Bundesliga

Ruhe für Hertha dank ruhender Bälle von Marvin Plattenhardt

Der Linksverteidiger Marvin Plattenhart hat sich bei Hertha zum Stammspieler und Freistoß-Experten gemausert. Nun ist er wichtig, weil die Berliner im Abstiegskampf verstärkt auf Standards setzen.

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Fußball ist manchmal eine einfache Sache. Ball nehmen, draufhauen, Tor. Danke. Tschüss. So beschrieb es jedenfalls Marvin Plattenhardt. Herthas Linksverteidiger bereitete beim Sieg gegen Paderborn (2:0), der die Berliner nah heran an den Klassenerhalt bugsierte, das Tor zur Führung per Freistoß vor. Er habe sich „die Murmel geschnappt und einfach mal draufgeschossen“, sagte er. Der Ball knallte an die Latte und zu Valentin Stocker. Tor. Danke. Tschüss.

Aber Fußball kann auch ziemlich kompliziert sein – vor allem, wenn es nicht läuft. Plattenhardt kennt diese Seite seines Berufs besser als die andere. Zumindest seit er in Berlin ist. Nachdem der Schwabe im Sommer von Nürnberg zu Hertha gewechselt war, ging irgendwie alles schief. Beulen im Blech nach einem Autounfall. Dazu Beulen in der Seele, weil sein Trainer Jos Luhukay nicht angetan von ihm war.

Als der mittlerweile entlassene Niederländer ihn doch mal spielen ließ wie gegen Hannover 96 in der Hinrunde, vermasselte es Plattenhardt kolossal: 0:2 hieß es damals. Zweimal verschuldete Plattenhardt das Gegentor, und man lag nicht daneben, wenn man ihn zu diesem Zeitpunkt einen Fehleinkauf nannte.

Lob von Trainer Pal Dardai

Im Fußball changiert es sich allerdings nicht nur recht schnell zwischen einfach und schwer, sondern auch zwischen gut und schlecht. Denn nun heißt der Gegner für Hertha am Freitag wieder Hannover, und Plattenhardt plagt sich mit einer leichten Zerrung herum.

Aber während das vor ein paar Wochen für die Berliner noch kaum relevant gewesen wäre – er hätte ohnehin nicht gespielt –, hofft Plattenhardts neuer Trainer Pal Dardai, dass der Verteidiger gegen 96 wieder einsatzfähig sein wird. Der Ungar sah in Plattenhardt nämlich mehr als Luhukay und ließ ihn seit seiner Amtsübernahme im Februar in jeder Partie spielen, wenn er gesund war. „Wir haben ihn aufgebaut, und das Vertrauen zahlt er jetzt wieder zurück“, sagte Dardai.

Er halte Plattenhardt für einen Spieler, dessen Schnelligkeit ihn „für das Topniveau und nicht nur für die Bundesliga“ prädestiniere. Ein erstaunlicher Satz, der vor kurzem noch so geklungen hätte, als wenn Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis sagen würde, sein Land sei bald schuldenfrei.

Vier von neun Toren nach Standards für Hertha

Dabei ist derzeit gar nicht Plattenhardts besungene Schnelligkeit auf Topniveau entscheidend. Vielmehr hat er sich im Stillstand jene neue Wichtigkeit für Hertha erarbeitet. Denn es waren zuletzt oft Tore nach ruhenden Bällen, welche die Spiele für die Blau-Weißen entschieden haben. Im modernen Fußball fallen ein Drittel aller Tore nach Standards.

Bei Hertha unter Dardai sind es fast die Hälfte – vier von neun Treffern nach Freistößen, Einwürfen und Elfmetern. Plattenhardt trat in Abwesenheit der Experten Ronny und Tolga Cigerci die Freistöße und leitete damit die Siege gegen Paderborn und den HSV (1:0) ein.

Das liegt auch daran, dass Hertha zwei Tage vor einem Spiel stets 40 Minuten Standards einstudiert: „Marvin übt fleißig. Jedes Mal wird er besser“, sagte Dardai. Der Hauptverantwortliche für das Training der ruhenden Bälle ist aber Co-Trainer Rainer Widmayer. Er sagt: „Wir glauben, dass im Abstiegskampf Standards entscheidend sein können.“ Das sei eigentlich normal, „nur der Mut hat den Jungs vorher oft gefehlt, einfach mal drauf zu hauen“, so Widmayer. Dabei kann Fußball dann ganz einfach sein. Auch für Linksverteidiger Marvin Plattenhardt.