Bundesliga

Hertha braucht einen Torwart in Topform

Gegen den FC Bayern benötigt Hertha einen starken Rückhalt. Weil Rune Jarstein angeschlagen ist, wittert Thomas Kraft seine Chance

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Berlin.  Ob Thomas Kraft an den Fußballgott glaubt? Einem, dem im Laufe einer Spielzeit derart viel Verletzungspech widerfährt wie Herthas langjähriger Nummer eins, kann der Glaube an höhere Mächte ja durchaus abhanden kommen. Nun aber könnte ihm die fußballgöttliche Fügung zumindest einen versöhnlichen Saisonausklang bescheren. Rune Jarstein, seit Krafts Schulterblessur im September gesetzt, laboriert aktuell selbst an einer Verletzung, einer schweren Beckenprellung.

Ob der Norweger im Heimspiel gegen Bayern München am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) mitwirken kann, ist fraglich. Trainer Pal Dardai nominierte ihn zwar vorläufig für den Kader. Die endgültige Entscheidung wird jedoch erst am Samstagvormittag fallen. Dass Jarstein auf die Bank rückt oder sogar noch aus dem Kader fällt, halten sie bei Hertha für ein realistisches Szenario.

Besondere Beziehung zu den Bayern

Für Kraft scheint ein Comeback dadurch greifbarer denn je. Er wäre plötzlich zurück auf seinem einstigen Stammplatz, zurück auf der großen Bühne, und das auch noch gegen seinen Ex-Klub. Eine Konstellation, bei deren Beschreibung man um eine Vokabel nicht herumkäme: ausgerechnet.

In München kam Kraft schließlich einst groß raus. Louis van Gaal beförderte ihn zum Rückrundenstart der Saison 2010/11 zur Stammkraft. Kraft bedankte sich im ersten Ligaspiel mit einer Torvorlage und einem gehaltenen Elfmeter – den Job des Niederländers konnte er allerdings nicht retten. Van Gaal ging, Manuel Neuer kam, und Kraft wechselte zu Hertha.

Seine Bilanz in Berlin: ein Abstieg, ein Wiederaufstieg, insgesamt vier Jahre als Nummer eins. Bis zum verhängnisvollen fünften Spieltag, als seine Schulter einen schweren Knacks bekam.

Wie schwer dieser Knacks für seine Karriere ist, lässt sich noch nicht abschließend bewerten. „Thomas ist die Nummer eins, aber Rune spielt“, lautet die Sprachregelung von Hertha-Coach Pal Dardai. Der große Konkurrenzkampf blieb bislang jedoch aus. In der Wintervorbereitung musste Kraft seine Schulter erneut schonen, zuletzt meldete er sich für fast drei Wochen wegen eines grippalen Infekts ab.

Ex-Torwart Drobny als Vorbild

Sein Vertrag in Berlin läuft bis Sommer 2017. Ein Abschied scheint nicht ausgeschlossen. Sollte Kraft sich gegen die Bayern nun aber zurückmelden, wird es spannend zu beobachten sein, wie Dardai die Torwart-Situation moderiert.

„Die Bayern sind noch einen Tick besser als Dortmund“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz, „wenn wir etwas holen wollen, werden wir eine außergewöhnliche Leistung brauchen.“ Eine Prognose, die natürlich für das gesamte Team gilt, besonders aber für den Torhüter, ganz gleich, ob der nun Jarstein heißt oder Kraft.

Bayerns Offensivpower, sie ist gewaltig. 72 Treffer haben die Münchner erzielt, bei 580 Torschüssen. Zum Vergleich: Hertha kommt in dieser Saison auf 285 Versuche (40 Tore).

Dass Hertha gegen die Bayern punktete, liegt sieben Jahre zurück. 2009 gewannen die Berliner 2:1, eine Sensation, die vor allem auf die Kappe des überragenden Torhüters Jaroslav Drobny ging.

Bayern-Keeper Neuer kratzt am Rekord

Der Rahmen für einen erneuten Coup, er wäre gegeben – die Zusatztribüne am Marathontor steht noch. Wie im Pokal-Halbfinale wird die Arena mit 76.233 Zuschauern prall gefüllt sein.

Kleiner wird die Herausforderung dadurch freilich nicht. Falls Dortmund parallel in Stuttgart verliert, könnten die Bayern in Berlin bereits den Titel feiern, vorausgesetzt, sie gewinnen. Davon abgesehen dürfte sich jeder Münchner für die entscheidenden Spiele der Saison empfehlen wollen.

Einer gilt dabei als gesetzt, wird am Sonnabend aber trotzdem im Fokus stehen: Torwart Manuel Neuer. Er kann seinen eigenen Bundesliga-Rekord einstellen – 20 Saisonspiele ohne Gegentor. Kaum zu glauben.