Trainings-Comeback

Tolga Cigerci ist Herthas geduldiger Patient

Nach langer Verletzung darf Tolga Cigerci wieder Fußball spielen. Noch ist von ihm aber Geduld gefragt - genauso wie von zwei seiner Kollegen

Tolga Cigerci, 23, absolvierte für Hertha in der vergangenen Spielzeit nur zwei Kurzeinsätze

Tolga Cigerci, 23, absolvierte für Hertha in der vergangenen Spielzeit nur zwei Kurzeinsätze

Foto: SCHROEER/CITYPRESS24 / picture alliance / CITYPRESS 24

Berlin. Hertha BSC läuft die Zeit davon. Das gilt für den Berliner Fußball-Bundesligisten im Allgemeinen, schließlich sind es bis zum Erstrundenspiel im DFB-Pokal bei Arminia Bielefeld am Montag (18.30 Uhr) nur noch fünf Tage. Zum anderen forciert Trainer Pal Dardai aber auch im Speziellen das Tempo.

Bei einer Angriffsübung platzierte der Trainer am Mittwoch eine große Digitalanzeige neben dem Tor. Zehn Sekunden leuchteten darauf auf, genau die Zeit, in der die Hertha-Profis von der Mittellinie bis zum Abschluss kommen mussten. Begleitet von einem unangenehmen Signalton tickte die Uhr gnadenlos runter.

Das Kribbeln kehrt zurück

Beflügelt hat dieses neue Instrument die Hertha-Profis allerdings nicht. Die Torausbeute gestaltete sich derart desolat, dass Co-Trainer Rainer Widmayer sein schwäbisches Temperament zügeln musste. „Das kann es doch nicht sein“, schimpfte er nach dem x-ten erfolglosen Angriff, „das ist nicht unser Anspruch!“

Auch Dardai schien die oft schlampig vorgetragenen Spielzüge nur schwer ertragen zu können. „Männer, ihr müsst gieriger sein“, forderte er mit flehender Geste. Vor allem die Zupiele des zentralen Angreifers auf die Flügelspieler passten dem Ungarn nicht. „Die Tiefe des Passes entscheidet, ob Tor oder nicht“, betonte Dardai.

Immerhin: Einer, der in der Lage ist, solch entscheidende Pässe zu spielen, trainiert seit Dienstag wieder mit der Mannschaft: Tolga Cigerci. Nach einem Ermüdungsbruch im rechten Fuß hatte der 23 Jahre alte Mittelfeld-Allrounder in der Vorbereitung nur mit Fitness-Coach Hendrik Vieth gearbeitet. Nun darf er endlich wieder Fußball spielen.

Bloß nichts überstürzen

„Das tut gut“, sagt Cigerci. „Es ist schön, wieder dabei zu sein. Langsam kribbelt es richtig.” Die Erleichterung des Deutsch-Türken ist verständlich. Wegen einer komplizierten Zehenverletzung verpasste er fast die gesamte Saison 2014/15. Seine kurzzeitige Rückkehr am 24. und 25. Spieltag fand durch den Ermüdungsbruch ein abruptes Ende. Wieder pausieren, wieder Reha, wieder Frust.

Er wolle sich keinen Druck machen, sagt Cigerci. Mit Angaben zu seinem Fitnesszustand hält er sich deshalb genauso zurück wie mit Prognosen zu einem Comeback-Termin. Illusionen macht er sich nicht.

„Vielleicht werde ich nie wieder richtig schmerzfrei sein“, sagt er. Das Vertrauen in den eigenen Körper, es muss erst wieder wachsen. Anders als bei seiner letzten Rückkehr will er nichts überstürzen.

Auch Allagui und Weiser brauchen noch Geduld

Dass Hertha die Personalie Cigerci entspannter denn je verfolgt, liegt auch an Vladimir Darida. Der Zugang gilt auf der Schlüsselposition Acht als Problemlöser. Cigerci indes braucht mehr als ein Jahr nach seiner Zehenverletzung vor allem eines: Zeit.

Sehnsüchtiger vermisst werden momentan Sami Allagui (Kreuzbandzerrung) und Mitchell Weiser (Innenbanddehnung). Ohne das Duo fehlt es Dardai im Sturm und auf den Außenbahnen an Alternativen.

Auch wenn die Heilungen gut verlaufen: Der Saisonstart kommt für beide zu früh, und weitere Zugänge sind nicht in Sicht. Je eher sie auf den Platz zurückkehren, desto besser. Es bleibt dabei. Die Zeit drängt.