Berlin

Hertha hat wieder einen Torjäger

Zwei Treffer von Vedad Ibisevic sichern den Berlinerneinen 2:0-Heimsieg gegen den 1. FC Köln

Berlin.  Wenn ein Trainer erfolgreich sein will, muss er hin und wieder mal alles über den Haufen werfen. Pal Dardai ist bekannt dafür, erfolgreich sein zu wollen. Also tat Herthas Cheftrainer am Dienstag etwas dafür: Er schickte seine Mannschaft in den Zoo. Der obligatorische Spaziergang vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln führte das Team zu den Tiergehegen. Vielleicht wollte Dardai mehr Biss bei seinen Profis provozieren, vielleicht auch den Jagdinstinkt wecken.

Der kleine Ausflug fruchtete. Hertha gewann gegen Köln mit 2:0 (1:0), weil die Blau-Weißen die gierigere Mannschaft waren – und weil der neue Stürmer Vedad Ibisevic seinen Torriecher wiederentdeckt hat. Bei ihm platzte der Knoten. Dank seiner ersten Treffer (43. und 90.+4. Minute) seit 601 Tagen gelangen Hertha erstmals seit fast einem Jahr wieder zwei Heimsiege in Folge (zuvor gab es ein 2:1 gegen Stuttgart). Die Berliner klettern mit nun zehn Punkten in der Tabelle auf Rang fünf – zumindest für eine Nacht. „Eine tolle Leistung, ein gutes Spiel gegen einen guten Gegner“, sagte Pal Dardai. „Wir haben Vedad nicht umsonst geholt. Er hat Qualitäten, die wir vorher nicht im Kader hatten.“

Man kann dem Trainer nicht vorwerfen, keinen Mumm zu haben. Erstmals bot er mit Ibisevic und Salomon Kalou zwei nominelle Stürmer von Beginn an auf. Andere personelle Verschiebungen waren erzwungen: Torwart Thomas Kraft hatte am Vormittag den Ernstfall geprobt, aber seine geprellte Schulter aus der Partie gegen Wolfsburg hielt nicht. Für Kraft stand Ersatzmann Rune Jarstein erstmals im Olympiastadion auf dem Platz – der Norweger lieferte ein vorzügliches Spiel ab. Zudem gab Niklas Stark im Abwehrzentrum sein Startelf-Debüt.

Kalou wirkte in seiner Zeit in Berlin bisher eher wie eine eingesperrte Raubkatze, die ihre vollen Kräfte gar nicht entfalten konnte. Aber nach knapp einer Viertelstunde sorgte der Ivorer für den ersten Aufreger der Partie. FC-Verteidiger Dominique Heintz holte Kalou im Strafraum für wahrscheinlich alle 40.181 Zuschauer im Olympiastadion sichtbar von den Beinen. Nur Schiedsrichter Florian Meyer sah es nicht. Kein Elfmeter.

Dann kam Jarsteins Auftritt. Die defensiv chronisch kopfballschwachen Berliner schauten bei einem Freistoß Kevin Vogt zu, wie er Jarstein zur Glanzparade zwang (16.). Sekunden später fast das gleiche Spiel gegen Leonardo Bittencourt. Aus zwei Metern schnellte die Hand des norwegischen Nationalkeepers hervor und verhinderte den Rückstand (17.). Der nächste Versuch von Bittencourt krachte an den Außenpfosten (34.).

Fast 20 Monate nicht mehr ins Tor getroffen

Ibisevic, der vorn wie ein Geier beharrlich um des Gegners Strafraum kreiste, aber schon seit fast zwanzig Monaten und 25 Bundesligaspielen keine Beute mehr gemacht hatte, scheiterte zunächst mit einem Kopfball an Kölns Schlussmann Timo Horn (40.).

Augenblicke später aber war sein Raubzug von Erfolg gekrönt: Linksverteidiger Marvin Plattenhardt schlug eine Flanke auf den kurzen Pfosten, Ibisevic drückte sie mit der Stirn entgegen Horns Laufrichtung zum 1:0 ins Netz (43.). Es war das erste Tor des Bosniers im Trikot von Hertha BSC. Sein letzter Treffer in der Bundesliga datierte vom 29. Januar 2014. ­

Halbzeit zwei begann wie die erste: mit Aufregern. Erst scheiterte Ibisevic an dem fulminanten Horn (49.). Dann hatte Hertha Glück, als Stark aus kurzer Distanz der Ball an die Hand geschossen wurde (52.). Es gibt Schiedsrichter, die da schon mal auf Strafstoß entschieden haben. Meyer tat es nicht.

In Stuttgart hatten sie Ibisevic nicht mehr haben wollen. Wenn man den Angreifer sah, fragte man sich: warum? Geschmeidig wie ein Jungtier schlängelte sich der langsam graumelierte Stürmer durch den Kölner Strafraum, aber Valentin Stocker drosch seine Hereingabe in den Abendhimmel (56.).

Doch Hertha verpasste es mal wieder, das zweite Tor zu machen. So trat neben Ibisevic und Jarstein der dritte Gewinner des Abends in Erscheinung: Mitchell Weiser, einst beim FC ausgebildet und 2012 als 17-jähriger Bundesligadebütant für die Kölner, machte als Rechtsverteidiger nach vorn nicht nur vieles richtig. Er rettete auch den Sieg, als er hinten den Kopfball des eingewechselten Yannick Gerhardt von der Torlinie fischte (64.).

Hertha überstand auch die Schlussphase. Als Schiedsrichter Meyer schon abpfeifen wollte, tauchte Ibisevic allein vor dem Kölner Tor auf und schob eiskalt zum 2:0-Endstand ein (90.+4). „Es ist ein super Gefühl und eine große Erleichterung. Wenn man in eine neue Mannschaft kommt, will man schnell treffen“, sagte Ibisevic.

Am Sonntag geht es für die Berliner zu Eintracht Frankfurt. Am Main soll es einen schönen Zoo geben.