Zum 1000. Bundesligaspiel

Allet Jute, Tante Hertha!

Gegen Borussia Dortmund macht die Berliner Hertha am Sonnabend ihr 1000. Bundesligaspiel. Das haben bis dahin erst 13 andere Mannschaften geschafft. Zum Jubiläum blickt Morgenpost Online zurück.

Foto: Sven Lambert

Der 24. August 1963 markierte mit dem Start der Bundesliga den Beginn einer neuen Zeitrechnung im deutschen Fußball. Dieses vor fast 50 Jahren gestartete Abenteuer hält an diesem 18. Februar 2012 für Hertha BSC ein Jubiläum bereit: Mit dem Heimspiel gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund findet das Team der Hauptstadt als 14. Mitglied Aufnahme in den elitären Klub jener Mannschaften, die mindestens 1000 Bundesligaspiele ausgetragen haben.

Die Nummer eins der Rangliste, der Hamburger SV, bestreitet an diesem Wochenende bereits Partie 1650, es folgen Werder Bremen (1616) und FC Bayern München (1590). Von 49 Jahren Bundesliga, in denen sich der Fußball hierzulande zum absoluten Wirtschaftsfaktor emporgeschwungen hat, hat Hertha an 30 Spielzeiten teilnehmen dürfen.

Herthas Wechselhafte Geschichte

An 1000 Spielen und den zum Teil langen Phasen dazwischen lässt sich Herthas wechselhafte Geschichte seit 1963 ablesen. Als Vertreter des geteilten Berlin war Hertha auch aus politischen Gesichtspunkten ein unverzichtbares Gründungsmitglied der Bundesliga; als „spannend“, sagt Ex-Profi Uwe Klimaschefski, hätten er und seine übrigen aus den westdeutschen Bundesländern nach Berlin gewechselten Kollegen das Leben und Spielen hinter der Mauer empfunden.

Als dem Klub zwei Jahre später wegen aufgedeckter Schwarzer Kassen vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Lizenz entzogen wurde, musste ein Nachrücker her – es ergab sich das unglückselige Gastspiel von Tasmania, und weil die Dinge sich nun mal nicht zwingen lassen, war danach erst mal Schluss mit Bundesliga-Fußball in Berlin. Vielleicht, spekuliert der gebürtige Reinickendorfer Andreas „Zecke“ Neuendorf, war das manchen hohen Herren beim DFB mit Blick auf die geographische und auch politische Lage aber sogar ganz recht.

Noch ohne Bundesliga-Meisterschaft

Einen Meister aus Berlin hat es in der Bundesliga noch nicht gegeben. In den goldenen 70ern fehlte nicht viel, ihnen folgten die umso schwärzeren 80er: Als „Hertha-Frösche“ titulierte Krawallmacher hielten eine ganze Generation Eltern davon ab, ihren Kindern den Stadionbesuch zu gestatten, auch sportlich trug die Lage des bis in die drittklassige Oberliga abgestürzten Vereins nicht dazu bei, Freunde zu gewinnen.

Diese Phase der Entfremdung von der Basis endete erst mit dem Wiederaufstieg 1997. Es war sportlich und gesellschaftlich der Beginn von Herthas Renaissance, doch wirtschaftlich geriet sie unter dem starken Mann Dieter Hoeneß zum ewigen Ritt auf der Rasierklinge. Erfolge sollten her – mit aller Macht. Zwar war der Ritt zurück an die nationale Spitze anfangs rasant und führte gar bis in Europas Königsklasse, die Champions League. Doch der beabsichtigte letzte Schritt hin zum ersten Titel seit 1931(!), er blieb auch weiterhin aus. Der Schuldenberg, den die Ära Hoeneß hinterließ, wird Hertha noch viele Jahre in ein enges wirtschaftliches Korsett zwängen – daran vermag auch die neu erworbene Mitgliedschaft im elitären Klub der Tausender nichts zu verändern.

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