Ehefrau Beate

Ohne seine Königin sagt Otto Rehhagel nichts

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Daniel Stolpe

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Wo Otto Rehhagel auftaucht, ist Beate meist nicht weit. Doch wer ist eigentlich die Frau an der Seite des Hertha-Trainers, die ihrem Mann beim FC Bayern einst die Verpflichtung von Mario Basler empfahl?

Im Laufe dieses Donnerstages wird Beate Rehhagel ihren Otto verlassen. Sie wird von Tegel gen Westen fliegen, um zu Hause in Essen nach dem Rechten zu sehen. Es wird aber keine Trennung von langer Dauer. Schon Sonnabend, wenn ihr Mann mit Hertha BSC zu Gast beim 1.FC Köln ist (15.30 Uhr, Sky live und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ), wird Beate Rehhagel die paar Kilometer vom Herzen des Ruhrgebiets hinüber ins Rheinland zurückgelegt haben und pünktlich zu Spielbeginn ihren Platz auf der Ehrentribüne des Kölner Stadions einnehmen.

Wo etwa die Ehefrauen von Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes, die des Dortmunder Meistercoaches Jürgen Klopp oder auch Daniela Löw, Gattin des Bundestrainers, sich zumeist im Hintergrund halten, ist Beate Rehhagel nie weit von ihrem Mann. Am 28. Dezember kommenden Jahres feiert das Paar Goldene Hochzeit; seit fast einem halben Jahrhundert also besitzt der eherne Grundsatz Gültigkeit: Wo Otto ist, ist Beate. Und umgekehrt. Nicht umsonst grantelte Franz Beckenbauer zu Münchner Zeiten der Rehhagels: „Wir haben keinen Trainer, wir haben ein Trainerehepaar geholt.“

Stets präsent, aber nicht greifbar

Wie selbstverständlich geleitete Hertha-Präsident Werner Gegenbauer die Rehhagel beim Olympiastadion-Debüt ihres Mannes zu ihrem Platz, hielt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mit ihr ein Schwätzchen. Wer aber ist diese Beate Rehhagel, die Frau an „König Ottos“ Seite, wirklich? Eine Antwort auf diese Frage hat noch nicht einmal Rehhagel-Biograph Norbert Kuntze parat. Sie sei zwar ständig präsent, aber doch nie so recht greifbar, schreibt er in seinem Buch „Rehhagel“ aus dem Jahr 1999. Von Essen über Berlin, wo das Paar 1963 heiratete, folgte die gleichermaßen reizende wie enorm einflussreiche Beate ihrem Mann zu all seinen anderen Stationen im vergangenen halben Jahrhundert, auch nach Griechenland. „Es ist gewiss nicht vermessen, den beiden unerschütterliche Treue und ein tiefes Vertrauensverhältnis zu unterstellen“, schlussfolgert Kuntze.

„Meine Frau“, hat Rehhagel einmal gesagt, „war immer mein bester Freund, meine Geliebte und mein seelischer Stabilisator.“ Sie ist sein Ratgeber und wohl auch seine Managerin. Bis heute ist es so: Wer an Otto Rehhagel herantreten möchte, ruft am besten Beate an. Sein Handy ist meist ausgeschaltet. Bei ihr hat man mehr Glück. Vertraute dürfen, wenn sie Glück haben, nach ein wenig Smalltalk „den Trainer“ sprechen. Nicht „ihren Mann“, sondern: „den Trainer“. So nennt sie ihn, „aus Respekt vor seiner Arbeit“.

Selbstredend ist Beate Rehhagel auch jetzt ihrem Otto ganz nah, da der Hertha vor dem Abstieg aus der Bundesliga bewahren soll. Berlin war sowieso ein Selbstläufer. Schon immer, sagt die Tochter eines Kunstprofessors, sei die Stadt mit ihrem kulturellen Angebot und auch manchen hier lebenden Freunden „ein Anziehungspunkt“ für die Eheleute gewesen. Deshalb sei ihre Besprechung auch sehr kurz ausgefallen, ob Rehhagel bei Hertha übernehmen solle.

Als ihm zuvor von Gegenbauer und Manager Michael Preetz in ihrem Heim in Essen der entsprechende Antrag gemacht worden war, hatte Beate italienische Häppchen zubereitet. Jetzt, da sie in Berlin ihre gewohnte Rolle als Trainerfrau des öffentlichen Interesses ausübt, sagt sie, sie könne jederzeit Einladungen zu vier TV-Talkshows annehmen. Sie sagt diese Anfragen alle ab. Genau wie sämtliche andere Medienanfragen. Ganz bescheiden gibt sie dann immer zu verstehen: „Ich bin nur hier, um meinem Mann den Rücken frei zu halten.“

So charmant das formuliert ist, es ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Otto Rehhagel, dieser erfahrenste unter Deutschlands Fußballlehrern – „er wäre ohne Beate nicht das, was er geworden ist“, hat der schon verstorbene langjährige Bremer Präsident und väterliche Freund einmal gesagt. Und Rehhagel selbst erzählt mit Verve gern auch vor seinen dann staunend zuhörenden Spielern: „Trotz aller Pokale und Meisterschaften, die ich geholt habe – Beate ist mein größter Erfolg. Das wird immer so bleiben.“

Wer den Einfluss seiner Frau auf den Menschen Otto Rehhagel begreifen will, der muss zurückgehen an den Beginn des Jahrtausends. Der FC Bayern München hatte da die Einladungen zu seiner 100-Jahr-Feier verschickt – versehen mit der Bitte um Rückruf. Der Adressat Rehhagel rief tatsächlich zurück und landete beim Fanbetreuer und früheren Bayern-Torwart Raimond Aumann. „Kommen Sie denn, Herr Rehhagel?“, fragte der. Antwort: „Da muss ich erst Beate fragen.“ Deren Votum war offenbar eindeutig: Rehhagel blieb der Festivität fern.

Noch etwas weiter in der Vergangenheit liegt jenes legendäre Kaffeekränzchen, von dem es heißt, dass Beate Rehhagel ihrem Mann danach die Verpflichtung des schlampigen Genies Mario Basler empfohlen haben soll: „Der ist in Ordnung.“

Begonnen hatte dabei alles ganz anders. „Wir sind uns zufällig begegnet“, sagt Beate Rehhagel über jenen Tag 1961 in der Essener Grugahalle, als sie mit Freunden beim Schlittschuhlaufen war, und der junge Fußballer Otto mit ein paar Kollegen dazu kam. Sie habe gedacht, „oh, das ist aber ein forscher Kerl“, aber Otto Rehhagels einzige große Liebe zu der Zeit war: der Fußball. Ein Paar wurde aus ihnen trotzdem. Also bat er sie, wie es zu der Zeit dem klassischen Rollenverständnis von Mann und Frau entsprach, ihren erlernten Beruf zu Gunsten der Familie aufzugeben. Wenn er mittags von der Arbeit nach Hause kam, hatte das Essen schon auf dem Tisch zu stehen. Und sicher zog auch sie mehr als er ihren Sohn Jens groß, der auf den Spuren des Papa in ein paar Nachwuchsmannschaften von Werder Bremen kickte und heute als Doktor der Sportwissenschaften Leiter des Nachwuchszentrums von Bundesligist Hannover 96 ist. Aus solchen Anfängen hat sich die modernste Form der Eheführung entwickelt. „Geschäfte, Telefonate, Post – Beate hat alles im Griff“, sagt Rehhagel, und: „Ich weiß nicht mal, was wir auf dem Konto haben.“

Mitarbeit: Lars Gartenschläger

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