Hertha BSC

Kobiashvili will nichts von einem "Endspiel" wissen

Hertha-Trainer Rehhagel lässt Zweikämpfe und Torschüsse üben. Seine Hoffnung liegt auf zwei "Stabilisatoren" - Niemeyer und Kobiashvili.

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Extra früh waren die beiden Knirpse am Trainingsgelände erschienen. Schon eine Viertelstunde vor zehn Uhr hatten sie sich ganz vorn an der Zugangsschranke zum Schenckendorffplatz postiert – alles für diesen Moment: ein Foto mit Otto Rehhagel (73).

Dieser große, alte Fußballlehrer hat in seiner Zeit als Trainer von Hertha BSC Bundespräsidenten gekürt und mit dem Außenminister zu Abend gespeist – und dem Papst gleich kann er auch kleine Kinder hochheben, den einen unter dem linken, den anderen unter dem rechten Arm, und ihnen seinen Segen zusprechen.

Doch dann wurde Rehhagel die Menschenmenge langsam unheimlich; achtlos ließ er die Kids fallen, die sich nicht rechtzeitig versahen, ehe sie zu Boden plumpsten. Der Mann, der eben noch mit ihnen für einen Schnappschuss posiert hatte, war schon im Vollsprint unterwegs in Richtung geschützte Zone.

Den Zweikampf mit den Fans hatte Rehhagel also schon mal für sich entschieden. Jetzt sind „seine Jungs“ dran, die in den kurzen Hosen, die es Sonnabend (15.30 Uhr, Olympiastadion und hier bei Morgenpost Online im Liveticker) im letzten Saisonspiel gegen 1899 Hoffenheim richten sollen, nein, richten müssen.

Nur mit einem Sieg erhält Hertha sich die Aussicht auf Tabellenplatz 16 und damit zwei Relegationsspiele um den Klassenerhalt gegen den Dritten der Zweiten Liga; und auch das nur, wenn zeitgleich der 1.FC Köln nicht gegen den FC Bayern gewinnt.

"Reine Einstellungssache"

Gewinnen ist ein gutes Stichwort, findet Rehhagel, und will in dieser Woche verstärkt Zweikämpfe trainieren lassen. Zweikämpfe, von denen Hertha in den verlorenen Spielen zuletzt auf Schalke (0:4) und zuvor gegen Kaiserslautern und Freiburg (jeweils 1:2) zu wenige gewonnen hat.

Weil zugleich eine latente Offensivschwäche nicht zu leugnen ist, verband Rehhagel im Training das eine mit dem anderen und ließ auf ganz engem Raum Eins-gegen-eins- und Zwei-gegen-zwei-Situationen samt Torabschluss üben.

Kapitän Levan Kobiashvili gefiel das Lehrprogramm. „Es ist reine Einstellungssache“, sagte der in dieser Hinsicht tadellose Georgier, „wie man ins Spiel geht. Man muss Zweikämpfe suchen, sie annehmen und dann auch gewinnen.“

Immerhin besage eine der ältesten Fußballweisheiten: „Oft gewinnt die Mannschaft das Spiel, die mehr Zweikämpfe gewonnen hat“.

Da trifft es sich gut, dass mit Kobiashvili und Peter Niemeyer zwei Spieler nach Sperren zurückkehren, die sich für keinen Zweikampf zu schade sind. „Stabilisatoren unserer Mannschaft“ nennt sie Rehhagel, weil er in ihnen Profis erkennt, die „auch außergewöhnlichen Situationen Stand halten können“.

Gewinnen, gewinnen, gewinnen

Ein Davonlaufen wird es im „Endspiel“ gegen Hoffenheim nicht geben können. Doch halt, Endspiel? „Ich will nicht von ‚Endspiel' sprechen“, sagt Kobiashvili beinahe flehentlich: „Wir hatten schon viele Endspiele, gegen Wolfsburg, Freiburg, Kaiserslautern – die Ergebnisse sind bekannt. Es ist ein besonderes Spiel, weil es unsere letzte Chance ist. Trotzdem müssen wir den Kopf frei haben, mit Lockerheit ins Spiel gehen und versuchen es zu gewinnen.“

Gewinnen, gewinnen, gewinnen – über allem steht dieses eine Wort. Bei der Wahl seiner Elf für dieses Unterfangen ist anzunehmen, dass Rehhagel neben fußballerischen Kriterien auch danach gehen wird, wer ihm mental am meisten geeignet scheint. „Mittlerweile“, sagt Rehhagel grimmig, „weiß ich, welche Spieler zu was in der Lage sind.“

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