Bundesliga

Lustiger Debütantenball bei Hertha

Hertha hat den ersten Heimsieg in der laufenden Saison erzielt. Neben dem Kapitän glänzten dabei auch drei neue Spieler.

Hertha gefestigt: Genki Haraguchi (M.) traf zum 1:0

Hertha gefestigt: Genki Haraguchi (M.) traf zum 1:0

Foto: Thomas Eisenhuth / dpa

Fabian Lustenberger ist nicht der kräftigste Bursche. Aber wenn man soeben gewonnen hat, und für diesen Sieg auch noch die Hauptverantwortung trägt, dann kann einem schon mal die Brust schwellen. Und so stand Lustenberger nach Herthas schwer erkämpften 2:1 (2:1) gegen den VfB Stuttgart oberkörperfrei in der Sonne vor der Ostkurve im Olympiastadion, nur noch die Kapitänsbinde an seinem Arm, und sprang. Vor ihm sprangen auch die Anhänger in der Fankurve voller Glück, während am anderen Ende des Platzes die Fans des VfB vor Wut mit Gegenständen nach ihrem Team schmissen.

Die unterschiedliche Gefühlslage auf beiden Seiten ist schnell erklärt: Während die Schwaben die vierte Pleite im vierten Saisonspiel verkraften mussten, fühlte sich für die Herthaner alles wunderbar neu an. Durch den ersten Heimsieg seit Anfang April schiebt sich das Team von Trainer Pal Dardai mit nun sieben Punkten aus vier Spielen auf Tabellenplatz fünf. Wann gab es das schon mal? Und dann war da ja auch noch Lustenberger. Auch hier fragten sich die 45.994 Zuschauer, wann es das eigentlich zuletzt gegeben hatte: Nachdem Genki Haraguchi für Hertha (14. Minute) und Toni Sunjic (36.) für Stuttgart getroffen hatten, markierte der Schweizer den Siegtreffer für die Berliner (45.+3.). Lustenberger traf den Ball nach einer Ecke aus 18 Metern volley so kräftig, dass er unaufhaltsam ins Toreck flog.

Lustenberger gelingt erstes Tor seit sieben Jahren

„Das ist schön für Lusti“, sagte Lustenbergers Nebenmann in der Verteidigung, Sebastian Langkamp. „Aber er weiß selbst, dass er so einen sehenswerten Treffer wohl nicht noch einmal schießen wird.“ Lustenberger hörte das und grinste: „Ich schieße vielleicht selten Tore, aber wenn, dann werden die wohl zum Tor der Hinrunde gewählt.“ Lustenbergers letztes Bundesligator liegt fast sieben Jahre zurück. Im Dezember 2008 traf er ebenfalls sehenswert beim 4:0 gegen den Karlsruher SC. Sein Treffer wurde damals von den Hertha-Fans zum schönsten der Hinrunde 2008/09 gewählt. Damals trug Lustenberger noch lange, blonde Locken, Dardai pflügte noch durchs Hertha-Mittelfeld und Langkamp saß beim Gegner auf der Ersatzbank. 2464 Tage später sagte Lustenberger nun: „Ich glaube, mir machen Tore noch mehr Spaß als anderen Spielern, weil ich so selten treffe.“

Trotz des Sieges gab es dennoch Grund zum Ärger für Dardai. Seine Mannschaft hatte sich zuletzt ja eigentlich entwicklungsfähig gezeigt, aber bei einer Sache macht sie einfach keine Fortschritte: im Verteidigen von Standardsituationen. Schon beim 1:3 gegen Dortmund vor der Länderspielpause brachte sie eine Schläfrigkeit nach einem ruhenden Ball auf die Verliererstraße. Und auch diesmal entpuppte sich das als Achillesferse: Daniel Didavi hob einen Freistoß in den Berliner Strafraum, Sunjic, vom VfB gerade erst verpflichtet, wunderte sich, warum ihn sein Gegenspieler Lustenberger so frei stehen ließ, und köpfte das 1:1 (36.).

„Das war meine Schuld. Ich habe da auf Abseits spekuliert“, gab Lustenberger später zu. Dardai aber erkannte darin ein grundsätzliches Problem. „Das ist eine Krankheit, die noch von der letzten Saison kommen muss. Nach der Führung haben wir keinen Fußball mehr gespielt, sondern nur noch verteidigt und die Bälle weggeschlagen“, sagte der Ungar.

Zugang Ibisevic hilft beim Siegtreffer mit

Ansonsten aber war Dardai zufrieden. Der 39-Jährige hatte sich entschieden, für den verletzten Peter Pekarik Zugang Mitchell Weiser zu bringen. Und der 21-Jährige machte seine Sache bei seinem ersten Startelfeinsatz gut. Das Führungstor von Haraguchi leitete der Ex-Münchner ein. Seinen Pass in den VfB-Strafraum nahm der Japaner an, wackelte seinen Gegenspieler mit einem Hüftschwung aus und schob Tormann Odisseas Vlachodimos den Ball lässig zum 1:0 durch die Hosenträger (14.). Erstes Saisontor für Haraguchi, erste Vorlage für Weiser im Hertha-Trikot.

Ein zweites Debüt durfte der Ex-Stuttgarter Vedad Ibisevic feiern. Kurz vor der Pause nahm Dardai Roy Beerens vom Feld, der ein wenig angeschlagen war, „aber auch einen schlechten Tag erwischte“, wie Dardai sagte. Ibisevic, den der VfB im Endspurt der letzten Transferperiode so sehr loswerden wollte, dass die Schwaben auch noch eine Abfindung von knapp drei Millionen zahlten, ist mit 31 zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch ein Strafraumschlawiner. Und weil der Fußball zu kitschigen Geschichten neigt, erwarteten viele im Stadion, dass sich der Bosnier an seinem Ex-Klub rächen würde. Das Schlaglicht lag auf ihm, als sich Lustenberger bei einer Ecke nach vorn schlich. Dann zappelte der Ball im Netz.

Es ist nicht so, dass Hertha die alles dominierende Mannschaft war. Vor der Führung hätte Martin Harnik auch zweimal für den VfB treffen können. Und auch später verpasste der eingewechselte Alexandru Maxim nur um Zentimeter den Ausgleich (70.). Dardai brachte mit Niklas Stark einen weiteren Defensivspieler. Es war sein Debüt für Hertha. Aber auch die letzten spannenden Sekunden überstanden die Berliner und können nun von sich behaupten, mit zwei Siegen und einem Remis vernünftig in die Saison gestartet zu sein.

Das Spiel im Minuten-Protokoll:

Neuzugang Ibisevic (r.) erstmals als Herthaner im Einsatz

Neuzugang Ibisevic (r.) erstmals als Herthaner im Einsatz

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images