Im Uefa-Pokal

So erlebte ich Herthas letztes großes Halbfinale

Morgenpost-Redakteur Joachim Fahrun erlebte als Zwölfjähriger im Stadion Herthas Halbfinale im Uefa-Cup gegen Roter Stern Belgrad.

Hertha-Fans in der Ostkurve

Hertha-Fans in der Ostkurve

Foto: Annegret Hilse/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Berlin.  Es hat in Strömen gegossen bei Herthas letztem großen Halbfinale im Olympiastadion. 1979 war der Fan zumindest in der Kurve noch dem Wetter ausgesetzt. Aber egal, Hertha gegen Roter Stern Belgrad, die Chance, ins Endspiel des Uefa-Pokals einzuziehen. Mit der besten blau-weißen Mannschaft seit Menschengedenken: Ete Beer, Norbert Nigbur, Uwe Kliemann, Holger Brück, Wolle Sidka. Nach dem 0:1 im Hinspiel hatten wir eine echte Chance.

Ich war gerade zwölf Jahre alt geworden. Und aus irgendeinem Grund ließen mich meine Eltern ganz allein an einem Abend im April um 19.30 Uhr zum Fußball gehen. Immerhin wohnten wir fußläufig vom Olympiastadion. Ich war dort öfter, Unterring Kurve/Oberring gesamt fünf Mark für Schüler. Zur Halbzeit war es sogar gratis früher.

Diesmal war das Haus voll, 75.000 Zuschauer. Und keine nummerierten Sitze, sondern nur schrummelige Sperrholzbänke. Ich eilte in den Mittelumgang, sah noch freie Plätze ganz oben an der Anzeigetafel. Ich hastete die Treppen hinauf. Der Regen wurde stärker. Als ich oben ankam, war alles voll. Vom Schirm eines Nachbarn tropfte es beständig in meinen Nacken. Europacup-Feeling. In der zweiten Minute macht Beer das 1:0, egalisiert das Hinspielergebnis. Wenig später macht Sidka nach einem Eckball das 2:0. Danach hat Hertha weitere Chancen. Der Schiri verweigert einen klaren Elfer, als ein Serbe Beer so umsenst, dass der humpelt.

Das Stadion vibriert, ich spüre die Tribüne wackeln. Der Regen peitscht auf uns nieder. Schlusspfiff naht, Hertha steht im Finale gegen Borussia Mönchengladbach. Dann der Schock: eine Viertelstunde vor Schluss gelingt Belgrad der Anschlusstreffer. Danach schinden die Serben das Resultat über die Zeit, auch zwei Gelbe Karten halten sie nicht vom Zeitspiel ab. Aus, Hertha raus. Ungerecht. Gemein. Unverdient. Ich nass und geschockt. Wie ich nach Hause kam, weiß ich nicht mehr.