Fußball

Wieso ein Ingolstädter aus dem Wedding an Hertha glaubt

Vor der Begegnung mit seinem Ex-Klub verspricht Alfredo Morales allerdings ein ungemütliches Wiedersehen – trotz Freunds im Verein.

Alfredo Morales (l.) kampft gegen Herthas Mitchell Weiser beim Hinspiel in Ingolstadt um den Ball

Alfredo Morales (l.) kampft gegen Herthas Mitchell Weiser beim Hinspiel in Ingolstadt um den Ball

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Mit 25 Jahren ist Alfredo Morales im besten Fußball-Alter. 13 davon hat er das Trikot von Hertha BSC getragen. Sonnabend kehrt er zum ersten Mal ins Olympiastadion zurück – wird aber mit dem FC Ingolstadt die Gästekabine beziehen (Anstoß 15.30 Uhr, Sky).

Das wird ungewohnt für den Jungen aus dem ­Wedding, der von 2000 bis 2013 das blau-weiße Trikot trug. Herthas Innenverteidiger John Brooks fragt: „Ist Alfredo so weit?“ Antwort: Ja, Morales hat seine Adduktorenverletzung auskuriert, die ihn fünf Wochen außer Gefecht gesetzt hat. „Ich will am Wochenende in Berlin unbedingt dabei sein“, erzählt Morales.

Er und Brooks kennen sich aus gemeinsamen Hertha-Jahren – und aus dem US-Nationalteam. Direkt vor dem Spiel ruht der Kontakt. Jeder konzen­triert sich auf sein Ding. Morales steht mit Ingolstadt mit 33 Punkten besser da, als von vielen erwartet.

„Ich kann dieses Lamentieren nicht mehr hören“

Der Neuling ist auf bestem Weg, auch in der kommenden Saison Bundesliga-Fußball in Ingolstadt zu spielen. Vehement verteidigt Morales den Stil des FCI. „Ich kann dieses Lamentieren, wir würden dreckigen Fußball spielen, nicht mehr hören. Für mich klingt das immer wie Ausreden.“ In der Tat wird es auch bei Hertha so sein, dass die Gastgeber und das Umfeld davon ausgehen, dass gegen Ingolstadt gewonnen wird.

Morales lehnt sich zurück und verspricht den Hertha-Fans einen ungemütlichen Nachmittag. „Ja, das denken viele. Und sind dann überrascht, wie schwer wir zu spielen sind.“ Kompakt stehen die Bayern, es wird viel Pressing gespielt, um den Gegner erst gar nicht in einen Fluss kommen zu lassen.

Die gesamte Mannschaft wandert auf dem Grat zwischen rustikal und hart. Aber, das ist Morales wichtig, der FCI sei keine Tretertruppe: „Wir haben in 26 Saisonspielen exakt einmal Gelb-Rot kassiert.“

„Man sieht, dass Hertha einen Plan hat“

Den Werdegang seines Ex-Vereins verfolgt Morales, er hat die meisten Hertha-Spiele gesehen. Vor der Saison habe niemand den Hauptstadt-Klub auf Rang drei erwartet. „Aber das ist absolut verdient. Es ist überragend, wie die Defensive steht. Und vorn haben Kalou und Ibisevic richtig Qualität.“

Morales hatte sich im Mai 2013 gegen ein Hertha-Angebot entschieden und war zum damaligen Zweitligisten gewechselt, weil er sich dort mehr Einsätze erhoffte. Er sieht als Hauptgrund für die Entwicklung einen ehemaligen Mitspieler, mit dem er in Herthas U23 zusammengespielt hat.

„Man sieht in jedem Spiel, dass Hertha einen Plan hat. Daran hat Pal Dardai einen sehr, sehr großen Anteil.“ Morales hat auch eine konkrete Vorstellung, wo die Ex-Kollegen die Saison beenden: ­„Hertha wird sich Rang drei nicht mehr nehmen lassen.“