Remis

Hertha BSC schafft gegen Stuttgart nur Nullnummer

Hertha beendet die Auswärtspartie gegen den VfB nur mit einem 0:0. Damit bleiben die Berliner 14. der Tabelle. Für Huub Stevens dürfte das Remis das Aus gewesen sein.

Foto: Marijan Murat / dpa

Jörn Meyn

Stuttgart – Es war Zufall, dass dieses Abstiegsduell zwischen dem Tabellen-14. Hertha BSC und dem Schlusslicht VfB Stuttgart am internationalen Weltgebetstag angesetzt wurde. Andererseits kann das natürlich auch göttliche Fügung gewesen sein. Denn Beistand vom Allmächtigen können beide Teams brauchen. Aber vielleicht ist es in einer solch prekären Situation auch ratsam, sich nicht nur auf den Beistand von oben zu verlassen, sondern selbst tätig zu werden.

Allerdings waren in der Arena in Stuttgart auch andere Kräfte am Wirken. Es war ein hitzige Partie, die sich entwickelte. Am Ende erkämpfte sich Hertha nach 98 Minuten mit dem 0:0 einen sehr hart erarbeiten Punkt.

Gehirnerschütterung bei Kraft

Die Berliner erlebten einen kuriosen Abend. Torwart Thomas Kraft wurde nach einer abgefangenen Flanke rüde von Georg Niedermeier angegangen. Der Stuttgarter rammte Kraft die Schulter ins Gesicht, Herthas Schlussmann ging zu Boden (52.). Eine klare Tätlichkeit, die jedoch nicht geahndet wurde. Im Gegenteil, VfB-Stürmer Christian Gentner machte einen Spruch zum Torwart, Kraft sprang auf und schubste den Stuttgarter. Anschließend musste Kraft, der benommen wirkte, minutenlang behandelt werden.

Schiedsrichter Felix Brych hatte einmal mehr die Übersicht verloren und zeigte Kraft die Gelbe Karte, Übeltäter Niedermeier kam ungestraft davon. Als Hertha-Trainer Pal Dardai in der Schlussphase noch mal offensiv wechseln wollte, meldete sich im letzten Moment Kapitän Fabian Lustenberger. Kraft hatte Innenverteidiger Sebastian Langkamp gefragt: „Wo sind wir hier?“ Langkamp sagte: „Schau dich um, wir sind in Stuttgart.“ Er gab sofort Lustenberger ein Zeichen. Somit musste der bereitstehende Genki Haraguchi wieder Platz auf der Bank nehmen. Hertha-Trainer Pal Dardai sagte: „Wir hatten Glück, dass Fabian Bescheid gesagt hat. So konnte ich Sascha Burchert einwechseln.“ Die erste Diagnose bei Kraft lautete Gehirnerschütterung.

Reichlich Konfusion und XXL-Nachspielzeit

Es gab reichlich Konfusion und ein hektische Schlussphase mit XXL-Nachspielzeit. In der flog der zur Pause eingewechselte Nico Schulz mit der Ampelkarte vom Platz und fehlt somit im Heimspiel in einer Woche gegen den FC Schalke (90.+8).

Sortiert man den Abend der Reihe nach, bleibt festzuhalten: Hertha gelang es wieder nicht, nach einem Erfolg in der Vorwoche (1:0 gegen Augsburg) einen zweiten folgen zu lassen. Die gute Nachricht: Durch das vierte Saison-Remis hat Hertha den Abstand auf Schlusslicht Stuttgart gehalten. Die Partie war im Vorfeld als „Endspiel“ für VfB-Trainer Huub Stevens bezeichnet worden. Der Niederländer hatte 2002 auch bei Hertha auf der Trainerbank gesessen und dort mit einen gewissen Pal Dardai als Spieler gearbeitet. Nun, das war ja das Kuriose, saß Dardai als Trainer auf der Hertha-Bank und so könnte es sein, dass der Schützling von damals den alten Chef aus dem Job befördert hat, weil dieser wieder nicht gewonnen hat, wie es ihm aufgetragen war.

Eine der schnellsten Gelben Karten

Dardai musste seine Mannschaft nach dem Sieg gegen Augsburg am vergangenen Wochenende umbauen: Valentin Stocker kehrte zurück ins Team. Überraschend bot der Jung-Trainer für die gelbgesperrten Per Skjelbred und Peter Niemeyer die wenig dynamischen Jens Hegeler und John Heitinga im zentralen Mittelfeld auf. Exakt 17 Sekunden waren gespielt, da hatte Heitinga, ein gelernter Innenverteidiger, bereits Probleme: VfB-Angreifer Timo Werner huschte an ihm vorbei, Heitinga stoppte den 19-Jährigen mit einem Ellenbogenschlag. Das gab eine der schnellsten Gelben Karten der Bundesligageschichte. Rechtsverteidiger Peter Pekarik, der gegen Augsburg einen Nasenbeinbruch davongetragen hatte, entledigte sich bereits nach vier Minuten seiner angefertigten Gesichtsmaske.

Stuttgart drückte die Gäste in die eigene Hälfte, ohne wirklich gefährlich zu werden. Werner probierte es mal (14.). Auch Daniel Schwaab, dessen Kopfball in den Armen von Thomas Kraft landete (19.). Sonst war das viel Wollen, aber kein Ertrag. Die Stuttgarter Anhängerschaft im nur spärlich besetzen Rund trieb ihr Team nach vorn. Hertha setzte dagegen auf Konter. Einen davon schloss Stocker mit einem satten Schuss aus 20 Metern ab, der Sven Ulreich im VfB-Tor zu einer sehenswerten Parade zwang (26.).

Comeback von Cigerci

Nach der Pause kamen für den schwachen Hegeler und den ganz schwachen Heitinga Tolga Cigerci und Schulz. Für Cigerci war es die Rückkehr nach 314 Tagen Verletzungspause. Kraft wurde nach der Aktion in der 52. Minute von den VfB-Anhängern ausgepfiffen. Was Kraft aber nicht davon abhielt, gegen Daniel Ginczek (63.) sowie Genter zu klären (65.). Auf der Gegenseite vergab Schulz die beste Berliner Chance, als sein Schuss knapp vorbeistrich (79.). Nach 83 Minuten ersetzte Burchert Kraft, wurde aber nicht mehr ernsthaft geprüft.

Trainer Dardai sagte: „Das war kein schönes Spiel. Aber wir sind mit dem Punkt zufrieden. Die Mannschaft hat sich als Team gezeigt. Das ist wichtig im Abstiegskampf.“ Kapitän Lustenberger sagte: „Wir haben in zwei Spielen vier Punkte geholt. Darauf können wir aufbauen.“