Mannschaft, die „noch einen Tick besser ist als Dortmund“ (Hertha-Manager Michael Preetz)? Die Antwort lieferte der Trainer mit seiner Aufstellung: mit Mut und Frische.

Maximilian Mittelstädt steht erstmals in der Berliner Startelf

Auf gleich sechs Positionen baute der Ungar seine Startelf um. Neben John Brooks (verletzt), Per Skjelbred und Genki Haraguchi (beide krank) rückten auch Salomon Kalou und Jens Hegeler auf die Bank. Stattdessen durften Sebastian Langkamp, Tolga Cigerci, Valentin Stocker und Peter Pekarik ran, außerdem der erst 19 Jahre alte Maximilian Mittelstädt, der gegen die Bayern zu seinem Startelf-Debüt kam. Und Kraft. Rune Jarstein, inzwischen Herthas Nummer eins, hatte sich wegen einer Hüftprellung abgemeldet.

Abgemeldet waren über weite Strecken der ersten Halbzeit auch die Bayern. Denn: Dardais Plan ging auf. Hertha startete angriffslustig in die Partie, arbeitete energisch gegen den Ball, ergriff immer wieder die Initiative. Stocker und Cigerci sorgten für die erhoffte Belebung, auch Mittelstädt („Vor dem Spiel war ich nervös, aber mit Anpfiff war alles verflogen“) traute sich viel zu. Weiser (22), auch er ein früherer Münchner, überzeugte vor 76.233 Zuschauern und Bundestrainer Joachim Löw in ungewohnter, zentral-offensiver Rolle als Antreiber. Stark (21), diesmal im defensiven Mittelfeld, hielt ihm zuverlässig den Rücken frei. Die jungen Wilden gaben sich bissig. Kraft erledigte sein Kerngeschäft souverän, entschärfte die Distanzschüsse von Douglas Costa (8., 31.) ebenso wie den Versuch aus spitzem Winkel von Thiago (22.), wirkte bei Rückpässen aber nicht immer sicher.

„Es war ein unangenehmes Spiel für uns“, gab Bayern-Trainer Pep Guardiola zu. Tatsächlich war von der gut geölten Münchner Pass-Maschine wenig zu sehen, stattdessen gingen die Filigrantechniker erstaunlich robust zu Werke. Die Pausenstatistik wies sogar eine kleine Anomalie auf, denn bei den Torschüssen hatte Hertha die Nase vorn (7:3). Einschränkend sei allerdings ergänzt: Wirklich gefährlich waren die Berliner Abschlüsse nicht, ein Kunstschuss von Peter Pekarik von der rechten Eckfahne hatte noch am ehesten das Zeug zur Führung, drehte sich aber knapp am langen Pfosten vorbei (42).

So hoffnungsvoll der erste Durchgang endete, so frustrierend begann der zweite. Weltmeister Mario Götze schob den Ball von links ins Zentrum, von wo aus Vidal das Spielgerät aus gut 20 Metern aufs Tor drosch (47.). Stark fälschte unhaltbar ab, 0:1 – Kraft traf keine Schuld. „Dass das Tor so schnell nach der Pause gefallen ist, war bitter“, sagte Langkamp.

Costas Traumtor bringt die Entscheidung für den Meister

Noch weniger war für Kraft beim zweiten Treffer zu halten. Douglas Costa versenkte den Ball aus gut 20 Meter aus halbrechter Position im langen Eck (79.). „Ein Wahnsinnstor“, sagte Guardiola, „unhaltbar“, befand Dardai.

Mit dem 0:2 war die Entscheidung gefallen. Die Bayern hatten ihr System umgestellt, Hertha geriet im Mittelfeld in Unterzahl, bekam immer weniger Zugriff. Daran änderte auch die Einwechslung von Florian Kohls (21) nichts, der zu seinem ersten Einsatz in der Bundesliga überhaupt kam.

Der Achtungserfolg gegen die Bayern dürfte dem zuletzt müde wirkenden Team Auftrieb geben. Den kann Hertha gut gebrauchen. Am Sonnabend geht’s zum direkten Konkurrenten Leverkusen. Manager Preetz: „Wir fahren dorthin, um Rang vier zu verteidigen.“