Bundesliga

Jarstein gegen Kraft - Der neue Kampf um die Nummer 1

Hertha verlängert mit Norwegens Nationaltorwart Rune Jarstein bis Juni 2019. Was wird aus dem derzeit verletzten Thomas Kraft?

Alles hört auf sein Kommando: Hertha hat den Vertrag mit Torwart  Rune Jarstein vorzeitig um drei Jahre verlängert

Alles hört auf sein Kommando: Hertha hat den Vertrag mit Torwart Rune Jarstein vorzeitig um drei Jahre verlängert

Foto: dpa Picture-Alliance / Revierfoto / picture alliance / dpa

Berlin.  Rune Jarstein hat sich für das Motiv entschieden vor dem zwei Meter hohen Hertha-Wappen: Dort im Sitzungszimmer der Geschäftsstelle des Fußball-Bundesligisten schlug der Norweger ein in die Hand von Michael Preetz. Und schrieb seinen 5500 Followern beim Fotodienst Instagram: „Ich bin glücklich, stolz und privilegiert, einen Drei-Jahres-Vertrag bei Hertha unterschrieben zu haben. Ich freue mich sehr auf die nächsten Jahre.“

Hertha-Manager Preetz sagte: „Wir haben den Vertrag mit Rune Jarstein bis 2019 verlängert. Rune hat seine ­Sache sehr gut gemacht nach der Verletzung von Thomas Kraft und sich diesen Vertrag verdient.“ Damit setzen die Berliner ein Zeichen auf einer ­Position, die stets besondere Aufmerksamkeit genießt: auf der im Tor.

Alles anders als noch im Sommer gedacht

Auch Trainer Pal Dardai signalisierte Zustimmung: „Ich bin sehr froh, dass es so gekommen ist. Das war der Wunsch des Trainerteams.“ Diese Aussage zeigt, wie schnelllebig die Branche im Allgemeinen und in der just zu Ende gehenden Hinrunde bei Hertha im Besonderen ist. Im vergangenen ­Sommer hatte Dardai nicht zu den ­Befürwortern von Jarstein gehört. Es war sein damals neuer Torwarttrainer Zsolt Petry, der dem Cheftrainer ­erklärte, dass er Jarstein vom Gesamt­paket der ­Fähigkeiten für den komplettesten ­Torsteher bei Hertha halte.

Ebenso zeigt die Personalie Jarstein, dass grundlegende Entwicklungen im Fußball schlicht nicht vorherzusagen sind. Als Nr. 1 war Thomas Kraft in die Bundesliga-Saison gegangen. Er war Teil des erfolgreichen Saisonstartes, den die Blau-Weißen hingelegt hatten. Doch eine Schulterverletzung in der Partie beim VfL Wolfsburg (0:2) zog sich unerwartet lange hin, Kraft hat seit jenem Septembernachmittag kein Spiel mehr bestreiten können.

Stärken bei der Strafraumbeherrschung

Jarstein, 37-maliger Nationaltorwart von Norwegen, ergriff die Chance. Und lieferte in elf Bundesliga- und zwei Pokalspielen tadellose Leistungen ab. Seine Strafraumbeherrschung, die Spieleröffnung und auch das Spiel mit dem Fuß sind besser als bei Kraft. Ob kleine Kulissen von 8100 Fans auf dem Holperrasen des FSV Frankfurt oder große, wie vor 75.000 Fans in der WM-Arena des FC Bayern – Jarstein macht seinen Job. Ruhig, abgeklärt. Und ist in Partien wie in Darmstadt oder Nürnberg, als Hertha jeweils klar dominierte, bei den ein, zwei Schlüsselszenen zur Stelle, in denen der Torwart gefordert ist. Jarstein ist kein Weltklasse­torwart, aber eine sichere Nummer.

Es wird spannend sein zu beobachten, wie sein Konkurrent mit der Situation umgeht. Trainer Dardai antwortete auf die Frage, was der neue Vertrag von Jar-stein für Kraft bedeutet: „Wir haben uns vor der Saison entschieden: Kraft ist unsere Nummer eins. Das bleibt auch jetzt so. Wir haben im Januar die Vorbereitung für die Rückrunde. Mal sehen, wer im ersten Ligaspiel gegen Augsburg im Tor steht.“

Die ermüdende Masche mit dem „HB-Männchen“

Herthas Torwart-Setup sieht nun, nach Alter geordnet, so aus: Jarstein (31 Jahre/14 Bundesliga-Einsätze), Thomas Kraft (27/115), Marius Gersbeck (20/1) und Nils Körber (19/0).

Der Vertrag von Kraft, seit 2011 im Verein, läuft bis 2017. Seine Stärken ist die sehr gute Reaktion auf der Linie, seine Ruhe bei Eins-gegen-Eins-Situationen. Und er galt in einer lange Zeit eher braven Mannschaft als „aggressive leader“. Kraft war einer, der mit seinem unbändigen Ehrgeiz sowohl Gegner beeindrucken konnte wie auch Mitspieler. Die Masche mit dem ­„HB-Männchen“ jedoch birgt die ­Gefahr, dass sich die Art abnutzt. Seit einiger Zeit sind die Kollegen müde der Tiraden, wenn sich Kraft auf dem Trainingsplatz mal wieder aufpustet und lautstark die Deckungsarbeit von Ronny oder einem Jung­spieler kritisiert.

Jarstein-Einsatz gegen Mainz gefährdet

Bisher hat Kraft, vom FC Bayern gekommen, bei Hertha stets gespielt. Er gehört im Team mit einem geschätzten Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro zu den Besserverdienern. Gut möglich, dass er in der Rückrunde zum ersten Mal seine Teamfähigkeit von der Bank aus unter Beweis stellen muss.

Bei Jarstein indessen ist offen, ob er am Sonntag im Heimspiel gegen den FSV Mainz antreten kann (15.30 Uhr, Olympiastadion). Am Donnerstag konnte Jarstein wegen Rückenproblemen nicht trainieren. Freitag war trainingsfrei, die Spieler wurden gepflegt und massiert. Dardai: „Ist er beim Abschlusstraining dabei, wird Rune spielen. Aber bei Rückenproblemen kann man das nie genau vorhersagen.“

Was wird aus den Bubi-Torwarten Gersbeck und Körber?

Für den Fall, dass Jarstein passen muss, wird nicht Dardai, sondern Torwarttrainer Petry entscheiden, wer im Tor steht. „Zsolt ist der Chef der ­Torwarte“, sagt Dardai. „Aber ich habe sowohl in Marius Gersbeck als auch in Nils Körber Vertrauen, sie haben beide große Schritte bei der Entwicklung ­gemacht.“

Hertha achtet darauf, dass beide Nachwuchskeeper Spielpraxis haben. Gersbeck war in dieser Saison für die U23 von Hertha in der Regionalliga sieben Mal im Einsatz, Körber neun Mal.