Abstiegskampf

Hauptsponsor Deutsche Bahn kritisiert Hertha BSC

Nicht nur bei den Fans hat Hertha Imageprobleme - auch Trikot-Sponsor Deutsche Bahn ist über die Situation des Vereins "nicht glücklich".

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Schwere Zeiten für Hertha BSC: Sportlich kämpft der Tabellenvorletzte am Sonnabend in Mönchengladbach um Punkte für den Klassenerhalt. Medial befindet sich der Hauptstadt-Klub seit längerem da, wo er nicht sein will.

So amüsierte sich nun das Medienmagazin „Zapp“ vom NDR über Michael Preetz als „Fragesteller der Woche“. „Hertha muss weg von den Satireseiten“, mahnt Matthias Bonjer von der Agentur „Zucker Kommunikation“. Zumal die Kombination aus sportlichen Problemen, Trainer-Wechseln und medialen Ausrutschern zu einem fragwürdigen Erscheinungsbild des Vereins führt.

Das Bild, das Hertha abgibt, wird von den Sponsoren genau verfolgt. Und der wichtigste Geldgeber, die Deutsche Bahn, hat sich zu Wort gemeldet.

In einer schriftlichen Stellungnahme der Bahn, die der Berliner Morgenpost vorliegt, heißt es: „Als Hauptsponsor nehmen wir keinen Einfluss auf die sportlichen Belange von Hertha BSC. Über die derzeitige Situation des Vereins sind wir natürlich nicht glücklich. Wir sind aber zuversichtlich, dass die Verantwortlichen von Hertha schnell wieder Ruhe hineinbringen werden.“

Klare Vorwürfe an Hertha

Seit 2006 ist die Bahn als Trikotsponsor einer der zwei, drei wichtigsten Partner von Hertha. Öffentliche Kommentare durch die Bahn sind absolut unüblich. Immerhin ist die Kritik nicht so massiv ausgefallen wie beim Konkurrenten 1. FC Köln.

Von deren Trikotsponsor, dem Lebensmittelkonzern REWE, war zu hören: „Was derzeit abläuft, schadet unserem Image, das kann ich nicht akzeptieren“, sagte der Unternehmens-Chef Alain Caparros und attestierte dem FC ein „massives Führungsproblem“.

Bei Hertha und der Bahn sind die Worte freundlicher. Trotzdem enthält das Statement klare Vorwürfe: Die Bahn „ist nicht glücklich“. Die Hertha-Verantwortlichen werden aufgefordert „Ruhe hineinzubringen“.

Die Zeiten haben sich geändert. Es ist nicht mehr so wie in den Anfängen der Partnerschaft, als 2006 die Alpha-Männchen Hartmut Mehdorn und Dieter Hoeneß die Zusammenarbeit auf kurzem Dienstwege besiegelten.

Aktuell hat Bahn-Chef Rüdiger Grube als Reaktion auf die Affäre um den mittlerweile zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff das gesamte politische Sponsoring der Bahn eingestellt.

Bahn könnte im Sommer aussteigen

Geändert hat sich auch die Dotierung des Vertrages. So überwies der Hauptsponsor 2008/09, der Saison der Fast-Meisterschaft von Hertha, 7,5 Millionen Euro plus 500.000 Euro für das Erreichen des Uefa-Cups.

Im aktuellen Spieljahr erhält Hertha deutlich weniger. Dem Vernehmen nach ist das Brustsponsoring mit 4,5 Millionen Euro dotiert. Für einen Aufsteiger ist das dennoch eine stattliche Summe.

Neben dem finanziellen Aspekt betont es die Seriosität von Hertha, wenn Unternehmen wie die Bahn (oder Nike als Ausrüster und Audi als Auto-Partner) sich beim Bundesligisten engagieren.

Für den Hauptstadt-Klub kommt die Kritik zu einem schwierigen Zeitpunkt. Eigentlich läuft der aktuelle Vertrag mit der Bahn bis Juni 2013. Aber der Logistik-Konzern hat eine Klausel: Für den Fall des Abstieges in Liga zwei kann die Bahn im Sommer aussteigen.

Bleibt die Frage, ob die Bahn als größter Arbeitgeber in Deutschland (rund 276.000 Angestellte) ein zweites Mal mit Hertha in die Zweite Liga gehen würde. Oder ob der Konzern von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch macht.

"Würdig und ehrenvoll"

In der schriftlichen Stellungnahme der Bahn heißt es: „Diese Frage stellt sich derzeit nicht. Noch ist der Ausgang der Bundesliga-Saison nicht entschieden. Frühestens am 6. Mai können wir hierauf eine Antwort geben.“

Ingo Schiller, der für Finanzen zuständige Geschäftsführer bei Hertha, möchte die Äußerungen des Hauptsponsor nicht kommentieren, das stehe ihm nicht zu. „Aber die vergangenen sechs Jahre haben gezeigt, dass die Bahn und Hertha eine funktionierende Partnerschaft haben, die in guten wie in schlechten Zeiten Bestand hat. Wir sind froh, einen solchen Partner an unserer Seite zu haben.“

Zur Zukunft: Wie Morgenpost Online erfuhr, legt die Bahn Wert darauf, wie Hertha in den verbleibenden Wochen auftritt. Die Bahn will einen Verein erleben, der „respektabel“ auftritt, es fallen Beschreibungen wie „würdig“ und „ehrenvoll“.

Ist Hertha BSC noch vor dem Abstieg zu retten? Diskutieren Sie mit im Hertha-Blog unter www.immerhertha.de