Hertha

Spiel in Hannover ist Herthas erster Matchball für die Zukunft

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Jörn Lange

Foto: Malte Christians / dpa

Bleibt Hertha BSC erstklassig? Bleibt Pal Dardai Trainer? Wird bald ein neuer Hauptsponsor gefunden? Viele Fragen, deren Beantwortung mit einem Sieg der Berliner in Hannover näher rücken würde.

Sicherheit ist ein großes Wort. Bei Hertha BSC will es momentan niemandem über die Lippen kommen, auch wenn inzwischen längst nicht nur blau-weiße Optimisten propagieren, dass der Klassenerhalt für den Berliner Fußball-Bundesligisten kein Ritt auf der Rasierklinge mehr ist, sondern eben: sicher.

Dardai: Vier Punkte fehlen

Pal Dardai hält von dieser Interpretation wenig. „Ich bin kein Träumer“, sagte der Hertha-Coach am Mittwoch, „aus meiner Sicht fehlen mindestens noch vier Punkte.“ So konkret hatte der Ungar seine Klassenerhalts-Arithmetik bislang noch nicht dargelegt. Folgt man seiner Rechenart, wäre ein Sieg am Freitag (20.30 Uhr) in Hannover ein satter Golf-Abschlag aufs Grün, bei dem der Ball erst kurz vor seinem Ziel zum Stehen kommt. Hertha müsste nur noch einlochen. Anders ausgedrückt: Die Berliner haben einen Matchball für die Zukunft.

Allerspätestens, wenn das Punktekonto von den aktuell 32 auf 36 Zähler gewachsen ist, werden auch die Hertha-Verantwortlichen das „S-Wort“ in den Mund nehmen, und ein „Planungs-“ davorsetzen. Diese Planungssicherheit so schnell wie möglich zu erreichen, wäre wichtig. Denn: Handlungsbedarf gibt es reichlich.

Noch wird ein Nachfolger der Deutschen Bahn gesucht

„Man hat gesehen, dass nicht alles perfekt ist“, sagte Mittelfeldspieler Valentin Stocker nach dem 2:0 gegen Paderborn. Eine Aussage, die auf mehr zutrifft als die sportliche Qualität. Baustellen gibt es viele. Die wichtigste ist die Besetzung des Cheftrainer-Postens. Michael Preetz bezeichnete Dardais Vorgänger Jos Luhukay einmal als „den richtigen Trainer für Hertha“. Ob Dardai der „noch richtigere“ sei, wurde der Manager am Mittwoch gefragt. Die knappe Antwort: „Ja, alles passt.“ Dardai selbst bewertet die Situation gewohnt pragmatisch. Wenn das Team gut spiele, sagt der 39-Jährige, komme der Vertrag von allein; wenn nicht, dann nicht. Letzteres ist angesichts der jüngsten Erfolgsserie schwer vorstellbar.

Eine andere Verpflichtung scheint deutlich weiter entfernt: die eines neuen Hauptsponsors. Die Deutsche Bahn möchte ihr Logo in der kommenden Spielzeit nicht mehr auf das Trikot der Berliner drucken. Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller und Vermarkter Sportfive fahnden bereits seit Januar nach einem Nachfolger. Der soll deutlich mehr in die Kassen spülen als die jährlich rund vier Millionen Euro, die der Kontrakt mit der Bahn einbrachte. Die Hoffnung fußt dabei zwar nicht allein auf der Attraktivität des Vereins, sondern auch auf der steigenden Popularität der Liga. Aber: Ein gelungener Saisonendspurt würde den Sexappeal der „Alten Dame“ für Sponsoren erhöhen. „Die Wahrnehmung ist maßgeblich durch den sportlichen Erfolg geprägt“, sagt Schiller. „Dass wir momentan Erfolgserlebnisse erzielen, hilft uns.“ Noch aber steht kein Abschluss bevor. Frühestens im Mai, eher aber im Juni oder Juli will Schiller Vollzug melden.

Im Kreativzentrum klafft eine riesige Lücke

Die Ausgangslage, sagt Preetz, habe sich in den vergangenen Wochen „dramatisch verbessert“. Trotzdem dürfte die Saison 2014/15 unter dem Stichwort „durchwachsen“ abgeheftet werden. Minimalziel erreicht. Mehr aber auch nicht. Der Manager steht vor der Aufgabe, einen Kader zusammenzustellen, der mehr zu leisten vermag als das wenig ansehnliche Gekicke der jüngsten Vergangenheit.

Das Kreativ-Vakuum ist unübersehbar. Ronny hat die Frage nach seiner Bundesligatauglichkeit mit schwachen Leistungen beantwortet – die übrigen Kandidaten, die dem Angriffsspiel einen Hauch von Glanz verleihen könnten, gelten als verletzungsanfällig. Alexander Baumjohann (Kreuzbandriss) hat die komplette Saison verpasst. Änis Ben-Hatira (Muskelfaserriss) wird seiner Einsatzbilanz von 14 Spielen kaum weitere hinzufügen. Und das Comeback von Tolga Cigerci (gebrochener Fuß) war beendet, ehe es richtig begonnen hatte.

Ndjeng steht in Hannover als Beerens-Ersatz bereit

Der einzige Vertrag, der im Sommer ausläuft, ist der von Marcel Ndjeng. Preetz steht der Personalie offen gegenüber. Wenn der 32-Jährige Allrounder jenseits der 20 Einsätze-Marke landet, würde sich sein Arbeitspapier allerdings automatisch um ein Jahr verlängern. Sieben Spieltage vor Saisonende steht er bei deren 14. Gegen Hannover könnte er Rechtsaußen Roy Beerens vertreten. Wegen einer Lendenwirbelblockade ist der Einsatz des Niederländers derzeit: nicht sicher. Wie so vieles bei Hertha.