Transfer

Sandro Wagners Leidenszeit bei Hertha ist bald vorbei

Der Stürmer verlässt Hertha – englische Klubs und zwei Bundesligisten haben Interesse bekundet. Ein Beigeschmack bleibt jedoch.

Sandro Wagner, 27, absolvierte in den vergangenen drei Jahren 71 Spiele für Hertha und erzielte sieben Tore

Sandro Wagner, 27, absolvierte in den vergangenen drei Jahren 71 Spiele für Hertha und erzielte sieben Tore

Foto: Fotostand / Bansemer / picture alliance / Fotostand

Berlin. Normalerweise ist es so, dass Sandro Wagner von den Hertha-Anhängern eher belächelt wird. Fair war das nie gegenüber dem meist ziemlich ­engagierten, jedoch auch oft ziemlich glücklosen Angreifer. Aber was will man machen? Am Donnerstag allerdings ­wandelte sich die Häme in Mitleid.

Da musste der 27-Jährige beim Training einsam auf ein leeres Tor schießen, während sein Team nebenan für das Pokal-Spiel in Bielefeld am Montag übte. Traurig sah das aus.

Nicht einmal einen der vier Torhüter bekam Wagner als Spielkameraden gestellt. Nur ein aufblasbares Männchen leistete dem U21-Europameister von 2009 Gesellschaft und wiegte sich im Wind. Nach einer Weile hatte Wagner die Nase voll.

Ungelenker Umgang mit dem Personal

Herthas Trainer Pal Dardai will den Angreifer (71 Spiele, sieben Tore seit 2012), nicht mehr haben. Schon seit dem Trainingslager in Österreich war Wagner (Vertrag bis 2016) aussortiert. Danach konnte er zumindest mit Peter Niemeyer, dem zweiten Ungewollten, eine Trainingsgruppe bilden.

Der aber ist nun nach Darmstadt gewechselt, und Wagner muss allein trainieren. Ein User bei Immerhertha, dem Blog der Morgenpost, schrieb von einem „empörenden, beleidigenden“ Umgang mit Wagner. Ein anderer stellte gar fest: „Diese unwürdige Maßnahme entspricht nicht meinem Menschenbild.“

Sportlich ist die Entscheidung gegen Wagner sicher nachvollziehbar, Herthas ungelenker Umgang mit der Personalie allerdings auch höchst fragwürdig. Wagner selbst lächelt und schweigt dazu. Er weiß, dass das alles bald für ihn vorbei sein wird.

Auch Offerten aus England

„Uns liegen mehrere, sehr gute Angebote vor“, sagte Wagners Berater Nader Rayan der Morgenpost. Eine Entscheidung stehe kurz bevor: „Es fehlt nur noch der letzte Handschlag“, so Rayan. „Die Art und Weise, wie Hertha mit Herrn Wagner umgeht, ist nicht korrekt, aber wir werden eine Lösung finden.“

Rayan wird von Jörg Neubauer unterstützt, der bereits bei seinen Klienten Maik Franz und Peer Kluge Erfahrung in ähnlichen Fälle mit Hertha hat. Mit beiden ging es vor Gericht.

Bei Wagner soll es nicht dazu kommen. Ihm liegen Offerten aus England und der Zweiten Liga vor. Aber es ist eher wahrscheinlich, dass er in der Bundesliga bleiben wird. Ein Interesse vom Aufsteiger Darmstadt ist kolportiert. Aber es gibt noch einen weiteren, interessierten Bundesligisten. Und der liegt offenbar im Moment vorn.