Hertha BSC

Julian Schieber ist auf dem langen Weg zurück

Der Hertha-Stürmer kann nach elfmonatiger Verletzungspause endlich wieder spielen. Und trifft im Sturm einen alten Bekannten.

Kann sich ab jetzt auf den Ball fokussieren: Julian Schieber

Kann sich ab jetzt auf den Ball fokussieren: Julian Schieber

Foto: Thomas Eisenhuth / dpa

Belek.  Manchmal, wenn es in den vergangenen elf Monaten besonders schlimm war, setzte sich Julian Schieber seinen Laptop auf den Schoß und schaute in die Vergangenheit. Eine kleine Sammlung seiner besten Szenen hat der Stürmer von Hertha BSC darauf gespeichert.

Die beiden Treffer gegen Bremen zum Start der letzten Saison zum Beispiel. Oder dieser feine Sololauf zum Siegtor gegen Dortmund. Diese kurzen Videos über den Fußballprofi Julian Schieber schaute sich der 26-Jährige immer wieder an – um nicht zu vergessen, dass es den Fußballprofi Julian Schieber noch gibt.

Verletzungen gehören zum Geschäft. Aber manchmal kann es auch sein, dass sie einen ganzen Spieler in Frage stellen. Als Schieber Ende Februar 2015 im Training stürzt, wird wenig später ein Knorpelschaden in seinem linken Knie diagnostiziert. Dasselbe Knie, an dem er sich schon 2011 hatte operieren lassen müssen. Saisonaus.

Zehn Wochen an Krücken. Und die Ungewissheit, ob das überhaupt noch mal wieder so wird wie früher. „Da gibt es Momente, in denen du über deine Karriere nachdenkst“, sagt Schieber. Aber auch kein Tag sei vergangen, an dem er nicht an seine Rückkehr gedachte habe. Die Videos von sich selbst hätten geholfen. „Sie haben mir wieder Selbstvertrauen gegeben.“

Heute im Test gegen Bochum soll er sein Comeback geben

Schieber sitzt in Herthas Teamhotel in Belek. Dass er nun, elf Monate nach seiner Verletzung, im Wintertrainingslager seiner Mannschaft dabei sein kann, ist ein Erfolg. Das Knie habe auf die Belastungen der ersten Trainingstage im neuen Jahr nicht negativ reagiert.

In der Türkei versucht er nun, wieder zum Team aufzuschließen. Oft sieht das alles noch ein wenig ungelenk aus. Oft sieht man Schieber nach intensiven Einheiten auch mächtig pusten. „Ich bin dabei, aber es fehlt mir noch viel – Rhythmus, Abläufe und die Power“, sagt er. Belek ist für ihn der Beginn eines langen Wegs zurück zu dem Spieler, den er in den Videos sah.

In den ersten beiden Testpartien gegen Hannover und Mönchengladbach in der Türkei ließ ihn Trainer Pal Dardai noch zuschauen. Nun, im dritten gegen den Zweitligisten VfL Bochum an diesem Mittwoch (19 Uhr), soll Schieber für 20 Minuten sein Comeback geben. 20 Minuten sind auch für den letzten Test gegen den FC Vaduz am Sonnabend geplant.

Und das ist nicht nur als Probe gemeint, ob das Knie hält. Es soll Schieber auch das Gefühl geben, vorwärts zu kommen. „Das ist wichtig für mich. Aber ich werde da sicher kein Feuerwerk abfackeln können“, sagt er. „Dass Julian noch Rückstand hat, ist normal und kein Problem“, sagt Dardai. „Das kommt alles nach und nach zurück.“

Als hätte er den Klub gewechselt

Ein Spieler für strahlende Feuerwerke auf dem Rasen war Schieber ja nie wirklich. Aber einer, der sich mit viel Einsatz und Willenskraft große Anerkennung bei den Fans erspielte. Und er war mit sieben Treffern auch Herthas bester Stürmer der Vorsaison. Aber das Team, das er im Februar verletzungsbedingt verlassen hat, ist nicht mehr dasselbe, in das er heute zurückkehrt.

Als hätte er den Klub gewechselt, so muss es Schieber vorgekommen sein, als er zum ersten Mal wieder mittrainieren konnte: War vor seiner Verletzung noch viel holprig, läuft nun der Ball sauber in den eigenen Reihen.

„Es ist echt Wahnsinn“, sagt Schieber. „Wenn du nicht nur zuguckst, sondern mitspielst und erlebst, welche Ballsicherheit plötzlich da ist, muss man sagen: Die Jungs haben echt eine Schippe draufgelegt im Vergleich zum letzten Jahr. Das hat mich erstaunt.“

Neue Konkurrenz im Sturm

Auch hat sich im Sturm bei Hertha allerhand getan. Salomon Kalou zum Beispiel wird Schieber kaum wiedererkannt haben. Der Ivorer, der in der vergangenen Saison noch ein Schatten seiner selbst war, und den Schieber in der Gunst des damaligen Trainers Jos Luhukay überholt hatte, ist nun mit neun Ligatreffern und drei Toren im Pokal aufgeblüht.

Dazu ist mit Vedad Ibisevic ein Angreifer gekommen, der Schieber erstens im Stil ähnelt und zweitens unangefochtener Sturmführer geworden ist. Schieber nennt Ibisevics Verpflichtung einen „genialen Schachzug“. Beide haben bereits beim VfB Stuttgart zusammengespielt: „Daher wusste ich von Anfang an, dass er in Berlin einschlagen wird“, sagt Schieber.

Aber aus jener Zeit nimmt Schieber auch Zuversicht, dass trotz Ibisevic und Kalou noch Platz für ihn bei Hertha ist. „Vedad und ich haben beim VfB gemeinsam im Sturm gespielt. Und das hat funktioniert“, sagt Schieber. Er glaube auch, dass er mit seinem Stil eine weitere Note ins Spiel der Berliner einbringen kann. „Wie das konkret aussieht, ist schwer zu beschreiben“, sagte Julia Schieber. Das Anschauungsmaterial liegt auf seinem Laptop.