Marcel Ndjeng

Hertha BSC holt des Trainers Liebling nach Berlin

Neuzugang bei Hertha: Trainer Jos Luhukay und Marcel Ndjeng arbeiten nun zum vierten Mal zusammen. Torwart Aerts geht.

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Es war der fünfte Trainingstag – und mit Marcel Ndjeng (30) stellte sich der dritte Neue bei den Kollegen auf dem Schenkendorff-Platz vor. Hertha BSC hat Ndjeng für zwei Jahre unter Vertrag genommen. Zuvor waren Mittelfeldspieler Peer Kluge (31) und Stürmer Elias Kachounga (20) verpflichtet worden. „Mit Marcel konnten wir einen routinierten, bundesligaerfahrenen Spieler gewinnen.

Er wird eine wertvolle Verstärkung unserer rechten Seite sein“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Nach dem Abgang von Patrick Ebert und Christian Lell muss der Zweitligist seine rechte Seite komplett neu aufstellen. Ndjeng sagte: „Hertha BSC und Berlin sind eine echte Herausforderung für mich. Die Aufgabe, gemeinsam mit den Herthanern und deren Fans das Ziel Wiederaufstieg anzupeilen, reizt mich sehr. Ich bin auch froh, wieder mit Trainer Jos Luhukay arbeiten zu können.“

Beider Arbeitsverhältnis ist in der Tat ein ungewöhnliches. Beginnend im Juli 2005 haben Trainer und Spieler nun bereits zum vierten Mal miteinander zu tun: Erst auf der Station bei Zweitligist SC Paderborn. Dann 2007/08 im Aufstiegsjahr in Mönchengladbach. Von 2009 bis in diesem Sommer wurde der gemeinsame Weg beim FC Augsburg beschritten. Und nun bei Hertha – eine vergleichbare Beziehung gibt es im deutschen Profifußball nicht.

Ndjeng kommt ablösefrei. Er hat 40 Bundesliga-Spiele bestritten (drei Tore, drei Vorlagen) sowie 106 Zweitliga-Partien (18/35). In Bonn geboren, besitzt Ndjeng die Staatsbürgerschaften von Deutschland und Kamerun (fünf Länderspiele für Kamerun).

Hört man sich in Augsburg um, erhält man zwiespältige Aussagen über Ndjeng. Er wird als technisch beschlagener Spieler geschildert. Trainingseinstellung und Disziplin seien top. Im Aufstiegsjahr des FCA 2010/11 galt das Duo mit dem Ex-Herthaner Ibrahima Traore/Ndjeng zeitweise als die Robben/Ribéry-Version der Zweiten Liga. Eine Flügelzange, die mit schnellem Spiel jede Abwehr in Nöte stürzen konnte.

Aber Ndjeng gilt auch als Spieler, der öfter mal stark begonnene Aktionen nicht zu Ende bringt. Im vergangenen Bundesliga-Jahr vergab er reihenweise beste Chancen. Vom Charakter her gilt Ndjeng als netter Typ, ist aber kein Führungsspieler.

Torwart Aerts verlässt den Klub

Manager Preetz sagte: „Ndjeng hat unter Luhukay immer gut funktioniert.“ Bei genauerer Betrachtung reiht sich die Verpflichtung des ehemaligen Augsburgers in die Art und Weise ein, wie Hertha in diesem Sommer agiert. Mit Blick auf die leere Vereinskasse schauen die sportlich Verantwortlichen, wie der Kader mit schmalem Budget aufzurüsten ist. An der Politik kostengünstiger Lösungen wird sich bis auf weiteres nicht ändern. Mit Spielmacher Raffael und Stürmer Adrian Ramos stehen weiter zwei teure Profis auf Herthas Gehaltsliste.

Erst die Millionen aus einem etwaigen Transfer eines der Südamerikaner würde Hertha Mittel bringen, um offene Stellen in der Offensive zu besetzen. Von diesen Transfers wird abhängen, ob das ausgegebene Saisonziel Wiederaufstieg realistisch ist. Zunächst wird Brasilien-Urlauber Raffael nach auskurierter Mittelohrentzündung an diesem Wochenende in Berlin erwartet. Heute geben Ndjeng, Kluge und Kachounga ihr Debüt. Hertha absolviert einen Test beim Sechstligisten Berliner SC (18 Uhr, Stadion Finsterwalder Straße).

Nicht mehr dabei ist Maikel Aerts (36). Der Torwart entschied, ein Angebot des Zweitligisten zu reduzierten Konditionen auszuschlagen. Aerts war Aufstiegstorwart im Spieljahr 2010/11, spielte aber im vergangenen Bundesliga-Jahr keine Minute mehr. Damit trennen sich nach zwei Jahren die Wege vom Hauptstadt-Klub und dem Niederländer. Hertha geht mit dem Torwart-Trio Thomas Kraft, Sascha Burchert und Philip Sprint in die Saison.

Erwartungsgemäß verurteilte das DFB-Sportgericht Hertha dazu, das erste Saison-Heimspiel gegen Paderborn vor nur 20.000 Zuschauern auszutragen (davon 5000 Gäste-Tickets) sowie zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro. Als Begründung nannte der DFB drei Vorfälle mit Knallkörpern und Pyrotechnik von Hertha-Fans aus den Heimspielen gegen Freiburg (10. April) und Düsseldorf (10. Mai) sowie in Düsseldorf (15. Mai). Düsseldorf muss aufgrund des Platzsturms das erste Bundesliga-Heimspiel gegen Gladbach als „Geisterspiel“ ohne Fans bestreiten. dass Hertha wird gegen das Urteil Berufung einlegen. Mitarbeit: Tobias Kimmel

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