Bundesliga

Jung-Trainer Pal Dardai wandelt auf den Spuren von Klötzer und Röber

Hertha hat das Momentum unter Pal Dardai und ist seit sieben Spielen ungeschlagen. Das gab es zuletzt 2006. Damit hat sich der junge Coach bereits nach zehn Wochen in das Hertha-Geschichtsbuch eingeschrieben

Foto: Streubel / Bongarts/Getty Images

Tausende Schweißperlen glitzerten auf der Stirn von Pal Dardai. Der Trainer von Hertha hatte die 70-minütige Einheit mit den Reservisten voll mitgemacht. 39 Jahre ist Dardai jung, ein Neuling im Trainer-Geschäft – aber die grundlegenden Essentials der Branche hat er längst verinnerlicht. Etwa den Tunnelblick, der besagt, dass das Glas nie halbleer, sondern immer halbvoll ist. So lässt sich mit guten Argumenten kritisieren, dass das 0:0 von Hertha BSC gegen den 1. FC Köln ein blutleeres, schwaches Bundesliga-Spiel gewesen ist. Dardai sagt: „Ja, dieses Unentschieden tut weh. Wir haben die ganze Woche darauf trainiert zu gewinnen. Aber wir haben das nicht hinbekommen.“

Gleichzeitig verweist Dardai darauf, dass er ganz froh sei, dass jetzt nicht einfach das nächste Spiel gewonnen wurde. „Dann wäre die Spannung raus. So weiß jeder für die letzten fünf Partien, dass wir die volle Konzentration brauchen.“

Falko Götz stellt die Rekordserie

So unansehnlich die Vorstellung vor 51.203 Zuschauern im Olympiastadion war, so ist trotzdem richtig, dass Dardai sich mit Hertha auf leisen Sohlen in die blau-weiße Historie einschreibt. Nach dem Remis gegen Köln ist Hertha seit mittlerweile sieben Spielen ungeschlagen (drei Siege, vier Unentschieden). Eine Serie, mit der sich Dardai in Herthas Bundesliga-Geschichtsbuch mal eben auf Platz fünf katapultiert.

Neun Jahre liegt es zurück, dass Hertha 2005/06 unter Falko Götz einen solchen Lauf hatte. Götz hat auch die Rekord-Serie zu verantworten (elf Spiele ohne Niederlage vom 30. Oktober 2004 bis 12. Februar 2005). Vor Dardai liegen Kuno Klötzer (neun Spiele ohne Niederlage in 1977/78) sowie Jürgen Röber (neun Spiele in 2001/02 sowie acht Spiele in 1998/99).

Rüffel für Kalou

Keine schlechte Bilanz für einen Trainer-Neuling, Dardai hat den Job Anfang Februar von Jos Luhukay übernommen. Zu diesem Thema hat Dardai hat zwei Antworten: „Wir müssen uns erinnern, wo wir herkommen. Ich habe die Mannschaft auf Platz 17 übernommen.“ Er erinnere sich noch an die vergangenen Serien unter Röber und Götz, wo er selbst als Profi dabei war. Ob Marko Pantelic, Marcelinho oder Michael Preetz, „damals hatten wir mehr Torgefahr in der Mannschaft.“ Und fügt gleich einen Rüffel für Salomon Kalou an. Der Stürmer hat in diesem Jahr erst einen Treffer erzielt und wirkt seit Wochen, als sei er nicht wirklich fit. Gegen Köln blieb Kalou einmal mehr blass.

Dardai sagte: „Uns fehlt es an der letzten offensiven Aggressivität. Salomon hat mein Vertrauen. Er arbeitet für die Mannschaft, aber er muss sich steigern.“ Manager Michael Preetz geht in die gleiche Richtung. „Wenn du nicht gewinnen kannst, ist es wichtig, wenigstens nicht zu verlieren. Das ist der Mannschaft gelungen. Aber nach vorne fehlt uns der letzte Punch.“

Manager Preetz lobt die Entwicklung

Hertha hat seit Ende Februar, dem 1:0 gegen Augsburg, das Momentum auf seiner Seite. Der Trainer sieht sich jedoch weniger in der Nachfolge irgendwelcher Rekordjäger. „Mich erinnert die Situation an den Winter 2003, als Hans Meyer die Mannschaft übernommen hat. Die Lage war kritisch. Am Ende hat es aber mit dem Klassenerhalt geklappt.“ Der Unterschied im laufenden Spieljahr sei, dass Hertha die Schlüsselpartien gegen Konkurrenten im Überlebenskampf, gegen den Hamburger SV (1:0) und den SC Paderborn (2:0), gewonnen hat.

Manager Preetz macht die Entwicklung am neuen Trainer fest. „Die Mannschaft hat eine gute Entwicklung genommen. Sie spielt von Spiel zu Spiel besser. Das ist Ausdruck der wieder gewonnenen Stabilität in der Defensive.“

Dardai hält intern die Spannung hoch

Unter Luhukay hatte Hertha im Schnitt zwei Gegentore pro Partie kassiert. Unter Dardai ist dieser Schnitt auf bemerkenswerte 0,7 Gegentore gesunken. Wenn man weniger Treffer kassiert, nimmt das Selbstbewusstsein zu, so Preetz: „Dann hat man auch im Spiel nach vorn mehr Leichtigkeit.“ Wichtiger ist noch der Punkteschnitt: Unter Luhukay kam Hertha auf klassenerhaltsgefährdende 0,95 Zähler pro Partie, unter Dardai ist dieser Wert (nach mittlerweile zehn Begegnungen) auf beruhigende 1,6 Zähler gestiegen. Nachdem an diesem Spieltag alle Konkurrenten ihre Spiele verloren haben, rangiert Hertha inzwischen sieben Punkte vor den Abstiegsrängen.

Dennoch bleibt Dardai dabei bei fünf noch ausstehenden Begegnungen in dieser Saison, die Spannung intern hoch zu halten. „Wir sind nach wie vor in der Zone, in der es schwierig ist.“

Prüfstein FC Bayern

Was die bisherige Serie wert ist – bei Hertha stand in fünf der sieben Spiele hinten jeweils die Null – werde sich am kommenden Sonnabend zeigen. „Ob unser Defensivkonzept gut ist, können wir gegen den FC Bayern überprüfen. Die haben eine offensivstarke Mannschaft“, sagte Dardai.

Anders als sein Vorgänger Luhukay, der einen zumeist kritischen Umgang mit seinen Spielern gepflegt hat, formuliert Dardai regelmäßig sein Vertrauen, dass er in seine Männer hat. „So, wie die Mannschaft hier seit Wochen arbeitet und spielt, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir jetzt vier oder fünf Mal verlieren werden.“