Bundesliga

Hertha-Star Kalou läuft lieber für Dardai als für Luhukay

Torjäger Kalou läuft gegen Stuttgart so viel wie nie bei Hertha und gewinnt 38 Prozent seiner Zweikämpfe. Über Herthas Coach Pal Dardai sagt er: „Der Trainer bringt einen anderen Geist ins Spiel.“

Foto: Daniel Naupold / dpa

In der ersten Saisonhälfte war es zumeist so: Sich bietende Torchancen nutzte Salomon Kalou eiskalt. Ansonsten drückte er den Kollegen die Daumen. Nur spärliche Zweikämpfe, von denen kaum einer gewonnen wurde. Wenig Ballkontakte, wenig Kilometer.

Seit dem Trainerwechsel bei Hertha BSC Anfang Februar von Jos Luhukay zu Pal Dardai hat sich das Bild radikal gewandelt. Bei der Nullnummer gegen den VfB Stuttgart etwa gewann der Stürmer-Star von der Elfenbeinküste 38 Prozent seiner Zweikämpfe. Zum Vergleich: In der Luhukay-Zeit kam Kalou auf 22,6 Prozent.

Damit nicht genug: Kalou lief mit 11,38 Kilometern so viel wie noch nie im Hertha-Trikot. Zum Vergleich: In der Hinserie lag sein Schnitt bei 9,52 Kilometern. Keine der Zahlen ist zufällig, Kalou zeigt die Tendenz exakt seit dem Trainer-Wechsel. Gefragt, woher die Veränderung komme, antwortet Kalou: „Der Trainer bringt einen anderen Geist ins Spiel. Er weckt bei jedem Spieler den Wunsch, für das Team zu laufen. Das war vorher nicht so. Es ist eine positive Entwicklung. Früher hätten wir so ein Spiel wie das in Stuttgart verloren.“

Die Mannschaft investiert mehr

Diese Antwort enthält nun mehrere Aspekte. Zum einen darf man sich wundern. Kalou erhält bei Hertha Monat für Monat ein üppiges Gehalt. Da darf der Verein erwarten, dass er, wie jeder andere Arbeitnehmer auch, regelmäßig die Grundtugenden des Fußballs einbringt: Fitness, Lauf– und Einsatzbereitschaft. Und die Ärmel nicht nur dann hochkrempelt, wenn der Trainer, wie Dardai es tut, ihm schmeichelt: „Salomon ist ein Klassestürmer. Er ist bei mir gesetzt.“

Wahr ist aber auch, dass nicht nur Kalou, sondern alle Spieler seit dem Trainerwechsel bereit sind, mehr zu investieren. Das belegen nicht nur die ständig steigenden Kilometer- und Zweikampf-Werte von Hertha.

Preetz sieht Fortschritte unter dem neuen Trainer-Duo

Manager Michael Preetz ordnet die Meinung von Kalou in das Gesamtbild von Hertha ein. Wer im Kampf um den Klassenerhalt steckt, muss zunächst die Defensive stabilisieren. An dieser Maxime hat Hertha seit dem vergangenen November gearbeitet nach den „fürchterlichen Herbst-Wochen“, wie Präsident Werner Gegenbauer es bezeichnet hatte (gemeint waren der Pokal-K.o. bei Drittligist Bielefeld, das 1:3 in Paderborn und das 0:2 gegen Hannover). Doch unter Luhukay hatte sich die erhoffte Verbesserung in der Abwehr weder bis Weihnachten noch zum Rückrunden-Start eingestellt.

„Wir sind in den letzten fünf Spielen einen deutlichen Schritt vorangekommen“, lobt Preetz die Arbeit des neuen Trainer-Teams Dardai und Rainer Widmayer. „In den letzten Wochen ist die Bereitschaft da, füreinander zu arbeiten. Nur so geht es. Und das dürfte auch Salomon gemeint haben.“ Preetz sagt, dass er als ehemaliger Stürmer nur zu gut wisse, wie undankbar es für Kalou in Stuttgart als einzigen Hertha-Angreifer gewesen sei, „weil er die meisten seiner Kilometer für die Defensive gelaufen ist. Aber das ist wichtig für die ganze Mannschaft, dass er teilnimmt.“

Die Spieler sehen, dass sich der Aufwand lohnt

Sei es das späte Siegtor durch Kalou gegen Augsburg in der 88. Minute oder die starke Vorarbeit in Stuttgart, als Kalou für Nico Schulz auflegte, der den Ball jedoch um Zentimeter am Tor vorbeischob (81.), Preetz sagt: „Die Spieler bekommen ein Gefühl dafür, dass sich der Aufwand lohnt.“

Die Bilanz von Dardai nach fünf Spielen: zwei Siege, ein Remis, zwei Niederlagen. Ja, die Defensive hat sich verbessert. Aber im Vorwärtsgang ist das Hertha-Spiel nach wie vor stark ausbaufähig.

Das Zwischenfazit von Preetz für die neue Trainer-Combo: „Ich sehe, dass sie es seit Wochen gut machen. Und bin überzeugt, dass sie das mit dem Klassenerhalt hinbekommen.“