Pokal-Viertelfinale

Hertha bangt um das Herzstück Lustenberger und Darida

Vor dem Pokal-Spiel in Heidenheim ist auch Per Skjelbred fraglich. Damit würde Hertha BSC das gesamte, zentrale Mittelfeld fehlen.

Verletzt: Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger hat sich am Sonnabend gegen Borussia Dortmund das rechte Knie verdreht

Verletzt: Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger hat sich am Sonnabend gegen Borussia Dortmund das rechte Knie verdreht

Foto: imago sportfotodienst / imago/Matthias Koch

Größer könnte der Kontrast nicht sein. Am Sonnabend tanzte Hertha auf der ganz großen Bühne. 74.244 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion, darunter Star-Trainer José Mourinho, der sich einen Ausflug in die Bundesliga gönnte. Die Berliner trotzten der Tormaschine von Borussia Dortmund (52 Saisontore, Bestwert der Liga) als erste Mannschaft dieser Saison eine Nullnummer ab.

Am Mittwoch wartet ein krasser Sprung auf Hertha: Im Viertelfinale des DFB-Pokals geht es nach ­Heidenheim, gelegen in Baden-­Württemberg an der Brenz (Anstoß 19 Uhr). Der Zweit­ligist spielt überhaupt erst seine zweite Saison im Unterhaus. Der 1. FC Heidenheim bestreitet gegen den Hauptstadt-Klub das größte Spiel seiner jungen Vereinhistorie.

Lustenberger am Knie verletzt, Darida über der Achillessehne

Für Hertha wird die Dienstreise aus einem ganz anderen Grund eine Herausforderung: Nachdem die Blau-Weißen die bisherige Saison fast durch­gehend mit einer Stammformation ­bestreiten konnten, droht in dem wichtigen Pokalspiel das Herzstück der Mannschaft zu fehlen: das von Trainer Pal Dardai sogenannte „schiefe Dreieck“.

Der Einsatz von Kapitän Fabian Lustenberger ist wegen Knieproblemen akut gefährdet. „Fabian hat sich das Knie bei einem Zweikampf verdreht“, sagte Dardai der Morgenpost. „Er wird untersucht. Wir müssen schauen, ob das länger dauern könnte.“ Ebenfalls heftig hat es Vladimir Darida erwischt. Der Marathon-Mann der Bundesliga hat bei einem gewonnenen Zweikampf im BVB-Strafraum einen wuchtigen Schlag von Gonzalo Castro direkt oberhalb der Achillessehne abbekommen.

Nicht nur, dass der Hertha-Trainer in der fraglichen Szene einen Elfmeter gewünscht hätte: „Vladi wird wahrscheinlich Mittwoch nicht spielen. Das ist eine sehr empfindliche Stelle oberhalb der Achillessehne, damit ist nicht zu spaßen.“

Skjelbred liegt mit Grippe flach

Noch offen ist, ob der dritte im Mittelfeld-Bunde, Per Skjelbred, zur Verfügung steht. Der Norweger hat sich an diesem Wochenende mit einem fiebrigen Effekt abgemeldet. Das sind jetzt nicht irgendwelche Fragezeichen, die jeden Trainer vor jedem Spiel beschäftigen. Damit ist das Herzstück des ­Hertha-Aufschwunges betroffen.

Manager Michael Preetz setzt auf das Prinzip Hoffnung. „Der Teamarzt sagt, dass wir erst am Dienstag, unter Umständen am Spieltag Mittwoch erst Klarheit haben.“

Trainer Dardai weiß seit dem Besuch am Sonntagvormittag in der Kabine, dass er sich mit Alternativen ­beschäftigen muss. Die Besonderheit von Herthas „schiefem Dreieck“ ist die Fähigkeit von Darida, als Spieler zwischen den Zonen zu wandern. Bei eigenem Ballbesitz stößt er im Stile eines Spielmachers, bis hin zu Toren und Vorlagen in die gegnerische Hälfte vor.

Beste Defensive bei Hertha seit zehn Jahren

Hat der Gegner den Ball, schwirrt Darida wie ein Abfangjäger vor dem eigenen Defensivriegel umher. Im dem auch noch Lustenberger und Skjelbred je nach Spielsituation ihre Rollen ­tauschen. Der bisherige Arbeitsnachweis des Trios spricht für sich.

Hertha verfügt nach 20 Runden mit 21 Gegentoren über die beste Defensive der Liga nach dem FC Bayern (9). So gut hat kein Hertha-Jahrgang seit der Saison 2004/05 verteidigt (damals waren es 17 Gegentreffer, am Saisonende landete das Team des damaligen Trainers Falko Götz auf Rang vier).

Fällt das komplette Dreieck, stehen als Nachrücker Jens Hegeler, Tolga Cigerci und Alexander Baumjohann bereit. „Ich habe kein Problem, sie zu bringen, sie sind auch gut“, überlegt Dardai laut. Er ahnt jedoch, dass zwei, drei neue Profis in dieser Nahtstelle, Auswirkungen ­haben. „Dann haben wir einen anderen Spielfluss, das wird etwas Zeit benötigen.“

Hertha wird in Heidenheim auf Trumpfkarte Teamgeist setzen

Hertha wird in Heidenheim auf die Trumpfkarte Geschlossenheit setzen. „Wenn eine Mannschaft defensiv so gut arbeitet, ist das ein Zeichen von Teamgeist“, sagte Dardai. „Dass wir das auch gegen Dortmund so gut hingekriegt ­haben, ist besonders schön.“

Der innere Zusammenhalt zeigte sich nicht zuletzt bei Hegeler. Der bei den Fans wenig populäre Mittelfeldspieler stand als Vertreter von Skjelbred gegen den BVB zum ersten Mal seit Monaten in der Startelf. Dardai sagte: „Ich war sehr zufrieden mit ihm. Jens hat seine ­Aufgabe erfüllt.“

Damit gelang Hertha einmal mehr, was das Trainer-Team seit Saison­beginn versucht: In die zweite DFB-Pokalrunde beim FSV Frankfurt im Oktober 2015 war Hertha mit dem Selbstvertrauen eines Sieges drei Tage zuvor in der Liga gegangen (1:0 in ­Ingolstadt). Vor der dritten Pokalrunde im Dezember in Nürnberg hatte ­Hertha zuvor Zuversicht getankt beim SV Darmstadt (4:0).

„Es hilft immer, mit einem Erfolgserlebnis in ein Pokalspiel zu gehen“, sagte Manager Preetz. Allerdings gilt das auch den 1. FC Heidenheim, der mit einem 1:0 in Düsseldorf im ­Rücken am Mittwoch aufläuft.