2:1

Hertha gelingt erster Saisonsieg gegen Regensburg

Die Stürmer Sami Allagui und Sandro Wagner haben Hertha BSC erlöst und mit ihren Toren am dritten Spieltag den ersten Saisonsieg beschert.

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Ein wenig fremdeln sie noch – die neue Mannschaft von Hertha BSC und ihre Anhänger. Auf der kleinen Ehrenrunde trauten sich die Profis in Blau-Weiß zunächst nicht vom Spielfeld herunter und bedankten sich bei den Fans vor der Ostkurve aus sicherer Entfernung. Erst als es Pfiffe setzte, übersprangen die Spieler die Werbebanden und näherten sich den Anhängern bis auf 15 Meter. Es ist noch fragil, das Band der Zuneigung. Kurioserweise verabschiedeten die Fans die Mannschaft mit der Aufforderung: „Wir woll'n euch kämpfen sehen“. Kurios, weil Hertha zwar kein Feuerwerk und keine Gala abgeliefert hatte. Aber im dritten Anlauf hatte der Hauptstadt-Klub den ersehnten ersten Sieg in der Zweiten Liga eingefahren, ein 2:1 (2:0) gegen Jahn Regenburg. Es waren 90 überwiegend holprige Minuten, die die Berliner im Olympiastadion geboten hatten. Nur wenige Kombinationen, nur wenig Zusammenhang. Aber Hertha hatte sich die drei Punkte mit viel Einsatz und Leidenschaft verdient. „Das war ein dreckiger Arbeitssieg, aber der war wichtig“, atmete Manager Michael Preetz auf.

Begonnen hatte der Tag mit einem Schreck. Als wäre es nicht genug, dass die Torhüter Thomas Kraft und Sascha Burchert gesperrt ausfielen. Zudem meldete sich der erst am Donnerstag als Ersatztorwart in den Kader gerutschte Markus Gerbeck (17) mit Fieber ab. So saß der 16jährige Benjamin Lundt auf der Bank. Da Hertha sich diesmal jedoch keinen Platzverweis leistete, kam der A-Jugendliche nicht zum Einsatz.

Jos Luhukay hatte erneut kräftig rotiert: Sechs Änderungen gab es gegenüber dem letzten Punktspiel beim FSV Frankfurt (1:2). Vor allem hatte sich der Trainer für ein 4-4-2-System entschieden. Beide aufgebotenen Stürmer rechtfertigten das Vertrauen. Sami Allagui erzielte die Führung nach einer Flanke von Änis Ben-Hatira. Der Tunesier nahm den Ball sauber aus der Luft, umdribbelte Jahn-Verteidiger Sebastian Nachreiner und zog ins kurze Eck ab, 1:0 (41.). Nun trauten sich die Hausherren auf einmal. Keine zwei Minuten später bereitete erneut Ben-Hatira mit einer Vorlage von der Grundlinie das zweite Tor vor. Allagui verlängerte den Ball mit dem Kopf über Jahn-Torwart Michael Hofmann hinweg, so dass Herthas zweiter Angreifer, Sandro Wagner, aus einem Meter ins leere Tor einnickte, 2:0 (43.).

Bis dahin war Hertha wenig gelungen. Die Berliner agierten zwar feldüberlegen, doch der Regensburger Strafraum wurde selten betreten. So spielten sich die ersten Aufreger weitab der Tore ab. Roman Hubnik ging nach einem Missverständnis mit Marcel Ndjeng k.o. zu Boden. Der Tscheche hatte den Ellenbogen des Teamkollegen an den Kopf bekommen, als der einen Ball wegschlug. Bei Hubnik wurde eine Gehirnerschütterung diagnostiziert, für ihn kam Fabian Lustenberger (34.).

Fieses Foul an Franz

Wenig später gab es einen Jahn-Konter, bei dem Maik Franz wie vom Blitz getroffen zu Boden ging. Gegenspieler Francky Sembolo hatte Herthas Manndecker brutal in den Unterleib gekniffen. Als der Pfiff des Schiedsrichters ertönte, sprang Franz empört auf, sprintete auf Sembolo zu und brüllte ihn an. Schiedsrichter Harm Osmers zeigte die Gelbe Karte – gegen Franz. Übeltäter Sembolo ging straffrei aus. „Ich war in der Pause beim Schiri und habe gesagt, was los war“, erzählte Franz. „Aber ich muss da nicht so hingehen, insofern kann man Gelb geben.“ Was bei Hertha an Struktur und Zusammenhang vor der Pause gefehlt hatte, stellte sich auch im zweiten Durchgang nicht ein. „Ich hatte gehofft, dass wir mit der Führung im Rücken etwas mehr Leichtigkeit im Spiel hätten“, sagte Trainer Luhukay.

Doch dem war nicht so. Die Gastgeber zogen sich weiter zurück. Aber die Räume, die sich nun für Konter ergaben, wurden nicht gut genutzt. Nikita Rukavytsya fand auf der rechten Seite überhaupt keine Bindung, zu oft standen die Spieler zu weit vom Nebenmann weg. Im Vorwärtsgang gefielen der unermüdliche Ben-Hatira und der einsatzstarke Wagner. Dennoch wurde die letzte halbe Stunde zu einer Zitterpartie. Franz und Marcel Ndjeng verschätzten sich bei einer weiten Flanke völlig, Sembolo köpfte über Hertha-Torwart Sprint, 1:2 (57.).

Jahn wurde nach dem Anschlusstreffer mutiger, die Hertha-Defensive wankte einige Male. Vor allem Lustenberger rettete mehrfach mit beherztem Einsatz den wertvollen Vorsprung. „Das war kein Befreiungsschlag, aber immerhin ein Sieg, auf dem wir aufbauen können“, so Franz. Peer Kluge sagte: „Das 2:1 ist enorm wichtig, aber wir wissen, dass wir cleverer spielen müssen.“ Kapitän Peter Niemeyer wusste um die Unzulänglichkeiten, merkte aber trotzig an: „Ich lasse mir den Sieg nicht kaputt reden.“

Die Kritik nach dem schwachen Saisonstart scheint die neu zusammengestellte Mannschaft getroffen zu haben. Trainer Luhukay sagte: „Wir sind sehr froh, dass wir den ersten Sieg eingefahren haben. Mental ist es besser, mit mehr Selbstbewusstsein die nächsten Tagen zu gehen.“ Schließlich steht am kommenden Spieltag das Derby beim 1. FC Union an. Im Stadion an der Alten Försterei sind allemal gute Nerven gefragt.