DFB-Pokal

Hertha-Coach Luhukay will im Pokal nicht mehr experimentieren

Bislang ließ der Niederländer im DFB-Pokal mit einer B-Elf spielen. Nach den Blamagen der vergangenen Jahre scheint er nun auf seine Stammkräfte zu setzen. Drei Leistungsträger fallen jedoch aus.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Die Sehnsucht, hat der deutsche Philosoph Ernst Bloch einmal geschrieben, scheine ihm die einzige ehrliche Eigenschaft des Menschen zu sein. Darüber, wie viel Wahrhaftigkeit in dieser Aussage steckt, mag man streiten können. Bezogen auf die Fans von Hertha BSC lässt sich aber guten Gewissens behaupten: Ja, es gibt sie, die eine große Sehnsucht – und sie kommt aus tiefstem Herzen.

Die Rede ist vom Endspiel im eigenen Stadion. Um zu prognostizieren, dass es mit der Teilnahme am Champions-League-Finale, das im kommenden Jahr in Berlin ausgetragen wird, etwas eng werden könnte für Hertha, muss man kein Prophet sein. Damit kann der Berliner Anhang gut leben, es muss ja nicht gleich die größte aller Fußballbühnen sein.

Vom Finale um den DFB-Pokal, seit 1985 eine Institution im Olympiastadion, träumen die Herthaner dafür umso mehr. Doch während Herthas Amateurmannschaft, die legendären „Hertha-Bubis“, 1993 sensationell bis ins Endspiel vorpreschte (und knapp mit 0:1 gegen Bayer Leverkusen verlor), sind die Profis vom Berliner Sehnsuchtsziel weit entfernt.

Herthas Pokal-Bilanz seit der Rückkehr in die Bundesliga ist verheerend. In den 17 Anläufen seit 1997 waren drei Viertelfinalteilnahmen das höchste der Gefühle. Der Normalfall sah anders aus: Elfmal war spätestens in der zweiten Runde Schluss. Holstein Kiel, TuS Koblenz oder Wormatia Worms – je kleiner der Gegner, desto größer die Blamage. Die Liste mit den unrühmlichen Stationen des Scheiterns ist lang.

Personalrotation als Pokalprinzip

Daran hat auch Trainer Jos Luhukay nichts geändert, im Gegenteil. Der Niederländer hatte schon bei seinen früheren Arbeitgebern die Angewohnheit, im Pokal auf eine massive Personalrotation zu setzen. So auch bei Hertha: In seinem ersten Amtsjahr veränderte Luhukay seine Startformation beim Viertligisten Worms auf sechs Positionen. Ein Experiment, das kräftig in die Hose ging. Nach einer 1:2-Niederlage war das Kapitel DFB-Pokal in der Saison 2012/13 schon nach einem Spiel beendet.

Luhukay aber blieb seinem Spleen treu. Ein Jahr später bekamen in der zweiten Runde gleich neun Spieler aus der zweiten Garde eine Bewährungschance. Weil Maik Franz, Ben Sahar und Co. diese Gelegenheit aber nicht zu nutzen wussten, verlor Hertha beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern 1:3. Pokalfinale ade. Mal wieder.

Drei Tage und einen Bundesligasieg später verteidigte Luhukay seine Personalentscheidungen mit einer flammenden Rede in den Katakomben des Olympiastadions. Die soeben errungenen drei Punkte gegen Mainz 05 seien auch deshalb gewonnen worden, weil seine ausgeruhten Stammkräfte über die größeren Kraftreserven verfügt hätten.

So nachvollziehbar diese Argumentation auch war, so wenig Verständnis erntete sie bei den Fans. Einmal mehr fühlten sich die Herthaner um ihren Traum gebracht, und das auf geradezu fahrlässige Art und Weise.

Skjelbred fällt aus

Vor dem Zweitrundenspiel beim Drittligisten Arminia Bielefeld am Dienstag (19 Uhr/Sky und im Liveticker auf immerhertha.de) schlägt Luhukay ungewohnte Töne an. „Ich werde nicht rotieren“, machte der 51-Jährige deutlich. In den drei jüngsten Ligaspielen hatte er stets derselben Startformation vertraut, eine Maßnahme, die der zunehmend eingespielten Stammbelegschaft spürbar mehr Sicherheit verliehen hat.

Dieses Vertrauen, sagt Luhukay, wolle er nutzen. Der Pokal sei kein Experimentierfeld, dafür sei der Wettbewerb „sportlich und finanziell viel zu wichtig“. Sätze, die in Herthas Fanlager für seliges Aufatmen sorgen dürften.

Von einem Sinneswandel wollte Luhukay aber nicht sprechen. Wie er eine Elf zusammenstelle, hänge von der Gesamtkonstellation ab, betonte der Hertha-Coach. Jene ist momentan angespannter, als es ihm lieb ist. Nach Änis Ben-Hatira und Nico Schulz (muskuläre Probleme) hat sich auch Per Skjelbred abgemeldet.

Der Norweger klagt über Schmerzen in der Leiste und wurde nicht für den Kader nominiert. Fraglich ist zudem der Einsatz von Marcel Ndjeng, der mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hat.

Noch lebt der Traum vom Finale

Für Ben-Hatira steht mit Genki Haraguchi eine positionsgetreue Alternative parat. Mehr Kopfzerbrechen dürfte Luhukay der mögliche Ausfall von Ndjeng bereiten. Als Linksverteidiger Schulz am vergangenen Spieltag verletzt vom Feld musste, kam Ndjeng als Ersatz. Der Routinier spielte als Rechtsverteidiger, Peter Pekarik rückte dafür auf die linke Seite. Eine Variante, mit der Luhukay auch im Pokal liebäugelt.

Sollte Ndjeng tatsächlich ausfallen, darf sich wohl der gelernte Linksverteidiger Marvin Plattenhardt über einen Einsatz freuen. Konkurrent Johannes van den Berg hat sich am vergangenen Wochenende bei der U 23 einen Muskelfaserriss zugezogen – er wird drei bis vier Wochen fehlen.

Ganz ohne Rotation wird Luhukay gegen den Tabellenführer der 3. Liga also nicht auskommen. Einen Vorwurf wird ihm in diesem Fall aber niemand machen wollen.

„Nicht nur die Fans träumen vom Finale“, sagt Innenverteidiger John Heitinga, dem gerade sein erstes Tor für Hertha gelang, „wir Spieler träumen auch davon.“ Sollte Hertha in Bielefeld gewinnen, ist das Endspiel nur noch drei Siege entfernt.