Hertha BSC

Haraguchi verdrängt Champions-League-Sieger Kalou

Warum Hertha-Trainer Pal Dardai gegen Dortmund auf den Champions-League-Sieger verzichtet und stattdessen lieber auf den schnellen Japaner setzt.

Genki Haraguchi, 24, hat in bislang 23 Liga-Einsätzen für Hertha ein Tor erzielt und ein weiteres vorbereitet

Genki Haraguchi, 24, hat in bislang 23 Liga-Einsätzen für Hertha ein Tor erzielt und ein weiteres vorbereitet

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Berlin. Auf dem Papier scheint die Idee gewagt, vielleicht sogar aberwitzig. Vom Namen und Prestige ist es eine Frage, die sich nicht stellt. Was hat ein japanischer Spieler, der in 23 Bundesliga-Einsätzen einen Treffer erzielt hat, was Salomon Kalou nicht hat?

Kalou der Titelsammler, in dessen Vita die englische Meisterschaft von 2010 steht, dazu fünf Pokalsiege mit dem FC Chelsea, der Champions-League-Sieg 2012, 80 Länderspiele für die Elfenbeinküste samt Sieg beim Afrika-Cup 2015.

Am Sonntag spielt Hertha BSC bei der derzeit besten deutschen Mannschaft vor, Borussia Dortmund. Der Tabellenführer der Bundesliga hat zuvor noch am heutigen Donnerstag die Hürde Odds BK zu meistern (20.30 Uhr, ARD). Nach dem 4:3 in Norwegen im Hinspiel wäre alles andere als der Einzug des BVB in die Gruppenphase der Europa League eine Sensation.

Dardai setzt auf Geschwindigkeit

Hertha-Trainer Pal Dardai grübelt, was die Berliner der schwarz-gelben Offensivpower, den pfeilschnellen Angreifern Aubameyang und Reus, Mkhitaryan und Kagawa entgegensetzen kann. Die Antwort heißt: Speed.

„Wir müssen gegen Dortmund alles umsetzen, was wir an Geschwindigkeit aufbringen können“, sagt Dardai. Er habe nichts auszusetzen an den bisherigen Leistungen von Kalou, 30. Immerhin hat der ­Torjäger im DFB-Pokal bei Arminia Bielefeld den Führungstreffer erzielt (Endstand 2:0) und den Sieg im ersten Bundesliga-Spiel beim FC Augsburg per ­Elfmeter gesichert.

Obwohl Kalou zum ersten Mal die komplette Saisonvorbereitung bei Hertha absolviert hat und er konditionell in guter Verfassung ist, sind seine Mängel in Dynamik und Geschwindigkeit nach wie vor nicht zu übersehen.

Druck auf den ballführenden Gegner

Dardai geht es nicht nur um mehr Gefährlichkeit im Vorwärtsgang. Gerade gegen einen offensivstarken Gegner wie Borussia ­Dortmund ist der vorderste Angreifer bei Ballverlust auch sogleich der erste Verteidiger.

Hier kommt Genki Haraguchi, 24, ins Spiel. Dardai schwärmte bereits zum Ende der Vorbereitung davon, wie energisch der Japaner die gegnerischen Verteidiger anläuft. Aufgrund seiner Antrittsschnelligkeit übt er sofort erheblichen Druck auf den ballführende Manndecker aus.

Dardai erklärte mit Blick auf die Position des zentralen Stürmers in Dortmund: „Genki ist eine Variante mit seiner Schnelligkeit. Und wir müssen gegen Dortmund in diesem Bereich alles nutzen, was wir haben.“

Bursaspor leiht Hosogai aus

Bei den vielen gut trainierten und taktisch gut ausgebildeten Mannschaften, die sich heutzutage in der Bundes­liga gegenüberstehen, ist Geschwindigkeit ein wesentlicher Schlüssel, um drei, vier Sekunden Verwirrung zu stiften, die es braucht, um eine gegnerische Formation auszuhebeln und im ­Idealfall einen eigenen Spieler im ­Strafraum zum ­Abschluss zu bringen.

Grundsätzlich werden Stürmer an Toren gemessen. Da ist die Bilanz von Haraguchi mit einem Tor und einem Assist aus der Vorsaison – in diesem Jahr steht bei ihm in beiden Kategorien noch die Null – natürlich ausbaufähig. Der Fokus der Berliner liegt am Sonntag ausnahmsweise darauf, nicht unterzugehen. „Und wenn es ein ganz hässliches 0:0 wird: Unser Ziel ist es, einen Punkt mitzunehmen“, sagte Trainer Dardai.

Einer wird Hertha dabei nicht mehr helfen. Hajime Hosogai, 29, wird ab sofort für ein Jahr an Bursaspor SK ausgeliehen. Wie Hertha BSC der Morgenpost bestätigte, hat der türkische Erstligist auch eine Kaufoption für den japanischen Nationalspieler, dessen Vertrag in Berlin noch bis Juni 2017 datiert ist.