Bundesliga

Hertha-Coach Dardai schenkt seiner Abwehr Vertrauen

| Lesedauer: 3 Minuten
Jörn Meyn

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Herthas kommender Gegner Wolfsburg hat die derzeit beste Offensive der Liga. Coach Dardai setzt trotzdem auf das zuletzt unsichere Personal Hegeler und Brooks. Ein Stabilisator bleibt auf der Bank.

Mit Fernbeziehungen kennt sich Sebastian Langkamp aus. Seine Freundin studiert in Süddeutschland. Beide sehen sich selten. Manchmal aber ist das gar nicht so schlecht, weil sich Herthas Innenverteidiger so vornehmlich auf seinen Beruf konzentrieren kann.

Doch auch dort ist aktuell der Status der Fernbeziehung eingetreten. Das erste Spiel unter dem neuen Trainer Pal Dardai gegen Mainz (2:0) verpasste Langkamp gelb-rot-gesperrt. Dardai setzte auf Jens Hegeler und John Brooks im Abwehrzentrum.

Weil das gut klappte, schaute sich Langkamp, der unter Dardais Vorgänger Jos Luhukay immer gesetzt war, auch die Partie gegen Freiburg (0:2) am Sonntag von draußen an. Gegen die Breisgauer klappte es dann mit Hegeler und Brooks nicht mehr so prächtig. Beide Gegentreffer resultierten aus Abwehrfehlern.

Spieler dürfen Fehler machen

Hertha tritt am Sonntag bei der Mannschaft der Stunde an, dem Tabellenzweiten VfL Wolfsburg, der aktuell den Stürmer der Stunde stellt. Bas Dost traf in den vergangenen fünf Partien acht Mal. Man könnte auf die Idee kommen, dass Langkamp gegen den Niederländer nun wieder eine Chance bekommt. Schließlich gehörte er in Berlin stets zu den stabilsten Verteidigern.

Aber Pal Dardai hat andere Pläne: „Torhüter, Stürmer und Innenverteidiger brauchen Vertrauen. Da muss man vorsichtig sein“, sagte der Ungar der Morgenpost. „Das ist anders als auf anderen Positionen. Ich werde dort nicht nach einem Fehler sofort wechseln. Dann bekomme ich eine unsichere Truppe.“

Beim Training am Mittwoch ließ Dardai erneut Hegeler und Brooks als Innenverteidigerpärchen üben. Es ging um einen verbesserten Spielaufbau, der gegen Freiburg schwach war. „Sebastian hatte das Pech, dass er gesperrt war und Jens und John es in Mainz überragend gemacht haben“, sagt Dardai. Spieler dürfen bei ihm Fehler machen, ohne sofort aus dem Team genommen zu werden.

Lustenberger im Mittelfeld

„Wenn aber jemand drei-, viermal Fehler macht, wechsele ich. Dann bekommt ein anderer die Chance und darf auch mal einen Fehler machen“, sagt der 38-Jährige. Langkamp sei „ein Musterprofi, der weiß, was er kann und schlau ist. Ich plane mit ihm, aber er muss sich im Training anbieten.“

Dass Langkamp schlau ist, zeigt der Umstand, dass der 27-Jährige sich nicht zu seiner Situation äußern möchte. Eigentlich gab es bei Hertha den Plan, dass er nach seiner Verletzung in der Rückrunde die malade Defensive stabilisiert – gemeinsam mit Kapitän Fabian Lustenberger in der Abwehr.

Aber Dardai hat auch mit dem Schweizer andere Pläne: „Ich sehe Lusti im Mittelfeld. Er hat alles, um ein Top-Sechser zu sein. Er kann das Tempo rausnehmen, das Spiel machen und hat einen guten Torschuss. So einen Spieler haben wir sonst nicht im Team.“