Bundesliga

Hertha und Köln – zwei Klubs, ein Ziel

Hertha und Köln erleben eine Saison ohne Sorgen, streben nach Höherem – müssen aber auch ähnliche Herausforderungen meistern.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Bernd König

Wenn man so möchte, bilden sie eine Schicksalsgemeinschaft – und das nicht zum ersten Mal. Von 1986 bis 1990 spielten Michael Preetz und Jörg Schmadtke gemeinsam für Fortuna Düsseldorf, stiegen ab und hievten den Klub zwei Jahre später mit vereinten Kräften zurück in die Bundesliga. Eine Energieleistung, die den heutigen Sport-Geschäftsführern inzwischen auch mit anderen Traditionsvereinen gelungen ist. Preetz (48) bei Hertha BSC, Schmadtke (51) beim 1.FC Köln.

Freitag (20.30 Uhr) kommt es nun zum Wiedersehen der einstigen Weggefährten. „In Köln machen sie einen tollen Job“, sagt Preetz voller Anerkennung. Ein Lob, das Peter Stöger postwendend zurückgibt. „Hertha“, meint der FC-Trainer, „hat sich noch ein bisschen besser entwickelt als wir.“

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr – beide Klubs verbinden viele Parallelen. Die Narben, die die Zweitligajahre hinterlassen haben, sind tief; die Ansprüche im Umfeld dafür ungebrochen hoch.

Preetz und Schmadtke punkten mit Standortvorteilen

Wer sich mit Preetz oder Schmadtke unterhält, kommt am Wort „etablieren“ nicht vorbei. Wieder fester Bestandteil der Liga zu sein, ist das erklärte Primärziel, noch immer stehen beide mit einem Fuß auf der Euphoriebremse. Weil sich Köln aber in sicherer Distanz zu den Abstiegsrängen eingerichtet hat und Hertha sogar mit Europa flirtet, rücken zunehmend neue Ziele ins Blickfeld.

Viel war ja zuletzt vom Bundesliga-Mittelstand die Rede, einer etwas merkwürdigen Gruppierung, die sich jenseits von München und Dortmund sowie den finanziell weich gebetteten Klubs aus Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim oder Ingolstadt verorten lässt. Wo ein großer Konzern oder ein solventer Mäzen im Rücken, spielt Geld nur noch eine untergeordnete Rolle. Für die Traditionsklubs entstehen dadurch neue Herausforderungen. Auch in Berlin und Köln.

Im Ringen um Spieler wissen Preetz und Schmadtke allerdings um ein besonderes Kapital. „Die Stadt ist ein Faktor“, sagt Herthas Manager. „Natürlich geht es immer um einen Mix an Argumenten, aber der Standort gehört genauso dazu wie die Aufmerksamkeit, die man bekommt.“ Lebensqualität, Stadionkulisse und Einschaltquote – Berlin und Köln sind im Zweifelsfall attraktiver als Augsburg oder Gelsenkirchen.

Aufstellen für die Zukunft

Gerade erst verpflichtete Schmadtke Marco Höger. Der gebürtige Kölner wechselt in der kommenden Saison vom Champions-League-Anwärter Schalke 04 in seine Heimatstadt. Und auch Preetz konnte zuletzt mit seiner „Berliner Mischung“ überzeugen. Er lockte umworbene Toptalente wie Mitchell Weiser, Niklas Stark oder Sinan Kurt an die Spree.

Nun mag Höger ein Spezialfall sein, er ist dem Charme des altehrwürdigen Geißbockheims schon als Kind erlegen. Ansonsten sieht Vizepräsident Toni Schumacher die in die Jahre gekommenen Räumlichkeiten aber als Wettbewerbsnachteil – zumindest bei der Jagd nach Talenten. Mit den hochmodernen Trainingszentren in Hoffenheim oder bei RB Leipzig können die Kölner nicht mithalten. Eine Renovierung steht daher ganz oben auf der Agenda. Weitere Ziele: Schuldenfreiheit (bis 2020), Erhöhung der Mitgliederzahlen auf 100.000 und Ausbau des Stadions (frühestens ab 2018).

Bei Hertha haben sie den Kabinentrakt vor ein paar Wochen ebenfalls aufgemöbelt. Beide Vereine erfinden sich ein Stück weit neu, nach turbulenten Jahren streben sie nach Kontinuität und wollen sportlich dem Beispiel Mönchengladbach nacheifern. Seit dem Wiederaufstieg 2008 hat sich die Borussia bekanntlich zum Daueranwärter für den europäischen Wettbewerb gemausert.

Fünf Abstiege haben Köln rund 130 Millionen gekostet

Die insgesamt fünf Abstiege, sagt Schmadtke, hätten den 1. FC Köln rund 130 Millionen Euro gekostet. Ein wirtschaftlicher Rucksack von beträchtlicher Größe, doch anders als die Berliner, die erfolgreich mit dem Private-Equity-Unternehmen KKR kooperieren, haben sich die Rheinländer vorerst davon verabschiedet, einen Investor ins Boot zu holen – aus Rücksicht auf Tradition und Fankultur, wie es heißt. Wohl der gravierendste Unterschied zwischen den Klubs.

Auf dem Transfermarkt aber folgen die Manager einem ähnlichen Beuteschema: So wie Preetz mit Weiser und Stark köderte auch Schmadtke vielversprechende Spieler mit Entwicklungspotenzial: Leonardo Bittencourt (22) von Hannover 96 beispielsweise, oder Verteidiger Dominique Heintz (22) aus Kaiserslautern.

Beide haben sich als Stammkräfte etabliert, auch Winterzugang Filip Mladenovic (24, BATE Borisov) schlug auf Anhieb ein. Hinzu kam ein Volltreffer im Angriff: Der frühere Hoffenheimer Anthony Modeste (27) traf bereits zehn Mal. Anders als in der Vorsaison, als der Kader von den damaligen Aufstiegshelden dominiert wurde, hat das Team inzwischen spürbar an Qualität gewonnen. Die Mischung stimmt. So wie bei Hertha.