Zweitligst

Mit Sami Allagui hat Hertha ein „Schlitzohr“ verpflichtet

Ein Stammplatz ist ihm sicher: Hertha-Manager Preetz und Trainer Luhukay schwärmen vom wuchtigen Stürmer und Torjäger Sami Allagui.

Foto: DAPD

Nein, Sami Allagui (26) schüttelte den Kopf. Er verspüre keine Genugtuung. „Ich weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, aber ich finde es schade für Red Bull Salzburg, dass sie ausgeschieden sind.“ Am Beispiel des Stürmers lässt sich ein Schlaglicht werfen auf die Allerweltsweisheit vom verdammt schnellen Fußball-Profigeschäft.

In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch der vorvergangenen Woche hatte Red Bull Salzburg das Angebot für Allagui von 1,5 Millionen Euro aufgestockt auf 2,4 Millionen. Nach dem vorentscheidenden 0:1 im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation beim F91 Düdelingen in Luxemburg suchte der österreichische Meister händeringend einen zuverlässig durchschlagskräftigen Stürmer.

Viel Geld, wenig Anerkennung

Red Bulls neuer Sportdirektor Ralf Rangnick lockte mit der Perspektive, in Salzburg in der Königsklasse spielen zu können. Doch Allagui und der FSV Mainz blieben bei dem, was vorher bereits mündlich abgesprochen war: Einen Tag später wurde der Transfer des Angreifers zu Zweitligist Hertha BSC besiegelt. Am Dienstag dieser Woche trat für Salzburg der schlechteste Fall ein: Der Klub mit dem vielen Geld und der geringen Anerkennung scheiterte auch im Rückspiel am mehr als krassen Außenseiter (4:3). Was eben noch ausgesehen hatte wie ein Klub, der gut genug ist, sich mit den besten Fußballern der Welt zu messen, war im Handumdrehen zur absoluten Lachnummer des europäischen Fußballs mutiert. „Die größte Blamage der Europapokal-Geschichte“ titelte daraufhin die österreichische Tageszeitung „Krone“ erbarmungslos.

„Klar habe ich das mitbekommen und war überrascht“, sagte Allagui. „Aber meine Entscheidung für Hertha habe ich unabhängig von der Champions League getroffen. Mein Eindruck ist, dass hier etwas aufgebaut werden soll. Und Hertha hat einen Super-Trainer geholt. “

Allagui ist einer von drei Neuen, die Hertha Mitte letzter Woche im 30-Minuten-Takt verpflichtet hatte. Kurioserweise hatte auch Ben Sahar (kam ablösefrei von Espanyol Barcelona) ein Angebot vom Rangnick-Klub. Der schnelle Außenstürmer hätte dort eine Million Euro im Jahr verdienen können. Der Israeli entschied sich jedoch für Berlin, wo er zunächst weniger als die Hälfte verdient, aber für sich die besseren Perspektiven sieht als in Salzburg. Von den drei neuen Stürmern, der dritte im Bunde war Sandro Wagner, hat Allagui die beste Chance, bereits beim Saisonstart am 3. August gegen den SC Paderborn in der Startelf zu stehen.

Vollstrecker und Vorbereiter

„Mit Sami haben wir eine Qualität bekommen, die wir so bisher nicht hatten“, erzählt Hertha-Manager Michael Preetz. „Sami ist Torjäger und Vorbereiter in einem.“ Trainer Jos Luhukay beschreibt seinen neuen Angreifer so: „Sami ist ein Schlitzohr, ein richtiger Vollstrecker. Das hat er bei seinen bisherigen Vereinen gezeigt. Er ist im Umschalten sehr schnell und im 16er brandgefährlich.“ Für den am 28. Mai 1986 in Düsseldorf geborenen Deutsch-Tunesier hat Hertha so viel Geld in die Hand genommen, wie lange nicht mehr: 1,5 Millionen Euro Ablöse überweist der Zweitligist in zwei Tranchen an den FSV Mainz.

Nimmt man Elias Kachunga hinzu, die Leihgabe von Bundesligist Borussia Mönchengladbach, hat Hertha vier Stürmer geholt. Die notorische Schwäche vor dem gegnerischen Tor hatte den Berlinern in der vergangenen Saison den Bundesliga-Abstieg eingebrockt, wer in 34 Spielen gerade 39 Treffer erzielt, braucht sich darüber nicht zu wundern. Für eine erfolgreiche Mission Wiederaufstieg rechnet Trainer Luhukay hoch, „brauchen wir 60 Tore, mindestens.“

Lehrjahre in Anderlecht

Im Gegensatz zu Wagner und Sahar, die beide noch Fitness-Rückstände bis zum Saisonstart aufholen müssen, hat sich Allagui trotz der Kürze der Zeit bereits eingefunden. „Ich bin jemand, der sich gut einfügen kann“, sagt er. Zudem hilft es ihm, dass er das gesamte Konditionsprogramm bereits in Mainz mitgemacht.

Er kennt nicht nur die Bundesliga, er kennt auch die Zweite Liga. Für Carl Zeiss Jena und Greuther Fürth hat Allagui in 81 Spielen 30 Tore erzielt und 18 vorbereitet. Dazu bringt er internationale Erfahrung mit. Seine zwei Lehrjahre beim RSC Anderlecht bezeichnet er als „unglaublich wichtig“. Der RSC wurde in jener Zeit zweimal belgischer Meister und spielte in der Champions League. Dazu ist Allagui seit 2006 tunesischer Nationalspieler und gehört seit 2008 zum Stamm der Nationalmannschaft.

Hertha bieten sich in der Offensive jetzt diverse Möglichkeiten, um auf unterschiedliche Spielsituationen zu reagieren. Im Moment würde der Sturm aus Allagui mit seinen 1,86 Metern und dem flinken Leichtgewicht Elias Kachunga bestehen (1,77 Meter/68 Kilogramm). Mit Sandro Wagner, 1,94 Meter groß und 90 Kilo schwer, wird eine wuchtige Variante hinzukommen. Sahar ist ein antrittsschneller Außen mit einer guten Flankentechnik.

Die Fans überzeugen

„Wir wollten Spieler mit sehr unterschiedlichen Qualitäten haben“, begründet Trainer Luhukay die von ihm vorgenommene Zusammenstellung. Er hat auch weiterhin Adrian Ramos im Blick. „Adrian ist sehr fleißig, er zieht voll mit und wird langsam besser.“ Der Kolumbianer möchte zwar gern in die erste Liga wechseln, hat aber nach einer missratenen Vorsaison bisher kein konkretes Angebot. Die Vielfalt an Möglichkeiten macht Sinn, da die meisten Gegner sich defensiv aufstellen werden, soll doch der Favorit aus Berlin das Spiel machen.

Sami Allagui hat klare Vorstellungen, wie die nächsten Schritte in der Anfangsphase der Saison aussehen sollten. „Ich hoffe, dass wir überzeugenden, offensiven Fußball spielen. Wir werden uns nicht verstecken. Wir wissen, dass wir einer der Topfavoriten auf den Aufstieg sind.“ Ein wichtiges Anliegen ist, dass „wir die Fans auf unsere Seite bekommen, um die Euphorie hochzujagen.“

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