Bundesliga-Vorbereitung

Hertha BSC patzt bei der Generalprobe gegen Genua

Vor rund 6000 Zuschauern im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg verliert Hertha BSC gegen Genua mit 0:2 (0:1).

Goran Pandev von CFC Genua kontrolliert den Ball gegen Nico Schulz von Hertha BSC

Goran Pandev von CFC Genua kontrolliert den Ball gegen Nico Schulz von Hertha BSC

Foto: Florian Pohl / City-Press GbR

In dieser Form wird Hertha BSC Mühe haben, in der Fußball-Bundesliga zu bestehen. Die Mannschaft von Trainer Pal Dardai verlor die Generalprobe gegen CFC Genua 1893 mit 0:2 (0:1). Im Jahnsportpark erlebten 5823 Zuschauer, was der Hauptstadt-Klub derzeit leisten kann – und wo es bei den Berlinern hapert.

Die Gäste hatten drei hochkarätige Chancen. Gleich nach sechs Minuten stand Diego Laxalt Suarez im Hertha-Strafraum völlig frei, hatte Zeit, sich den Ball einen Schritt vorzulegen und dann mit Wucht unten rechts im Hertha-Tor unterzubringen, 0:1, Torwart Thomas Kraft war ohne Chance. Dann bestimmten die Hausherren über weite Strecken die Partie. Doch am Ende drehte Genua zweimal auf: Vorbei an den Herthanern John Brooks und Peter Pekarik wurde Genuas Darko Lazovic freigespielt, er schob den Ball vorbei an Torwart Kraft, 0:2 (79.). Dann war Hertha sogar noch im Glück, ein 20-Meter -Schuss von Olivier Ntcham klatschte lediglich an das Lattenkreuz des Berliner Tores (85.).

„Was wir uns abschauen können, ist die Cleverness bei den Italienern: drei Chancen, zwei Tore“, sagte Herthas Innenverteidiger Sebastian Langkamp. Zwischen den Gegentoren bestimmte Hertha das Geschehen. Langkamp stand sicher und vorn mühte sich Herthas Bester, Jens Hegeler. Der Mittelfeldspieler hat sich nach der enttäuschenden Vorsaison viel vorgenommen. Er leitete mehrfach gefährliche Angriffe ein und versuchte sich auch aus der Distanz. Ein 16-Meter-Schuss vor der Pause wurde von den Abwehr geblockt (30.). Nach 56 Minuten parierte Genuas Torwart Eugenio Lamannna einen Gewaltschuss von Hegeler mit Mühe, aber Salomon Kalou brachte den Abpraller selbst aus Nahdistanz nicht im Gäste-Tor unter.

Überhaupt Kalou: Der Ivorer ist weiterhin weit von seiner Topform entfernt. Es mangelt am Spielverständnis, und dann kommt auch noch Pech dazu. Doch seine Konkurrenten Sami Allagui und Julian Schieber werden noch Wochen verletzungsbedingt fehlen. Im zweiten Durchgang sorgte der eingewechselte Nico Schulz für Schwung, spielte Kalou frei, dessen Vorlage am Ende auch Valentin Stocker aus drei Metern nicht über die Torlinie brachte (53.).

Durchschlagskraft fehlt

Ob Stocker oder Beerens oder Haraguchi, alle mühen sich, aber allen fehlt derzeit die Durchschlagskraft. Das kann man mit dem Stand der Müdigkeit nach acht Wochen intensiver Vorbereitung erklären. Wahrscheinlich liegt aber hier das grundlegende Problem auch des Hertha-Jahrganges 2015/16. Die mangelnde Torgefahr hat die Mannschaft bereits durch das gesamte Jahr 2015 begleitet.

Vom Trainer wurde nach dem Spiel eine Analyse erwartet. Der musste aber gleichzeitig an die kommenden Pflichtspiele denken: Als erste Partie steht das DFB-Pokalspiel an bei Zweitligist Arminia Bielefeld am Montag, den 10. August. Die erste Ligapartie bestreitet Hertha beim FC Augsburg (15. August). In dem Wissen, dass seine Mannschaft auch Zuspruch und Zuversicht braucht, fielen die Ausführungen von Dardai moderat aus. „Ich habe gesehen, was ich sehen wollte. Die Mannschaft hatte einen guten Ballbesitz, es gab Passsicherheit, es war ein gutes Spiel – bis 30 Meter vor dem gegnerischen Tor.“

Natürlich war auch dem Trainer nicht die mangelhafte Chancenverwertung entgangen. „Was soll ich machen. Der eine ist vom Pech verfolgt“, hier meinte er Salomon Kalou, „und vor dem Tor braucht man auch etwas Glück. Ich kann es nicht selbst machen. Ich bin kein Zauberer.“

Baumjohann braucht noch Zeit

Sebastian Langkamp fand den Spielaufbau auch in Ordnung. Die Mannschaft habe sich weiterentwickelt und das gezeigt, woran in den vergangenen Wochen im Training gearbeitet worden war. „Aber vor dem Tor müssen wir zulegen, das ist zu wenig“, sagte Langkamp. „Da müssen wir energischer spielen, mehr Gier entwickeln, das Tor unbedingt machen zu wollen.“

Ebenfalls noch weiter weg von seiner Form, als er selbst sich das gewünscht hat, ist Alexander Baumjohann. Für den Mittelfeldspieler ist es nach zwei Kreuzbandrissen und zwei Jahren ohne Profifußball ein langer Weg zurück. Die Italiener wussten nichts über seine Vorgeschichte und langten auch bei Baumjohann mal rüde zu. „Das sind Situationen, die Alex jetzt braucht, so etwas kommt im Spiel mal vor“, sagte Trainer Dardai. „Wenn er solche Aktionen ohne Probleme wegstecken kann, dann ist er auf dem richtigen Weg.“

Die Partie im Minutenprotokoll