DFB-Pokal

Wie Hertha BSC Heidenheim im Pokal knacken will

Das Viertelfinale beim 1. FC Heidenheim ist für Hertha nur Zwischenstation beim Traum vom Pokalfinale. Ein Problem sind die Ausfälle.

Berlin.  Auf der Playstation haben Fans des 1. FC Heidenheim das größte Spiel der Vereinsgeschichte schon mal vorgespielt. Knapp 24 Minuten ist die Version auf der digitalen Spielekonsole lang, die derzeit im Internet kursiert. Demnach pariert Thomas Kraft zwar kurz vor Ende der regulären Spielzeit einen Foulelfmeter. Aber in der fünften Minute der Nachspielzeit kassiert Hertha BSC gegen Außenseiter Heidenheim das spielentscheidende 1:2.

In der analogen Welt soll es anders laufen. Zwar ist auch im echten Leben das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Hertha BSC der ­Höhepunkt des erst 2007 gegründeten 1. FC Heidenheim (Mittwoch, 19 Uhr). Geht es nach den Berlinern, soll es dabei auch bleiben. Weil der Bundesligist die Reise nach Baden-Württemberg als Zwischen­station sieht.

Dardai ist jetzt schon weiter als Stevens, Babbel, Luhukay

Wenn später einmal auf die Hertha-Saison 2015/16 zurückgeblickt wird, soll der DFB-Pokal die große Klammer sein. Dieser Hertha-Jahrgang soll schaffen, woran alle Vorgänger seit 31 Jahren gescheitert sind: Dass die Profis in Blau-weiß endlich das seit 1985 im Olympiastadion ausgetragene Pokal-Endspiel erreichen.

Als Trainer Pal Dardai im vergangenen Sommer von diesem Traum erzählte, runzelte der eine oder andere Hertha-Begleiter die Stirn: Schon klar. Dieses Ziel hatten auch Huub Stevens, Markus Babbel und Jos Luhukay als Ziel ausgegeben... der Ausgang von Hertha-Pokalaus­flügen über all’ die Jahre ist bekannt.

Spötter können einwenden, es ist kein Kunststück, als Bundesligist auf das Pokal-Halbfinale zu schielen, wenn man in ­jeder Runde einen Zweitligisten zugelost bekommt. Hertha-Fans zucken nur müde mit den Schultern: Berliner Fußball-Fans wissen, dass man sich regelmäßig auch gegen unterklassige Gegner ­blamieren kann.

Zum vierten Mal ein Zweitligist als Pokal-Gegner

Bemerkenswert ist nicht nur die Bundesliga-Saison, die Hertha, seit Wochen Bundesliga-Dritter, hinlegt. Erstaunlich ist auch der Fokus, den die Mannschaft von Trainer Dardai in den bisherigen K.o.-Partien gezeigt hat.

Von der ersten Runde an, einem stoisch aus einer starken Abwehr herausgespielten 2:0 bei Arminia Bielefeld, zeigt der Jahrgang 2016 Pokal-Qualitäten. Konzentriert, kampfstark. Und wenn es, wie in Runde zwei beim FSV Frankfurt in die Verlängerung geht, bitt’schön, dann wird nach 120 Minuten mit 2:1 gewonnen.

„Unser Vorteil in Heidenheim ist, dass wir jetzt dreimal gegen Zweitligisten gespielt haben, und zwei von ­diesen Spielen waren eng“, sagt Dardai. Kurz vor Weihnachten, gegen den 1. FC Nürnberg, dominierte Hertha ­indessen deutlicher, als es das ­2:0-Resultat ausdrückt.

Lustenberger und Darida fallen wohl aus

Damit die Klammer vom Pokal-Endspiel Bestand hat, ist aktuell Bastelarbeit gefragt. „Heidenheim ist eine wichtige Station für uns. Wir träumen vom Finale“, sagt Dardai. „Wir sind auf ein sehr schwieriges Spiel vorbereitet. Trotzdem wir viele angeschlagene Spieler haben, werden wir das zusammenbasteln. Wir wollen gewinnen.“

So setzt der Coach für Mittwoch nicht auf Kapitän Fabian Lustenberger (Knie verdreht) und Vladimir Darida (Prellung an der Wade). Dennoch reisen die Schlüsselspieler mit. Hertha ist mit einem 20er-Kader unterwegs und bleibt mit Blick auf das Bundesliga-Spiel am Sonnabend beim VfB Stuttgart in Schwaben. „Es sind beides erfahrene Spieler. Vielleicht versuchen sie es am Mittwoch, ob es doch geht“, sagte Dardai.

Gleichwohl verlangte er Professionalität statt falschen Ehrgeiz: „Eines will ich nicht: Uns erwartet ein Pokalfight. Der kann über 120 Minuten gehen. Da will ich nicht, dass wir nach 20 Minuten wechseln müssen, weil ein Spieler doch nicht fit war.” Die gute Nachricht: Per Skjelbred, der einen fiebrigen Infekt hatte, trainierte gestern. Der Norweger sollte in der prestigeträchtigen Partie spielen können.

Der schwer bespielbare Rasen in Heidenheim

Am vergangenen Wochenende war Gäste-Trainer Thomas Tuchel im Internet verspottet worden, weil der BVB-Coach über den schlechten Zustand des Rasen im Olympiastadion gemault hatte (die Leistung von Hertha aber nicht weiter erwähnt hatte).

Wie bei Hertha zu hören ist, soll das Geläuf in Heidenheim in keinem guten Zustand sein. Öffentlich will man sich dazu nicht äußern, weil dieses Thema immer nach Ausrede klingt.

Halbfinal-Einzug ist mit 2,07 Millionen dotiert

Über den 1. FC Heidenheim, Tabellen-Achter der Zweiten Liga, sagt Dardai: „Es ist ein gut ­organisierter Gegner. Es gibt dort einen guten Trainer. Egal, wer in ­Heidenheim spielt, die Mannschaft hat immer einen ordentlichen Plan. Es wird schwierig. Aber wir ­fahren dort hin, um zu gewinnen.“

Wie immer im Profifußball geht es auch im DFB-Pokal um eine Menge Geld. Mit den Siegen in den vorangegangenen drei Runden hat Hertha an TV-Geldern sowie aus der Zentral­vermarktung bereits 1,98 Millionen Euro eingenommen. Der Einzug ins Halbfinale wird mit weiteren 2,07 ­Millionen Euro honoriert.